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Texte über Geschehnisse und Gräuel des 2. Weltkrieges gibt es nun ziemlich viele, immer wieder wird das thematisiert. Häufig sieht man hier die Geschichte aus der Sicht eines Opfers – und so ist das auch in Mulischs Roman. Anton Steenwijk ist 12 Jahre alt, Niederländer und wohnt mit seiner Familie in Haarlem (auch die Geburtsstadt Mulischs). Vor dem Haus der Nachbarn wird 1945 ein niederländischer Faschist erschossen, die Nachbarn schleppen dessen Leiche vor das Haus von Antons Eltern. Als die Deutschen Besatzer auftauchen, brennen sie deshalb das Haus von Antons Familie nieder, seine Eltern und seinen Bruder töten sie, er selbst überlebt und wächst bei seinem Onkel in Amsterdam auf. Anton wird Anästhesist – eine Art Bild dafür, dass er sich nicht rächen will und er eben auch nicht seine Vergangenheit aufarbeiten möchte, er will seine Erinnerung lieber betäuben und ein normales Leben leben. Doch dieses Vergessen ist nun nicht so einfach, denn wieder und wieder wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert – und fast episodenhaft berichtet dieses Buch davon. Mit 20 kehrt er in seine Heimat zurück. 1956, während des Ungarnaufstandes trifft er zufällig den Sohn des seinerzeit erschossenen Faschisten und zum Schluß trifft er während einer Friedensdemonstration sogar die Tochter jener Familie, die die Leiche genau vor das Haus seiner Eltern gelegt hatten und somit das alles ausgelöst hatten... Harry Mulisch ist Holländer, geboren 1927. Neben diesem Buch (das auch verfilmt wurde und einen Oscar erhielt) gibt es u.a. noch „Die Entdeckung des Himmels“ und „Die Elemente“ und er ist auf jeden Fall ein Autor, von dem man mal was gelesen haben sollte. Was ist nun das Besondere an diesem Buch? Zunächst die Herangehensweise - ein Opfer der Nazis, das nur vergessen will, letztlich ist das alles mehr oder weniger durch „Zufall“ ausgelöst worden. Er will weder die Täter strafen, noch seine Vergangenheit aufarbeiten – es sind immer wieder zufällige Begegnungen, die ihn damit konfrontieren und nach und nach werden jene schicksalshaften Ereignisse jener Nacht von allen Seiten beleuchtet, die ein Gesamtbild ergeben – und so nebenbei erfährt man auch so einiges über die Nachkriegsgeschichte. Das Buch selbst ist – obwohl in Ichform – erschreckend nüchtern geschrieben und teilweise so kalt, dass das alles so fast noch schlimmer wirkt . Harry Mulisch ist wirklich ein großer Autor, und dieses Buch ist eine klare Empfehlung an jeden, der sich nur ein bisschen für Literatur begeistern kann. Titel: Das Attentat Autor: Harry Mulisch Übersetzer: Anneleen Habers (aus dem Niederl.) Verlag: SZ - Bibliothek Originalausgabe: De Aanslag Erscheinungsjahr: 1982 Seitenanzahl: 205
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