|
Das vielleicht beste Fantasy-Epos überhaupt, steht da vollmundig auf dem Cover und ist eine Aussage von Marion Zimmer Bradley, die selbst unter anderem mit der Avalon-Reihe ein Fantasy-Epos schuf. Das und der Autor, waren der Grund, warum ich das Buch überhaupt gekauft habe, ohne Ahnung gehabt zu haben, worum es geht. Im Original umfasst die Reihe mittlerweile vier Bücher, ein fünftes ist bereits angekündigt. In Deutschland ging man den Weg der gemeinen Abzocker und teilte jedes der vier Bücher auf zwei Bände, so dass man auf insgesamt 8 kommt. Jedes davon kostet 12€ und ich muss schon sagen, dass dies unverschämt ist. Alle die Englisch beherrschen, sind mit den Originalbüchern besser beraten, zumal man die auch wesentlich günstiger bekommt.
Und das, obwohl in diesem ersten Buch, auf den ersten 522 Seiten, gar nicht mal so viel passiert. In erster Linie werden die wichtigsten Charaktere eingeführt und davon gibt es einige. Dass der Anhang, der alle Charaktere und Herrenhäuser gesondert aufführt, allein noch mal 18 Seiten umfasst (bei Band 4 aber bereits auf über 30 angewachsen ist), unterstreicht das wohl sehr gut.
Der Kontinent Westeros ist der Schauplatz, unterteilt in sieben Königreiche. Einst regierten hier die Starks, die jetzt nur noch das Land Winterfell beherrschen. Dann herrschten die Targaryen und mittlerweile ist das Haus Baratheons an der Regierung. 15 Jahre lang war Ruhe, aber der alte König Robert ist nicht nur ein Säufer, sondern eben auch alt. Die Starks wollen ebenso wie die Lannisters an die Macht. Wobei die Starks zumindest in diesem ersten Buch noch so etwas wie die braven Heldenfiguren sind, während die Lannisters von Anfang an höchst unsympathisch und böse wirken. Das schöne ist allerdings, dass hierbei keine Schwarz-Weiß Malerei betrieben wird, jede einzelne Person hat einen eigenen Charakter und dieser wird aus unterschiedlichen Sichtweisen beleuchtet. So kann es passieren, dass eine Figur noch recht sympathisch wirkt, hundert Seiten später erfährt man dann aber, dass er gehörig Dreck am Stecken hat und eher böse ist, wobei das dann vielleicht nur die Sicht einer anderen Figur ist. Das ist eine der Stärken von dieser Buchreihe, die Charaktere sind extrem vielfältig im Charakter und jeder von ihnen bekommt genug Platz. So ist das Buch auch nicht in Kapitel unterteilt, sondern in Handlungsstränge einzelner Personen.
Dieser Realismus bei den Personen findet sich auch in der Welt in der sie leben wieder. So ähnelt das Ganze eher dem europäischen Mittelalter und mehr einem Drama, wo Intrigen, Verrat und Kämpfe an der Tagesordnung sind. George R. R. Martin macht keine Gefangen und so gibt es viel Gewalt und Sex in sehr ausführlicherer Schilderung, ohne dass dies allerdings negativ auffällt (Harmloser als etwa bei David Gemmell). Es geht eben etwas härter zu und wirkt in dieser Welt glaubwürdig. Fantasy in Form von Drachen wird erst mit Daenerys eingeführt. Dies ist der zweite Handlungsstrang neben dem Kampf um Winterfell. Daenerys und ihr Bruder Viserys sind die letzten Nachkommen des Hauses Targaryen und Viserys hat den Plan, wieder an die Macht zu kommen. Dies versucht er, in dem erstmal seine Schwester mit dem Stammesfürsten einer wilden Horde (Das ganze erinnert etwas an Dschinghis Khan) verheiratet. Hier wird auch etwas mehr mit Magie gearbeitet, allerdings ohne, dass es zu übertrieben wirkt.
Insgesamt ist Die Herren von Winterfell der Start einer genialen Reihe, die mit jedem weiteren Teil besser wird. Dieser erste Teil ist noch etwas ruhiger und dient eben dem Aufbau, kann aber trotzdem schon absolut überzeugen.
Titel: Das Lied von Eis & Feuer 1: Die Herren von Winterfell Originaltitel: A Song of Ice and Fire: A Game of Thrones Autor: George R. R. Martin Übersetzer: Jörn Ingwersen Verlag: Blanvalet Erscheinungsjahr: 1996 Seitenanzahl: 543
Im Forum kommentieren |