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Ports of Call PDF Drucken
Geschrieben von Minsc   
08.03.2008

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Wenn man unter Amigaspielern, die die Blütezeit des Amigas mitgemacht haben, fragen würde, welche Spiele sie mit durchzockten Nächten am meisten in Verbindung bringen, so fallen da erstmal die üblichen Verdächtigen wie der Bundesliga Manager Professionell oder Anstoss ein – aber eben auch: Ports of Call.

Handelssimulationen gab es ja viele, von Vermeer über Hanse bis hin zu 1869 oder Patrizier. Am C64 und später am Amiga war dieses Genre unglaublich beliebt, und ein Titel, der auch in diese Kategorie gehört, ist das Thema dieser Review.

Bei Ports of Call geht es um modernere Frachtschiffe. Man wählt am Anfang die gewünschte Spieldauer (1,2 oder 3 Stunden – oder bis zum zum bitteren Ende), einen von drei Schwierigkeitsgraden und die Anzahl der bis zu vier Mitspieler. Computergegner gibt es nicht. Man sollte also schon mindestens zu zweit davor sitzen, sonst wird es doch nach kurzer Zeit langweilig. Danach entscheidet sich jeder Spieler seinen Heimathafen und mit etwas Startkapital, 5 Millionen Dollar, geht es los.

Man sieht dann erstmal nur die Weltkarte, links unten ist der Schalter, um die Simulation zu starten oder zu stoppen. Während man nun also das Geschehen erstmal anhält, geht es an das Schiffe kaufen. Hier hat man die Wahl zwischen sieben verschiedenen Typen, die sich in Zustand, Geschwindigkeit, Verbrauch und natürlich der Ladekapazität unterscheiden. Das Teuerste verfügt sogar über Seitenruder, allerdings hat man so direkt zu Beginn noch keine 60 Millionen über, um sich das leisten zu können. Am Anfang ist es wohl eher das Beste, etwas mehr auf Ladekapazitäten zu achten, denn so bekommt man bessere Aufträge. So nehme ich meist gleich zwei Schiffe der Mittelklasse, darf ihnen noch Namen geben und entscheiden, ob ich gleich schon etwas mehr anzahle oder eben doch die regelmäßig anfallenden höheren Hypothekengebühren in Kauf nehme.
Später kann man hier Schiffe verkaufen und in sein Büro gehen. Letzteres sollte man regelmäßig tun, da sonst auch mal Geld gestohlen wird.

Hat man also sein Schiff, kann man die Simulation starten und landet nach wenigen Spieltagen im Hafen. Hier können Aufträge angenommen, das Schiff betankt oder repariert werden, oder, wenn kein guter Auftrag vorhanden ist, legt man bei laufenden Kosten für ein paar Tage ab, um dann zu schauen, ob was besseres da ist. Preise für Kraftstoff und Reparaturen, auch Kauf – und Verkaufspreise der Schiffe und erzielbare Gewinne, die man für Aufträge bekommt, werden dynamisch berechnet. So kann man z.B. Für das teuerste Schiff von weit über 60 Millionen bis hin zu nur 40 ausgeben. Genau das macht auch den Reiz des Spieles aus, zu entscheiden, wann man wie handelt – oder zum handeln gezwungen ist.

Im Hafen schaut man, ob genug Sprit an Bord ist, dann sucht man sich aus, wo man hinfahren möchte und was man lädt. Die Frachten sind unterschiedlich lukrativ, natürlich bringen Waffenladungen nach Monrovia eine Menge, doch das ist Kriegsgebiet und das Schiff kann beschossen und beschädigt werden – also doch lieber die Elektronikfracht nach Karachi? Aber man muss diese innerhalb einer bestimmten Zeit schaffen, sonst droht eine Konventionalstrafe. Schleichfahrt zahlt sich eben nicht aus. Und so hatte bereits die Wahl des Heimathafens zu Beginn des Spiels einen großen Einfluss darauf, welche Routen und Zielhäfen verfügbar sind, denn man kann nicht von jedem Hafen aus jeden anderen erreichen. Es gilt dann im Verlauf des Spiels erstmal, lukrative Strecken herauszufinden und abzuwägen, ob man längere Routen fährt und mehr Geld bekommt, dafür aber deutlich länger unterwegs ist, auf offener See häufiger in Stürme gerät und auch deutlich mehr für Kraftstoff ausgeben muss, oder ob man eher kurze Wege bevorzugt.

Bevor man dann endgültig den Hafen verlässt, kann man noch entscheiden, ob man in einem Minispiel von Hand ablegt, oder ob man sich mit Hilfe eines Schleppers aus dem Hafen ziehen lässt. Man fährt natürlich selbst – und was gibt es schöneres, als wenn der Mitspieler sein neues Schiff gleich mal gegen die Kaimauer setzt...

Danach legt man noch fest, wie schnell gefahren werden soll, was Auswirkungen auf Dauer der Fahrt und den Kraftstoffverbrauch hat. Schon etwas weniger als das Maximum der Geschwindigkeit kann sich da lohnen. Unterwegs zum Ziel muss man Stürme durch – oder umfahren, das eine geht zu Lasten des Schiffszustandes, das andere dauert eben länger und kostet mehr Sprit, so dass man, wenn man Pech hat, irgendwann nur noch von einem anderen Schiff an den Haken genommen und für einen Freundschaftspreis von einer Million Dollar in einen Hafen geschleppt wird.

Manchmal muss man Eisberge umfahren, eine Kanalgebühr entrichten oder Rettungsinseln bergen, wobei sich letzteres als ziemlich schwer entpuppt, oft rammt man die Insel. Außerdem sind in Häfen andere Schiffe auf Kollisionskurs, denen man in einem Minispiel ausweichen muss, oder man kann Zusatzgeschäfte tätigen und Koffer gegen schmutzige Dollar schmuggeln (das kann man mitunter etwas hochpokern) – leicht verdientes Geld. Außer man wird erwischt und das Schiff wird an die Kette gelegt. Hierbei kann man dann aber versuchen Schmiergeld in wählbarer Höhe zu entrichten, wodurch das Schiff entweder wieder freikommt oder sich die Strafe sogar verlängern kann.

Ist man dann am Zielhafen angekommen, kann man auch wieder selbst anlegen oder per Schlepper, auftanken, einen neuen Auftrag annehmen oder nach dem Schiffszustand schauen, denn je schlechter der ist, desto größer ist die Gefahr, dass der Kahn einfach mal absäuft.

Nach einiger Zeit, Gewinne vorausgesetzt,  kann man dann Kredite abzahlen, neue Schiffe kaufen, alte verkaufen (wobei da eben meist entweder der Kaufpreis im Keller ist oder der Verkaufspreis, es lohnt sich also zwischen beiden Aktionen zu warten, wenn man noch ein zweites Schiff hat).

Ziel des Spiels ist es natürlich, einen möglichst hohen Status zu erreichen. Dieser basiert auf der Anzahl der Schiffe, auf dem Vermögen der Firma, aber auch darauf, wie viele Häfen man so angesteuert hat und wie oft man beim Schmuggeln erwischt wurde. So kann man durch vielfältige, flexible Strecken mehr erreichen, als wenn man immer nur dieselbe, vielleicht sehr lukrative Route fährt.

Grafisch sieht das alles heutzutage sehr funktionell und unspektakulär aus, aber das reicht allemal. Für damalige Verhältnisse, 1987, sah das schon sehr gut aus. Musik gibt es nicht, es werden nur Effekte, wie Windrauschen oder Schiffsgeräusche, verwendet. Aber das ist meistens sehr passend und allemal besser als belangloses und nerviges Dauergedudel, wie man es aus neueren Tycoon-Spielen nur zu häufig kennt. Die Steuerung über die Maus/Tastatur ist simpel und gelungen.

Größter Kritikpunkt ist, dass die Motivation nach 1-2 Spielabenden doch etwas abflaut, weil man alles gesehen hat und nur noch mehr Geld scheffeln kann. Wirklich schlimm ist das aber auch nicht, denn zum immer mal wieder rauskramen und mit Freunden eine Nacht durchspielen ist es auch heute noch gut geeignet und macht mir viel Spaß.

Ports of Call ist ein einfaches und zugängliches Spiel. Und doch ist mir beim Schreiben dieses Textes wieder aufgefallen, wie komplex es eigentlich ist und wie viele Entscheidungen man selbst treffen kann. Die PC - Variante unterliegt in Grafik und Sound der Amigaversion recht deutlich, aber auch da kann man viel Spaß haben. Im Rahmen der vor wenigen Jahren erschienenen XXL-Fassung des Spiels mit neuen Grafiken gibt es auch die unter XP lauffähige Amiga-Classic-Version. Inzwischen ist diese sogar bei der Software – Pyramide erhältlich, wobei die XXL - Ausgabe nicht wirklich zu empfehlen ist, die Klassische dagegen aber umso mehr und allein deshalb lohnen sich die 5 Euro schon. Alternativ kann man diese auf der Homepage der Entwickler herunterladen und die Sharewareversionen gegen eine Gebühr frei schalten.

Gerade zu zweit ist das ein tolles Spiel, bei dem es immer was zu tun und zu entscheiden gibt, und wenn das Schiff mal unterwegs ist, schaut man den Gewinnen bei einem Glas Rotwein fröhlich entgegen, während man Minuten später im nicht mehr nüchternen Zustand den Kahn an die Wand setzt.

Ports of Call ist wegen seiner gelungenen Mischung aus Kurzweiligkeit, spaßigen Minispielen und einer gewissen Komplexität zu Recht ein zeitloser Klassiker und man darf wohl gepannt auf das gerade erschienene Remake Ports Of Call 2008 sein. Auch wenn das diesen Status des Urahnen wohl nie erreichen wird, denn die Spiele damals waren schon immer etwas Besonderes...  
Ahoi!  

Publisher: Aegis Interactive Software
Developer: Aegis Interactive Software
Erscheinungsjahr: 1987
Erschienen für: Amiga, PC
Anzahl Spieler: 1 - 4
Schwierigkeitsgrad: wählbar

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Grafik7/10  Spielspass
Sound6/10
5/10
Gameplay 7/10
Multiplayer 8/10

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