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Chris Irvine ist Wrestler und man kennt ihn als Chris Jericho. Er ist auch Sänger und Sohn des bekannten ehemaligen Eishockeyspielers Ted Irvine. A Lion’s Tale ist seine Geschichte. Zumindest der erste Teil. Er erzählt über seine Kindheit in Kanada und seine Großmutter, die großer Wrestlingfan war und Jericho überhaupt erst zum Wrestling brachte. Im Folgenden versucht er alles um Wrestler zu werden, sein großer Traum war es, mal bei Stampede, der Liga der Hart Familie anzutreten. Aber diese ging zu schnell bankrott und so trat die WWF an deren Stelle.
A Lion’s Tale umfasst 520 Seiten. 520 höchst unterhaltsame, spaßige Seiten, welche Jericho als sehr bodenständigen Menschen zeigt, der seinen Beruf immer noch mehr als Hobby sieht. Seine ersten Versuche bestritt er in kleinen kanadischen Shows, die ihn auch schon mal in schmierige Bikerbars führten. Von dort verschlug es ihn weiter in die Trainingsschule der Hart Brothers, die eigentlich nicht mehr als Abzocke waren. Wirklich genial sind seine späteren Schilderungen aus Mexiko, wo er auf einen Haufen merkwürdiger Gestalten trifft, in heruntergekommenen Arenen auftritt und von einer Frau verarscht und überfallen wird. Sehr witzig sind hier vor allem die Ratschläge, die er von angeblich erfahrenen Veteranen bekommt, wie jener, dass er unbedingt in einem Lendenschurz auftreten sollte um bei den Fans anzukommen.
Lustig wird es immer dann, wenn er schildert wie sehr in manche Situationen an einige seiner Lieblingsfilme erinnern. Vor allem Planes, Trains & Automobiles sowie Spinal Tap werden oft erwähnt und man kriegt den Eindruck, dass der Großteil der Wrestlingwelt tatsächlich wie Spinal Tap ist. Von Mexiko geht es weiter nach Deutschland. In Hamburg landet er bei den Catchligen, die damals noch so was wie einen Stellenwert besaßen. In großen Zelten wurden meist wochenlange Turnier veranstaltet, die allerdings keinem wirklichen Turnierplan folgten. Sehr unterhaltsam schildert Jericho seine Erlebnisse in dieser völlig fremden Welt zwischen Reeperbahn und Etagentoiletten in billigen Hotels. Immerhin freut er sich, als großer Beatlesfan in die Clubs zu kommen, wo diese Band ihre ersten Erfolge feierte. Als Stranger in a strange Land fühlte er sich wohl auch in Japan, zumal dort Wrestling als ernster Sport angesehen wird und sehr stark mit der Yakuza in Verbindung steht. Sein eigentliches Ziel, in die WWF zu kommen rückte dort in weite Ferne, als er ein Angebot aus der ECW bekam und dann kurze später in der WCW landet, die just zu diesem Augenblick die Nr. 1 in Amerika wurde. Ähnlich wie in Death of WCW, lässt Jericho aber kein gutes Bild dieser chaotischen Liga. Aber auch das schafft er sehr unterhaltsam zu schildern, wie seinen misslungenen Spinal Tap Tribut, wo die Tür aufging…
A Lions’ Tale findet sein Ende mit dem Ziel Jerichos: Die WWF bietet ihm einen Vertrag an und Y2J wird geboren. Auch wenn Jericho hier etwas arg übertrieben die WWF vollschleimt und so Jim Ross als besten Kommentator aller Zeiten bezeichnet (Gordon Solie rotiert dabei wahrscheinlich im Grab), ist dieses Kapitel zum Glück recht kurz gehalten. Es endet mit dem Countdown zu seinem ersten Auftritt.
Insgesamt hat mir das Buch sehr viel Spaß gemacht. Es hebt sich positiv von vielen anderen Wrestlingbiographien ab, die entweder unglaubwürdig (Hogans) oder voller Frust (Dynamite Kids) sind. Jericho wirkt sehr sympathisch und ließ sich selbst dann nicht unterkriegen, wenn er zum zigsten Male von einem Promoter aufs Kreuz gelegt wurde. Nebenbei erzählt er noch ein wenig von den ersten Auftritten mit seiner zukünftigen Band Fozzy und wie er auf seine Frau traf, aber in erster Linie geht es hier um Wrestling. So platziert sich A Lion’s Tale direkt neben Mick Foleys erstem Buch als bislang beste Wrestlerbiographie.
Titel: A Lion’s Tale: Around the World in Spandex Autor: Chris Jericho & Peter Thomas Fornatale Verlag: Hachette Book Group Erscheinungsjahr: 2007 Seitenanzahl: 520 (+16 Fotoseiten)
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