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Dan Brown, der Mann für das Verweben von Verschwörungstheorien aller Art mit religiös-mystischen Gegebenheiten ist mit seinem neuen Buch zurück. Diabolus heißt es und ist in Deutschland nach seinen Bestsellern Meteor, Sakrileg und Illuminati erschienen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Browns ersten Roman, geschrieben vor allen anderen unter dem Originaltitel „Digital Fortress“.
Passend sind beide Titel, wobei der Name „Diabolus“ wieder auf eine religiöse Thematik hindeutet, doch genau das ist nicht der Fall, man hielt das wohl für verkaufswirksamer im Hinblick auf den größten Erfolg: Sakrileg. Besser und vor allem auch weniger irreführend wäre allerdings der Originaltitel.
Emails werden verschickt, Emails werden entschlüsselt und Emails können Hinweise auf Attentate enthalten. Um dies zu überwachen gibt es die NSA, täglich ist ein milliardenschweres Gerät namens TRANSLTR im Einsatz Codes zu knacken, verschlüsselte Emails in Klartext zu verwandeln. Doch eines Tages steht dieses Wunderwerk der Technik vor einem schier unlösbaren Problem, ein rotierender Code, der selbst nach 15 Stunden nicht entschlüsselt wurde. Ensei Tankado, ehemaliger Mitarbeiter der NSA, hat sein Programm, Diabolus, ins Netz gestellt und zum Download freigegeben, nur wenn die NSA endlich öffentlich zugibt, ein Gerät wie den TRANSLTR zu besitzen, rückt er den Key raus, mit dem das Programm gestoppt werden kann...
David Becker, ein Professor, der scheinbar als solcher nicht genug verdient und immer wieder Nebenaufträge annimmt, fährt nach Sevilla, denn Tankado wurde dort tot aufgefunden. Er soll seine Besitztümer an sich nehmen, doch schon bald ist er auf der Suche nach einem Ring – und dabei ist er nicht allein, sondern wird verfolgt von einem Mann, der den Auftrag hat ihn zu töten.
Beckers Freundin, Susan Fletcher, ist natürlich die beste Kryptologin bei der NSA, klar, dass sie als erste von Strathmore, dem Chef, hinzugezogen wird. Ebenso klar, dass er für Susan wie eine Vaterfigur war und ist. Außerdem sind da noch einige neugierige Mitarbeiter der NSA, die Strathmore nicht ganz so blind vertrauen und auf eigene Faust versuchen hinter das Geheimnis des Ganzen zu kommen.
Sicher wurde hier das Genre nicht neu erfunden, aber Brown versteht sein Handwerk und so liest man sich recht flott durch den Roman. Es gibt eine obligatorische Verfolgungsjagd genauso, wie Charaktere die sich weiterentwickeln – aber eben doch auch sehr in Klischees verfallen und natürlich auch alle die besten der Besten sind. Etwas peinlich ist es, wie diese ab und zu Gefühle zeigen oder versuchen, zu erklären, warum sie so handeln, wie sie es tun, zum Beispiel auch der Heiratsantrag des David Becker zu einem Zeitpunkt, wo es auf jede Sekunde ankommt...
Erster Satz: Es heisst, dass sich im Tode alles klärt.
Zitat, S.14: Der Wachmann bedachte Susan mit einem bewundernden Blick. Er bemerkte, dass ihre ansonsten so fest dreinblickenden Augen Augen etwas abwesend wirkten, aber ihre Wangen hatten eine rosige Frische, und ihr schulterlanges kastanienbraunes Haar wirkte frisch geföhnt. Ein zarter Duft von Johnson's Babypuder umwehte sie. Der Blick des Wachmannes glitt an ihrem schlanken Oberkörper herab, registrierte den BH unter ihrer weißen Bluse, den knielangen Khakirock und schließlich die Beine... Susan Fletchers Beine. Kaum zu glauben, dass auf diesen Beinen ein IQ von 170 herumläuft, sinnierte er, [...]
„Kaum zu glauben“ finde ich da eher diese Beschreibung von Browns Heldin, auch von anderen Charakteren. Da ist schon vieles durchschaubar – und genau das ist auch eine Schwäche von ihm – das ist doch nicht Rosamunde Pilcher!
Gerade am Ende wird das Buch nur noch vom Erzähltempo getragen – und der resultierenden Spannung, ob das „Digital Fortress“ von Diabolus bezwungen wird oder nicht. Dass die Spezialisten der NSA da nun auf die Hilfe von david Becker angewiesen sind das letzte Rätsel zu klären – und ewig brauchen, um hinter das Geheimnis der Inschrift des Ringes zu kommen, das ist allerdings wenig glaubhaft.
Zumindest ist es spannend bis zum Schluss, alles in allem hat mir Illuminati allerdings besser gefallen. Diabolus ist dann eher was für die Leute, die gern alles von Dan Brown lesen möchten, oder zumindest ein Review darüber schreiben wollen.
Titel: Diabolus Autor: Dan Brown Übersetzer: Peter A. Schmidt Verlag: Bastei Lübbe Originalausgabe: Digital Fortress Erscheinungsjahr: 1998 Seitenanzahl: 524
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