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D. Morrell - Creepers PDF Drucken
Geschrieben von Minsc   
19.10.2008

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Creepers, so nennt sich eine Gruppe von abenteuerlustigen Wissenschaftlern, die seit Jahren leerstehende Gebäude besichtigen. Nun, besichtigen ist vielleicht nicht ganz richtig, denn es handelt sich nicht um Ausstellungen, sondern sie dringen widerrechtlich ein. Allerdings nur, um zu schauen, nichts verändern. Das ist die Maxime. Und so machen sie sich in Begleitung eines Journalisten, Frank Balenger, auf, ein ehemaliges Luxushotel zu untersuchen.

Erbaut von einem exzentrischen Millionär, sind die Räume noch größtenteils in dem Zustand erhalten, wie sie einst verlassen worden sind. Menschen starben, verschwanden und Morde passierten, die Gesellschaft im Wandel der Zeit – das Paragonhotel blieb immer gleich. Treppen brechen zusammen, mutierte Ratten und Katzen tauchen auf, und als man schon das ganz typische Horrorszenario erwartet, kommt alles anders als man denkt. Plötzlich steht angehäuftes Gold eines Verbrechers im Mittelpunkt, Stimmen aus den Tiefen des Hotels und schließlich ein dunkles Geheimnis.

Wow, was für ein Roman! Schon das Thema, ein leerstehendes Hotel zu besichtigen, hat mich fasziniert. Wie oft geht man an verlassenen Häusern oder Gebäuden vorbei und fragt sich, wie es wohl darin aussieht. Wie war das Leben darin, als es noch in seiner Blütezeit war? So erhalten, wie es verlassen wurde, dicke Schichten von Staub. Zeit steht eben nicht still und Zeit ist ein großes Thema bei Morrell. Ein Stück weit ist das wie eine Reise durch verschiedene Epochen, auf Bildern, in Räumen, in Gegenständen. Als gelungener Kniff entpuppt es sich an manchen Stellen, dass Bezüge zwischen Zimmern in bestimmtem Stil und zeitgenössischer Literatur oder Filmen, die in dieser zeit spielen, hergestellt werden. Besonders beeindruckend fand ich die Szene mit den Fotos vom Hotel zu verschiedenen Zeiten, die Kleidung der Menschen ändert sich, das Paragon bleibt wie es ist, immer gleich. Zeit vergeht, steht still und lebt wieder auf.

Frank Balenger als Reporter mit einem Irak – Trauma wirkt und agiert sehr glaubwürdig und schon bald ahnt man, dass mehr hinter ihm steckt.

Im Verlauf nimmt die Geschichte Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Bei dem Öffnen eines Tresors habe ich die Szene sogar zwei Mal gelesen, um zu glauben, was da wirklich stand und was passiert ist. Zum Schluss folgt ein sehr temporeiches Finale, eine mörderische Verfolgungsjagd mit allem, was die Technik hergibt.

Man kann diesem Roman allenfalls vorwerfen, dass einige Zusammenhänge etwas konstruiert wirken, aber ein Haar in der Suppe findet man ja meistens. Mich hat das gar nicht gestört, denn dieser Roman baut Spannung auf, setzt den Leser von jetzt auf gleich in eine völlig andere Situation und zum Ende hin werden Tempo und Action deutlich angezogen. Flüssig geschrieben ist das ohnehin.  

David Morrell, der übrigens auch John Rambo erfunden hat (und in verschiedener Hinsicht erinnert Frank Balenger an ihn: das Kriegstrauma, das furiose Action-Finale), legt hier nicht mehr oder weniger vor, als den besten Actionthriller den ich bisher gelesen habe. Dass man Bücher gar nicht zuklappen kann, bis sie zu Ende sind, steht ja auf vielen Romanen. Hier ging es mir tatsächlich so, dass ich bis tief in der Nacht meine Nachttischlampe an hatte und immer weiterlesen musste. Bis zum Schluss. Wer actionreiche, spannende Unterhaltung in einem recht unverbrauchten Szenario sucht, der ist hier bestens aufgehoben.


Titel: Creepers
Autor: David Morrell
Übersetzer: Christine Gaspard
Verlag: Knaur
Originalausgabe: Creepers
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenanzahl: 417

Bewertung
9/10
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Letzte Aktualisierung ( 19.10.2008 )
 
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