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Eines muss man Hulk Hogan ja lassen, er weiß absolut perfekt, wie er sich zu vermarkten hat, er weiß auch, dass er der wohl berühmteste Wrestler ist, selbst Menschen, die sich nicht fürs Wrestling interessieren, wissen wer er ist. Aber gibt ihm dies das Recht die Realität zu verändern?
Willkommen also zu Onkel Hogans Märchenstunde, gut getarnt als Biographie. Das Buch beginnt mit Wrestlemania 18 und dem legendären Match gegen The Rock. Legendär nicht, weil es aus wrestlerischer Sicht toll war, dafür sind beide nicht talentiert genug, sondern weil es das Aufeinandertreffen zweier Legenden war. Auf der einen Seite Hulk Hogan, der sich in diesem Match von der nWo löste und auf der anderen The Rock, der zu jener Zeit und bis heute einer der absoluten Publikumslieblinge war und so war die Stimmung im Toronto Skydome unglaublich. Danach erzählt er über sein Leben und wie er zum Wrestling kam. Diese 10 Kapitel sind am interessantesten, auch deshalb, weil sie wohl ehrlich sind. So erzählt er, dass er als Kind eher unsportlich war und später auch eher Musiker werden wollte. 10 Kapitel mögen nach viel klingen, aber es sind gerade mal 100 Seiten. Generell ist das Buch enttäuschend kurz gehalten. 455 Seiten, einige davon mit Fotos zugekleistert, sind für damals 50 Jahre Lebensgeschichte einfach zu wenig und alles wird reichlich oberflächlich abgehandelt.
Ab etwa Seite 140 geht es um die WWF und seinen Aufstieg zur Berühmtheit und ab jetzt wird gelogen, dass sich alle Balken biegen. Was Hogan damit erreichen will, ist fraglich. Gerade im Internet ist er bei Wrestlingfans eh schon der größte Witz und da Kayfabe längst tot ist und praktisch jeder weiß, wie es hinter den Kulissen zu geht, hätte er wohl eher bei der Wahrheit bleiben sollen. Es mag ja stimmen, dass er durch seine Hulkamania und den Titelgewinn 1984 einen unglaublichen Wrestlingboom startete und Wrestling aus dunklen Hallen in die großen Arenen dieser Welt gebracht wurde, aber wenn er dann behauptet, er hätte das Merchandising erfunden, mag man nur noch lachen. Er erzählt natürlich auch von seinem großen Kampf gegen Andre the Giant bei Wrestlemania 3. Ein Event für die Ewigkeit, ein Match das Geschichte schrieb…aber warum schreibt Hogan das Andre wenige Tage nach dem Match starb? Sind 6 Jahre wenige Tage? Wohl kaum. Vielleicht ist es eben auch ein Schreibfehler, der passiert wenn man nicht selbst schreibt.
Aber auch sonst erzählt er reichlich Unsinn. Hogan war jahrelang bei der Make-a-Wish Foundation, wo kranken Kindern die bald sterben ein Wunsch erfüllt wird. Tatsächlich wurde ein Treffen mit Hogan von den Kindern bis Anfang der 90er am meisten gewünscht. Aber hier erzählt er, dass er vor dem Summerslam 1992 ein krankes Kind besuchte, das Karten für die erste Reihe hatte. Als Hogan zum Ring kam, sah er dass die Plätze leer sind und nach dem Kampf erfuhr er, das Kind wäre kurz vor Showbeginn gestorben, was Hogan zu einem Song inspirierte. Absoluter Bullshit, da Hogan nicht mal beim 1992er Summerslam dabei war. Den Song schrieb er tatsächlich und veröffentlichte ihn auf seinem gruseligen Musikalbum von 1994 auf das er gar nicht erst eingeht. Auch seine Filme verteidigt er als „nette kleine B-Movies“ Dann kommt Hogan zur WCW, die er für den späteren Untergang der Liga mitverantwortlich war, wird auch verschwiegen, stattdessen behauptet er, dass die nWo seine Idee war. Ich könnte noch mehr schreiben, aber ich denke, jetzt ist jedem klar, dass man dieses Buch als Biographie nicht ernst nehmen kann und so fragt man sich, was dieses Werk sein soll. Ein fiktiver Roman? Die Geschichte aus Sicht des Charakters Hulk Hogan?
So ist dieses Buch empfehlenswert für alle Wrestlingfans die gerne lachen wollen. Alle anderen machen einen großen Bogen, es könnte ja sein, dass sie diesen Mist glauben.
Titel: Hollywood Hulk Hogan Autor: Hulk Hogan & Michael Jan Friedman Verlag: Pocket Books Erscheinungsjahr: 2002 Seitenanzahl: 455
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