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I. Calvino - Wenn ein Reisender in einer Winternacht PDF Drucken
Geschrieben von Minsc   
27.05.2006

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So belanglos dieser Titel klingen mag, so sehr hat es dieses Buch in sich. Denn auf diese Geschichte muss man sich einlassen – doch worum geht es überhaupt?

Der Roman spielt auf mehreren Ebenen, da ist zunächst die „Du – Perspektive“. Richtig, der Leser selbst wird angesprochen und geht eben in ein Büchergeschäft, wo er den neuen Calvino ersteht. Sofort beginnt man mit lesen (die Perspektive wechselt in die des „Buches im Buch“) - nach 17 Seiten endet dieses jedoch abrupt, also zurück ins Buchgeschäft und beschweren. Mit Erfolg, eine Frau ist in dem Geschäft mit einem ähnlichen Problem, letztlich klärt es sich als Fehler auf, der beim Binden des Buches passiert ist – eigentlich stammt der Text von einem osteuropäischen Autor, dessen Buch man dann eben mit nimmt, um zu erfahren wie das alles weitergeht – nur um darin weitere Ungereimtheiten festzustellen – wieder beschwert man sich, die Wege mit dieser Frau kreuzen sich erneut und nach und nach liest man immer neue Anfänge von Büchern, die Mängel aufweisen – ein komplexes Verwirrspiel. Und in die Frau verliebt man sich natürlich.

Gerade die „Du – Perspektive“ ist sehr interessant, es gibt ein Kapitel, in dem das Kauf – und Leseverhalten geschildert wird, so geht man dann in dem Büchergeschäft vorbei an den Büchern, die man nicht kennt, denen, die man kennt, denen, die man vom Hören-sagen so gut kennt, dass es sie schon fast nicht mehr zu lesen lohnt und letztlich denen, wo man immer behauptet, man hätte sie bereits gelesen, aber eigentlich müsste man das unbedingt mal nachholen. Oder eine andere Szene, in der sich ein „Bestsellerautor“ und ein „Kritikerautor“ so lange gegenseitig bespitzeln, um herauszufinden was denn das „besondere“ am Schaffen des anderen ist, bis sie beide ein identisches Buch schreiben, eine Art „was hat er, dass er so viele Bücher verkauft / was hat er, dass die Kritiker ihn so lieben“...

Italo Calvino ist Italiener, er lebte von 1923 bis 1985. Seine bekanntesten Werke sind „Die unsichtbaren Städte“ und eben das hier besprochene „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“.

Das vorliegende Buch ist einfach unglaublich, so etwas habe ich noch nicht gelesen. Natürlich könnte man ihm vorwerfen, dass Calvino wohl nur einige Geschichtenanfänge in der Schublade hatte – und die hat er eben zu einem Roman zusammengeworfen. Vielleicht war das tatsächlich die Grundidee, aber diesem Buch würde das absolut nicht gerecht werden. Man muss sich aber Zeit nehmen, denn gerade durch die häufigen Perspektivenwechsel und die ungewohnte direkte „Du – Ansprache“ des Lesers ist das mitunter etwas kompliziert, aber viele exakte, augenzwinkernde Beschreibungen des eigenen Leseverhaltens – und natürlich die Idee an sich machen das mehr als wett.

Was mich gestört hat, ist dass aus diesem „Geschichte – Wechsel – dich – Spielchen“ nach einiger Zeit ein bisschen die Luft raus ist und die stärksten Momente des Buches in den analysierenden Passagen liegen, man wartet dann schon richtig darauf, was als nächstes kommen mag – bleibt noch abschließend zu sagen, dass Calvino ein absoluter Meister seines Faches ist, der hier ein Buch über Literatur vorlegt, dem ungeduldige Leser eher aus dem Weg gehen sollten.

Titel: Wenn ein Reisender in einer Winternacht
Autor: Italo Calvino
Übersetzer: Burkhart Kroeber (aus dem Ital.)
Verlag: SZ - Bibliothek
Originalausgabe: Se una notte d'inverno un viaggiatore
Erscheinungsjahr: 1979
Seitenanzahl: 276

Bewertung
8/10
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Letzte Aktualisierung ( 25.02.2007 )
 
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