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P. Roth - Täuschung PDF Drucken
Geschrieben von Minsc   
08.03.2008

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Manchmal liest man einen Schriftsteller aus den aktuellen Bestsellerlisten und entdeckt ein Buch, das einem von vorn bis hinten gefällt. So ging es mir mit „Der menschliche Makel“ von Philip Roth. Wie das so ist, wenn man einen Namen erstmal gehört hat, oder etwas damit verbindet, fällt einem dieser dann öfter auf. Man erfährt, dass er als ein großer amerikanischer Autor der Gegenwart gilt und dass er mit Dickens oder Schriftstellern wie Updike verglichen wird. Seit Jahren handelt man ihn als Kandidat für den Literaturnobelpreis, doch ähnlich wie John Irving ging er bisher immer leer aus, so dass das langsam zum Running Gag der Literatur verkommt.
Doch trotz Täuschung würde ich ihm diesen Preis gönnen.

Kommen wir also mal zum Buch selbst. Täuschung ist ein Experiment, ein 160 Seiten starker Roman (?), der NUR aus Dialogen besteht. Mal wenige Zeilen, mal über einige Seiten gehend, sind Gespräche zu den Themen Sex und Beziehungen verteilt. Darunter taucht auch Roth selbst auf oder seine Romanfigur Zuckerman. Man weiß eben nur in den seltensten Fällen, wer was sagt, manchmal ergibt es sich aus den Dialogen, aber nicht immer. Das hat darum natürlich seinen Reiz, man kann mitraten, oder das Ganze vielleicht fast wie einen Gedichtband lesen. Kurze Abschnitte, die für sich stehen.
 
Beschreibende Texte sind nicht vorhanden, wie gesagt, nur der Dialog. Die Täuschung besteht darin, dass man nicht weiß, was authentisch ist und was nicht. Dass man meist nicht weiß, wer was sagt, manchmal nur erahnt, ob irgendwelche Handlungsebenen zusammen gehören oder nicht, ein großes Verwirrspiel. Und sie besteht auch darin, dass dies eigentlich kein Roman ist, die klassische Romanstruktur aufgesprengt wird – darum auch im Original die Anspielung bereits im Titel: Deception, a novel.
Und eine Novelle ist das sicher nicht.

Leider habe ich bisher nichts mit Zuckerman gelesen und der Roth – Fan entdeckt so dann vielleicht mit Verzückung einige Details in diesem Roman, die mir verborgen geblieben sind. Die Dialoge selbst sind natürlich lesenswert und handwerklich exzellent. Sie schwanken zwischen wie aus dem Leben gegriffen und Fiktion, an den besten Stellen erscheint es einem unmöglich, dies zuzuordnen. Grenzen verschwimmen. Das alles bleibt aber ein Experiment, flüssiges Lesen einer Geschichte ist für mich etwas anderes und somit fällt mein Urteil etwas zwiespältig aus.

Erster Satz:
„Ich schreibe sie hin. Du fängst an.“

Zitat, S. 118
„Wie läuft dein System seelischen Beistandes?“
„Toll. Sogar mein Vater hat angerufen, von wo bei allen Teufeln auch immer er jetzt lebt.“
„Also ist es nicht so toll.“
„Doch, sie sind toll. Alle meine Ex-Männer sind sehr lieb. Schau, allein ein Anruf von meinem Vater ist den Krebs schon wert. Ein wenig Unterstützung von dir könnte ich allerdings auch brauchen. Kommst du je nach Amerika zurück?“

Philip Roth wurde 1933 in New Jersey geboren, erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Romane und lebt in New York. Seine berühmteste Romanfigur ist Carl Zuckerman, der derzeit in Exit Ghost seinen letzten Auftritt hat. Dieser taucht auch in Täuschung auf, in dem Zusammenhang, dass Roth eine Biographie über ihn anfertigen soll. Das ist wirklich ein nettes Detail am Rande.

Ich habe mich schwer getan mit Täuschung. Ich habe wohl lange nicht ein so kurzes Buch über so viel Zeit verteilt. Worte und Dialoge, die für sich stehen, vage thematisch zusammenhängen, manchmal sind es auch noch die Personen, die einem anhand der Sprache oder durch Schlüsselwörter wieder begegnen. Oft erfährt man es nicht. Wer sich also auf ein  anspruchsvolles literarisches Experiment einlassen möchte, der kann sich an Täuschung versuchen. Wer jedoch Roth noch nicht kennt oder einfach einen toll erzählten Roman lesen will, der ist bei Der menschliche Makel (The Human Stain) deutlich besser aufgehoben. Und irgendwie zähle ich mich auch zur letzten Kategorie, denn auch wenn Philip Roth sprachlich absolut überzeugt, musste ich mich doch manchmal dazu überwinden, weiter zu lesen und das Buch nicht einfach zu zuklappen und zurück in das Regal zu stellen.

Titel: Täuschung
Autor: Philip Roth
Übersetzer: Jörg Trobitius
Verlag: Carl Hanser Verlag
Originalausgabe: Deception, a novel
Erscheinungsjahr: 1990
Seitenanzahl: 157

Bewertung
5/10
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