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Eigentlich lese ich Krimis gar nicht so gern und den Hype um Mankell und Konsorten habe ich nie so recht verstanden. Trotzdem habe ich mich nun mal darauf eingelassen und einen schwedischen Krimiautor ausprobiert. Meine Wahl fiel auf Stieg Larsson, irgendwie sprach mich das Buch im Geschäft an. Inhaltlich geht es um das ungeklärte Schicksal der Harriet Vanger, die seit Jahrzehnten spurlos verschwunden ist. Nur ihr Onkel und Vertrauter, der einflussreiche Industrielle Henrik Vanger, erhält seit 43 Jahren regelmäßig zu seinem Geburtstag eine getrocknete Blume. Ein Zeichen, dass sie noch lebt oder das perfide Spiel eines Mörders? Henrik entschließt sich also, einen letzten Versuch zu unternehmen, das Ganze aufzuklären und beauftragt Michael Blomkvist.
Blomkvist ist Inhaber und Chefredakteur der Zeitung Millenium. Nachdem er ohne Quellenangaben einen schwedischen Industriellen und Konkurrenten Vangers in einem Artikel verschiedener Delikte beschuldigt hat, wird er verurteilt und verschwindet lieber erstmal aus dem Rampenlicht um seiner Zeitung nicht durch seinen Namen zu schaden und seine Haft zu verbüßen. Da kommt ihm das Jahr Auszeit inklusive verschiedener Ermittlungen gerade recht. Bevor er jedoch an diesen Job kam, wurde Blomkvist von Lisbeth Salander ausspioniert, die im Auftrag Vangers einen detaillierten Bericht anfertigte. Schließlich arbeiten die beiden in dem Fall Harriet Vanger zusammen. Und dabei kommen sie grauenhaften Geheimnissen auf die Spur.
Ich gebe gern zu, völlig unvorbereitet hat mich dieses Buch einfach nur begeistert. Da sind erstmal die Hauptpersonen. Larsson gibt ihnen viel Zeit zur Entwicklung. Sehr wohltuend im Vergleich zu Thrillerautoren, wo klischeehafte Charaktere mal in drei Nebensätzen beschrieben werden. Bei Stieg Larsson werden die Figuren lebendig, nachvollziehbar. Und das gilt sogar noch für einige Nebenfiguren. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit werden verschiedene Handlungsebenen verwoben und schließlich kommt es zu einem Aufeinandertreffen zwischen Blomkvist und Salander. Das zu lesen, die vielen Zwischentöne und Bemerkungen, das ist schon sehr vergnüglich und macht einfach Spaß. Nebenbei nimmt Blomkvist noch Ermittlungen auf, nach wochenlangem Stochern im Dunkel entdeckt er endlich etwas neues auf uralten Fotos. Wie etwas entdeckt wird und wie er dann vorgeht, das ist immer nachvollziehbar und plausibel. Aber eben auch sehr spannend. Bis zum Schluss zieht sich das durch und selbst als die Haupthandlung beendet ist, geht der Roman noch 100 Seiten weiter und rehabilitiert Blomkvists Ruf als Journalist. Bei all dem kommt nie Langeweile auf, man liest begeistert von der ersten bis zur letzten Seite und ich warte schon jetzt gebannt darauf, dass der zweite Band, Verdammnis, endlich als Taschenbuch erscheint.
Leider gibt es insgesamt nur drei Bände mit Salander und Blomkvist, der Autor Stieg Larsson wurde 1954 in Schweden geboren, war selbst als Journalist tätig und vermutlich deshalb beschreibt er das alles so glaubhaft. 2004 starb er an den folgen eines Herzinfarkts und bekam posthum den schwedischen Krimipreis 2006.
Dieses mal verzichte ich auf Zitate und spreche einfach nur eine Empfehlung aus für Krimifans, solche die es werden wollen und eigentlich jeden, der einen ausgezeichneten, toll geschriebenen, unterhaltsamen Roman lesen möchte. Für mich ist das der Beweis, dass es doch immer wieder Bücher gibt, die einen überraschen und tolle Schriftsteller nicht an Genres gebunden sind.
Titel: Verblendung Autor: Stieg Larsson Übersetzer: Wibke Kuhn Verlag: Heyne Originalausgabe: Män som hatar kvinnor Erscheinungsjahr: 2005 Seitenanzahl: 688
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