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Jede Publicity ist gute Publicity. So sagt man. Manche Firmen nehmen diesen Spruch wohl etwas zu wörtlich. Jedenfalls muss das wohl der Grund sein, warum es immer wieder Entwickler gibt, die scheinbar ein Spiel nur entwickeln, um damit in die Medien zu kommen und das dies mit harmlosen und qualitativ hochwertigen Spielen nicht möglich ist, wissen sie auch. Also produzieren sie etwas kontroverses, ein Spiel, das Grenzen sprengt, geschmacklos ist oder sonst wie negativ auffällt. Meist haben die Entwickler damit Erfolg. Vor allem heutzutage, wo die Diskussion um „Killerspiele“ vor allem hier in Deutschland scheinbar wichtiger ist, als die wirklich wichtigen politischen Themen.
Custer’s Revenge (1982, Atari 2600) 
Viele glauben ja, dass früher alles besser war. Die Spiele waren friedlicher und kindertauglich und überhaupt war früher alles bunt und lustig und toll. Bullshit. Der beste Beweis, dass es auch vor über 20 Jahren schon kranke Entwickler mit dämlichen Ideen gab, ist wohl dieser Titel. Custer’s Revenge ist ein „Erotikspiel“, entwickelt von Mystique, die nur so komische Sexspielchen veröffentlicht haben und während Spiele wie Bachelor Party eher harmloser Trash ist, ist Custer’s Revenge krank. Das Ziel ist es, mit General Custer eine Indianerin zu vergewaltigen. Tatsächlich ist es auch das mir einzig bekannte Spiel, wo es Vergewaltigungen gibt, weil das ansonsten ja zum Glück eine Art ungeschriebenes Gesetzt in der Spielebranche ist (Auch wenn man nie wissen kann, was es für Merkwürdigkeiten in Japan gibt). Das Spiel hat nach der Veröffentlichung natürlich recht schnell die Medien beherrscht. Viele Frauenrechtsgruppen, aber auch Angestellte aus der Spielebranche selbst, gingen gegen das Spiel vor. Gebracht hat es wenig, es wurde Mystiques größter Verkaufserfolg und das, obwohl es nicht nur eines der kontroversten Spiele ist, sondern auch eines der miesesten.
JFK: Reloaded (2004, PC)

Dieses Spiel wurde wohl wirklich nur entwickelt, damit der Hersteller in die Schlagzeilen kommt. Am 41. Todestag von John F. Kennedy, veröffentlichte Traffic Games eine „Simulation“, wo man eben jenen Mord nachspielen kann. Als Scharfschütze steht man in dem mutmasslichen Gebäude, der Autokonvoi rund um JFK biegt um die Ecke und man soll den Präsidenten mit maximal 3 Schüssen töten. Anschließend sieht man sich das Ganze im Replay an und dann folgt eine „Bewertung“, je näher man am „Original“ war, desto mehr Punkte gibt’s. Als wäre das schon nicht krank genug, hat der Entwickler auch noch einen Wettbewerb abgehalten. Der Spieler, welcher der Maximalpunktzahl am nächsten kommt, sollte mindestens 10.000$ gewinnen. Das ist schon nicht mal mehr nur makaber und man hätte die verantwortlichen Leute mal auf ihren Geisteszustand überprüfen sollen. Während die sich rausredeten, das Ganze sei eine Simulation und man wollte nur beweisen, dass eben nicht Lee Harvey Oswald der alleinige Mörder war, ging die Kennedy Familie aktiv gegen die Entwickler vor und verklagten sie. Mittlerweile ist der Hersteller nicht mehr existent. Zum Glück, wer weiß, was sie sonst noch für „Simulationen“ entwickelt hätten.
Duke Nukem 3D (1996)

Der Duke gehört natürlich in diese Liste. Tatsächlich war Duke Nukem 3D wohl der Shooter, welcher die meisten negativen Reaktionen damals bekam, er übertraf recht locker Doom und Wolfenstein 3D. Natürlich kann man hier aber sagen, dass Duke Nukem eine reine Satire ist und absolut übertrieben Darstellungen bietet. Trotzdem kamen auch hier wieder einige Frauenvereinigungen an und meinten, dass Frauen hier negativ dargestellt werden, da sie im Spiel praktisch entweder Stripperinnen oder Opfer der Aliens sind. Das ist wohl einer der Gründe, warum im Playstationspiel „Land of the Babes“ der Duke an der Seite von weiblichen Soldaten spielt. Die übertriebene Gewalt war ebenso ein Ziel wie die gesamte Pornographie. Man kann in Erotikläden gehen, es gibt Poster für Pornos, im Kino läuft ein Porno, man kann Stripperinnen bezahlen damit sie sich ausziehen, die Liste ist lang. Am härtesten aber traf es das Spiel wohl in Brasilien. Da wurde rs gleich komplett verboten und das wegen dem ersten Level, wo man in ein Kino stürmt. In Brasilien gab es einen Amokläufer, der auch ein Kino stürmte und Menschen erschoss und prompt machte man das Spiel dafür verantwortlich.
Thrill Kill (1998, Playstation)

Thrill Kill hätte kontrovers werden können und wäre wohl das gefundene Fressen für die BPJM geworden, aber es gibt dann eben doch noch Publisher, die so etwas wie Moralwerte besitzen und denen Geld nicht am wichtigsten ist. Thrill Kill wäre sicher ein Hit geworden, da es praktisch ein „Next Level Mortal Kombat“ ist und Mortal Kombat selbst war ja auch nur der Gewalt wegen ein Erfolg. Thrill Kill wurde von Paradox entwickelt. Technisch war es beeindruckend. Tolle Grafik, gute Effekte und 4 Kämpfer gleichzeitig in der Arena. Anstatt aber auf ein ausgefeiltes Gameplay wert zu legen, setzte man lieber auf grenzenlose Gewalt. Die Kämpfer sollten alle Psychopathen sein oder, wie es IGN im Preview so schön ausdrückte „The Rocky Horror Picture Show gone bad“. Neben dem Abtrennen verschiedener Körperteile, die man dann auch als Waffe gegen die anderen Gegner einsetzen konnte, gab es auch Fatalities, bei denen kaum mit Blut gespart wurde. Publisher Virgin wollte das Spiel veröffentlichen, allerdings wurden sie dann von Electronic Arts aufgekaut. Die warfen einen Blick auf das Spiel und entschieden sich, dass es nicht wirklich für den Markt geeignet ist. Die Entwicklung war fast beendet und wurde gestoppt. Allerdings gerieten später dann doch einige Betaversionen ins Internet.
Postal (1997, PC)
Irgendwann musste es ja so weit kommen. Eine Amokläufersimulation für den PC, denn eine richtige Story gibt es hier nicht mal. Man spielt den Postal Dude und dieser ist leicht paranoid, denn er glaubt, dass alle Mitbewohner in der Stadt von einem bösen Virus befallen sind und ihn töten wollen. Also nimmt er seine Waffen und geht auf die Straße. Mittlerweile gibt es ja einen Nachfolger und ein weitere ist genauso wie ein Film in der Entwicklung und wäre Postal 2 zwar immer noch einige kranke Sachen bietet, ist es bei weitem nicht so krass wie das Original. Dieses sieht zwar aus der Isoperspektive recht harmlos aus, hat es aber in sich. Nicht nur, das man hier harmlose Zivilisten tötet, nein man kann hier sogar auf Kinder losgehen. Sie mit einem Flammenwerfer anzünden und dann zusehen, wie sie brennend die Straße entlanglaufen. Auch geben die Opfer noch Kommentare von sich. Sprüche wie „I can’t breath, I can’t see“ werden vom Postal Dude mit einem zynischen „Aw, did that hurt?“ beantwortet. Das Spiel wurde natürlich in vielen Ländern verbannt und Entwickler Running with Scissors verklagt. Allerdings war diese Klage eher ein wenig lächerlich und wurde deshalb nach 6 Jahren auch ausgesetzt. Der United States Postal Service hat nämlich wegen des Spieletitels geklagt und behauptet, es würde ihrem Unternehmen schaden…
Harvester (1996, PC) 
Kontroverse Spiele kommen ja meist aus den gleichen paar Genres: Ego-Shooter, Beat ’em Ups. Harvester ist da anders, denn Harvester ist ein Point and Click Adventure. Harvester war eines jener Spiele, das digitalisierte Hintergründe verwendete und in dem echte Schauspieler als Figuren auftreten. Ähnlich wie bei Phantasmagoria war das schon einer der Hauptgründe, warum das Spiel für Kontroversen sorgte, denn es sah damals sehr realistisch aus. Während aber Phantasmagoria fast rein auf Gewaltszenen setzte, geht Harvester noch einige Schritte weiter. Viel Blut und Gewalt wird hier auch geboten. Daneben noch Kannibalismus, Prostitution, Sexszenen, die auch mal nur Masturbation zeigen. Zusätzlich noch Diskriminierung von Homosexuellen und Stereotypen, vor allem Italiener und Native Americans sind hier das Ziel. Zusätzlich gibt es noch eine Schule im Spiel, welche nach dem amerikanischen Serienmörder Ed Gein benannt ist. Das Spiel wurde dadurch sogar schon 2 Jahre vor der Veröffentlichung zum Gesprächsthema. In der Folge wurde es vor allem in den USA kontrovers diskutiert und war sogar Thema in diversen Nachrichtensendungen. In Deutschland wurde es indiziert, in England nur extrem zensiert veröffentlicht und der australische Publisher hat sich sogar ganz geweigert, dieses Spiel herauszubringen.
Soldier of Fortune (2000, PC)

Ein weiterer Ego-Shooter, der für Aufsehen sorgte und das nicht nur hierzulande. SoF sollte ein besonders realistisches Spiel werden, man arbeitete sogar mit einem echten Söldner zusammen. Herausgekommen ist trotzdem mehr eine Art Arcade-Shooter, der allerdings mit einem Feature werben konnte, das damals „revolutionär“ war: Man konnte den Gegnern gezielt Extremitäten abschießen und dabei fast chirurgisch präzise vorgehen. Sollte es nur der Unterarm sein oder doch gleich der ganze Arm? Ein Feature, das spielerisch absolut sinnlos war und eben nur eingebaut wurde, um damit bei den besonders Blut- und Gewaltgeilen Spielern werben. In Deutschland kam das Spiel so natürlich recht schnell auf den Index und eine zensierte Fassung wurde herausgegeben. Nicht weiter ungewöhnlich. Aber auch in Großbritannien hielt man nicht viel von dem Spiel und einer einzigartigen Aktion wurde Soldier of Fortune als Erwachsenenfilm mit dem Restricted Label eingestuft. Dem Erfolg tat das keinen Abbruch und ein Nachfolger, der nicht minder kontrovers war, wurde schnell auf den Markt geworfen.
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