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W. Genazino – Ein Regenschirm für diesen Tag PDF Drucken
Geschrieben von Minsc   
26.02.2007

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Und manchmal, da geht man in ein Buchgeschäft, entdeckt ein unscheinbares Cover, einen Autor den man bis vor ein paar Tagen gar nicht kannte – nur durch Zufall war er zu Gast bei „Literatur im Foyer“. Wiedererkennen des Namens – rein blättern. Ein Stil, der sofort gefällt. Ja manchmal, da hat man das Glück in all dem Wust der stetigen Neuerscheinungen und Bestseller eine echte Buchperle zu finden – und genauso ging es mir mit diesem Buch.

Doch worum geht es überhaupt?
Der etwa 46jährige Ich – Erzähler arbeitet als Schuhtester für Luxushalbschuhe und verfasst Gutachten. Ständig ist er auf der Flucht, vor sich selbst, vor seinen Gedanken – und so zieht er durch die Stadt und beobachtet – und er führt sein „Ablenkungsleben“. Er beobachtet andere Menschen, Geschehnisse und versucht dieses alles für sich einzuordnen. Erlebnisse beim Flohmarktverkauf.
Nachdem ihm die Schuhfirma nur noch ein Viertel des ursprünglichen Gehalts zahlt, müssen eben andere Wege her: So beginnt er durch einen Zufall noch einen Job bei einer Zeitung und er leitet ein imaginäres Institut für Gedächtniskunst, mit dem man doch ganz gut Eindruck schinden kann.

Hier werden Halbsätze aneinander gereiht, Worte erfunden – Situationen beschrieben. Man könnte wahllos Sätze oder Formulierungen als Zitate raus greifen, schön formuliert und oft nur zu wahr.
Kurzum, dies ist ein Roman über die „Grundmerkwürdigkeiten des Lebens“, das Geröll oder Gerümpel, die Tatsache, dass „das ganze Leben ein pausenloses gegenseitiges Sichaufdrängen ist, eine Peinlichkeitsverdichtung ohne Beispiel.“

Über den Inhalt möchte ich gar nicht so viel erzählen, da der Roman seine Faszination vor allem daher bezieht, WIE er geschrieben ist – und das muss man schon für sich selbst entdecken.

Wilhelm Genazino wurde 1943 in Mannheim geboren, andere Bücher von ihm wären die „Abschaffel – Trilogie“ oder „Die Obdachlosigkeit der Fische“. 2004 erhielt er den Büchner – Preis.

Ich kannte den Autor vor diesem Buch nicht, Genazino schreibt sehr unterhaltsam und pointiert, Szenen wirken teilweise wie mit Fotos, Dialoge, wie man sie nur zu gut kennt und eben Personen und Leute, Durchschnittsmenschen.

Und darum kann ich „Ein Regenschirm für diesen Tag“ nur allen Lesern von (leicht philosophisch angehauchten) deutschsprachigen Büchern empfehlen.

Titel: Ein Regenschirm für diesen Tag
Autor: Wilhelm Genazino
Verlag: Carl Hanser Verlag, München
Erscheinungsjahr: 2001
Seitenanzahl: 176
Bewertung
10/10
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Letzte Aktualisierung ( 05.03.2007 )
 
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