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Die komplette, schonungslose, einzigartige Geschichte des Heavy Metal - dies verspricht uns der Untertitel des Buches. Komplett ist die Geschichte sicherlich nicht, auf knapp 400 Seiten lassen sich kaum über 30 Jahre Musikgeschichte unterbringen. Schonungslos? Eher auch nicht, dafür ist der Platz zu knapp, es werden nur recht wenige Skandale geschildert, aber das ist auch klar. Allein mit den Geschichten rund um Black Sabbath könnte man wohl 10 Bücher füllen. Einzigartig ist es aber auf jeden Fall, zumindest kenne ich sonst kein Buch, das die Geschichte einer Musikrichtung so kompakt zusammenfasst. Autor Ian Christe hat nach eigenen Angaben mit fast allen Bands Interviews geführt, auf denen das Buch aufbaut ist und so gibt es sehr viele Zitate und Geschichten direkt von den Musikern. Das Ganze ist schon sehr interessant, auch wenn man einige der Geschichten nun schon kennt. Ich hätte mir hier gewünscht, dass es vielleicht noch etwas tiefer geht. Das Buch beginnt natürlich mit Black Sabbath, wobei die 70er nur sehr am Rande erwähnt werden, was schade ist, weil da ja die harte Musik ihren Anfang fand und so werden Bands wie z.B. Rush fast gar nicht bzw. wie Uriah Heep überhaupt nicht erwähnt. Schade. Die 80er nehmen natürlich den größten Teil des Buches ein. Klar, das Jahrzehnt stand unter dem Zeichen des Metal und es wurden zahlreiche neue Genres erfunden. Die 90er sind dann wieder etwas kürzer gehalten und ab 2000 gibt es dann fast gar nichts mehr zu lesen. Ian Christe scheint zumindest ein großer Fan der 80er zu sein. Was noch viel mehr auffällt, ist die Vorliebe des Autors für Metallica. Keine andere Band wird so häufig und so ausführlich in diesem Buch behandelt. Man kriegt praktisch die komplette Entstehungsgeschichte geschildert und zu jedem Album gibt es mindestens einen langen Absatz. Warum Metallica? Theoretisch müsste da an erster Stelle Iron Maiden stehen, starteten sie doch praktisch nicht nur die NWOBHM, sondern brachten den Metal auch groß raus. Insgesamt finde ich, dass diese Metallica-Lastigkeit das Buch doch ein ganzes Stück runterzieht. Es ist einfach zuviel und das Buch ist eben keine Biographie der Band, sondern vom Metal an sich. Interessant wird es dafür immer dann, wenn Meinungen aus Magazinen gebracht werden. In den 80ern schrieb der Rolling Stone über Sabbaths Klassiker Mob Rules, dass es schwülstig und stumpfsinnig wäre und Dios Texte einfallslos und voller Klischees. Zu Number of the Beast von Maiden schrieben sie, dass es ziellos dahinpoltert und es beweist, dass schlechte Musik die Hölle ist. Na…und welche Metalalben zerrt der Rolling Stone regelmäßig hervor wenn es um die großen Klassiker geht? Immerhin werden aber alle Genres abgedeckt, wobei ich noch nie zuvor die Bezeichnung „Porno-Rock“ gehört habe. Sehr lustig fand ich den Anhang, mit einigen Charts. Da gibt es die 3 „größten Metalhymnen“, die stammen seiner Meinung von Saxon, Manowar und Quiet Riot. Wie passen da letztere dazu - und wo sind Maiden und Metallica? Auch sind hierbei einige Fehler, unter den „höllischen Zahlen“ steht bei „Mitglieder bei Guns n’ Roses bis Ende 2002“ die Zahl 9. In Wirklichkeit waren es 18 ohne Touring Member. Man fragt sich, warum sich solche Fehler da einschleichen. Insgesamt ist Höllen-Lärm ein gutes, aber nicht perfektes Buch, das zumindest einen Einblick in die Metalszene gibt. Für Anfänger in diesem Genre ist das Buch sehr gut geeignet, aber ich denke, jemand der schon seit 20 Jahren Fan ist, wird aus dem Buch nichts Neues mehr ziehen können. Da können dann höchstens noch die zahlreichen Bilder überzeugen. 8,5/10 Titel: Höllen-Lärm – Die komplette, schonungslose, einzigartige Geschichte des Heavy Metal Originaltitel: Sound of the Beast – The complete headbanging history of heavy metal Autor: Ian Christe Übersetzer: Kirsten Borchardt Verlag: Verlagsgruppe Koch / Hannibal Erscheinungsjahr: 2003 Seitenanzahl: 412
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