|
Denkt man an kontroverse und gewalttätige Videospiele, fällt einem zuerst wohl Mortal Kombat ein oder Doom oder Quake. Eines der brutalsten und absurdesten Spiele ist aber immer noch relativ unbekannt: Chiller. Es erschien 1986 in der Spielhalle. Einige Jahre später folgte sogar auf dem NES eine unlizenzierte Veröffentlichung. Ob Nintendo jemals davon erfahren hat? Eine Handlung gibt es nicht, die gibt es nur in der NES Version wo man schnell erklärt, das mal wieder eine Truppe böser Dämonenmonsterviecher den Angriff plant und deshalb muss man verschiedene Artefakte finden um sie zu stoppen. Klingt dämlich, ist es auch. Erschienen ist das Spiel zuerst in der Spielhalle und wir haben es mit einem klassischen Light Gun Shooter zu tun. Obwohl es eine Option für zwei Spieler gibt, kann man nicht zusammen spielen. Das Gehäuse bot nur eine Light Gun, stattdessen spielt jeder abwechselnd den Level und es geht nur darum, wer mehr Punkte macht. Startet man das Spiel und lässt den Speichertest über sich ergehen, wird man direkt von schaurigen Schreien und Grunzern begrüßt. Danach startet man direkt in Level 1 und das Spiel macht direkt klar, was Sache ist. Wir befinden uns in einer klassischen Folterkammer. Ein Typ liegt unter einer Guillotine, ein anderer hat seinen Kopf in einer Schraubzwinge, eine Frau ist nackt und gefesselt an der Wand, während ein anderer Typ gefesselt von der Wand hängt. Überall liegen Arme und Beine herum, die Wände sind blutverschmiert und auf einem Regal liegen Köpfe herum. Es ist der Albtraum jeden Mitarbeiters der Bundesprüfstelle. Was man nun machen muss ist einfach: Schieße auf die Leute, bringe sie um, zerstückel sie. Man muss eine bestimmte Anzahl von Treffern landen, ehe das Spiel zu Ende ist. Darunter eben auch spaßige Sachen wie das Seil der Guillotine kappen oder die Schraubzwinge solange anschießen bis der Kopf platzt. Damit das Spiel nicht zu plump wirkt, muss man auch noch 8 versteckte Gegenstände finden, die werden zuvor im Menü vage angedeutet. Das ist tatsächlich herausfordernd, da man eh schon von einem engen Zeitlimit (Standard sind 45 Sekunden) verfolgt wird. Der erste Level ist hierbei noch sehr einfach, das größte Secret ist das Schild das an der Wand hängt. Hat man die erforderte Anzahl Treffer gelandet, wird die verbliebene Zeit in Punkte umgerechnet. Hat man alle 8 Stellen gefunden, geht es zu einem Bonusspiel: Ein einarmiger Bandit, wo man um Punkte und Continues spielt. Hat man nicht alle gefunden, geht es direkt zu Level zwei. Der nächste Folterraum, Menschen auf Streckbänken, ein Fluss voller Blut und eine Frau an einem Seil. Sicher der Albtraum der Bundesprüfstelle. Schießt man die Spindel neben der am Seil hängenden Frau an, wird sie langsam immer weiter in den Fluss herabgelassen und kontinuierlich von einem Krokodil aufgefressen. Danach folgen noch zwei weitere Levels, ein Flur im Schloss samt Gruselgeistern und einem Sarg samt Mumie. Das witzigste ist, das die Figuren ständig von einer Tür zur nächsten über den Flur rennen, es erinnert an alte Cartoons, wo die Figuren dann immer aus anderen Türen rauskommen. Auch ein Hund rennt rum, der praktisch der einzige nicht zu tötende Charakter ist, stattdessen schnappt er sich ab und zu mal einen Arm oder Kopf der rumliegt. Der letzte Level ist der Friedhof, der mit einigen optischen Gags aufwarten kann, so gibt es eine Leiche die immer auftaucht, sich den Kopf abreißt und wie einen Basketball in ein anderes Grab wirft. Ein Mönch mit einer Schubkarre voll blutiger Einzelteile fährt herum und um das gruselige Setting abzuschließen gibt es natürlich einen Vollmond und die Kirche im Hintergrund. Das Spiel hat kein Ende. Hat man nicht sofort alle Gegenstände in einem Level gefunden, spielt man ihn erneut. Echte Feinde gibt es nicht, das Spiel endet, wenn die Zeit verstrichen ist. Es geht einzig und allein darum eine hohe Punktzahl zu erreichen, denn selbst wenn man alle 4 Levels durchgespielt hat, wiederholen sie sich. Grafisch ist das Spiel recht simpel, auch 1986 wäre wohl grafisch etwas mehr drin gewesen, aber es ging hier nicht um große Animationen sondern schlicht darum möglichst viel Blut und teilweise schon etwas ekelhafte Horrorszenen zu zeigen. Entwickler Exidy hat das auch wirklich gut geschafft, es gibt nur wenige Spiele die brutaler daherkommen. Die Musik ist nicht wirklich horrormäßig, sie wirkt sogar etwas unpassend. Die Soundeffekte sind laut, rauschig und von einer mittelmäßigen Qualität, so das sie schon recht schnell nerven. Hier wäre mehr drin gewesen. Werfen wir noch einen Blick auf die NES Version, hier gibt es einige Unterschiede: Die vier Levels werden in umgekehrter Reihenfolge gespielt. Die Grafik ist absolut furchtbar und viele Effekte fehlen. Nackte Frauen haben etwas mehr Kleidung und die wohl bizarrste Änderung ist der Mönch auf dem Friedhof. Der wurde in eine Nonne umgewandelt die einen Kinderwagen rumschiebt. Außerdem ist es in dieser Version möglich, zu zweit zu spielen. Es ist auch eines der wenigen oder vielleicht sogar das einzige Spiel auf dem NES das es ermöglicht zwei Zapper zu nutzen. Das Spiel ist recht kurz und auch nicht sonderlich herausfordernd, so dass es zwar kurzzeitig irgendwie unterhält, weil es einfach so unglaublich krass ist und man doch irgendwie gespannt auf die ganzen Animationen ist. Aber öfter als einmal wird das wohl kaum spielen. Da gibt es einfach bessere Shooter wie Virtua Cop, House of the Dead und ähnliches. Menschen die aber auch Splatterfilme gerne sehen, werden an Chiller wohl einigen Spaß haben. Publisher: Exidy Developer: Exidy Erscheinungsjahr: 1986 Erschienen für: Arcade, NES Anzahl Spieler: 1-2 (abwechselnd) Schwierigkeitsgrad: Leicht  
| Grafik | 5/10 | | Spielspass | | Sound | 6/10 | | | Gameplay | 5,5/10 | | Multiplayer | 4,5/10 |
Im Forum kommentieren |