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An einem eher bedeckten Tag im August machte ich mich zum idyllischen Städtchen Höchstadt auf, in dessen Stadtschloss in diesem Jahr zum zweiten Mal das Schlosshof Festival statt fand. Wie auch auf der Festival-Premiere wurde dieses Jahr wieder eine Auswahl von sechs Bands, vornehmlich aus den Genre des "mittelalterlich" angehauchten Rocks, geboten. Auch wenn diese Musikrichtung deutlich als "Geschmackssache" zu verbuchen ist, zählen zu den angenehmen Nebenerscheinungen häufig gleichzeitig auftretende Mittelaltermärkte und nach meiner Erfahrung auch eine deutlich niedrigere "Idiotenquote" als auf reinen Metalfestivals. In Höchstadt konnte man auf beides treffen, das Organisationsteam hatte wieder alles sehr durchdacht auf die Beine gestellt.. Weder am Einlass, noch auf dem Markt, noch vor der Bühne kam es zu ernsthaften Platzproblemen. Auch die Preise, vielleicht vom happigen Eintrittspreis von 35 Euro abgesehen, waren im Vergleich zu anderen Festivals durchaus human. 15 Euro für ein Festivalshirt, 2 Euro für einen Becher Bier und alkoholfreie Softdrinks, 1,50 für ein Wasser - davon könnten sich manche noch ein Scheibchen abschneiden. Jedenfalls stand so ungestörtem Musikgenuss nichts im Wege, denn glücklicherweise hielt auch bis zum Schluss das Wetter. Der Wettergott scheint Dudelsäcke eben irgendwie zu mögen... Der Part des Ansagers wurde von "Hauptmann Feuerschwanz" der gleichnamigen Band übernommen, der sich allerdings darauf beschränkte die Menge für die jeweilige Gruppe jubeln zu lassen und (glücklicherweise) keine weiteren längeren Reden schwang. Positiv ist zu vermerken, dass man lange Umbaupausen eingeplant hatte (1/2 - 3/4 Stunde) und diese auch auf dem Terminplan vermerkte, sodass die Bands meist unverzüglich beginnen konnte und die Spielzeiten nicht durch Umbauprobleme verkürzt wurden. Dudelzwerge Zunächst füllten Schneewittchen und die sieben Zwer... die Dudelzwerge mit ihren Instrumenten, vor allem einer großen Pauke in der Mitte, die eher klein wirkende Bühne schon mal bis an ihre Grenzen aus. Die Band schien mit dem Spiel ihrer mittelalterlichen Instrumente, allerdings nahezu ohne Gesang, die recht wenigen Anwesenden auch gut zu unterhalten. Mir persönlich ging diese Musik allerdings zu sehr in die Richtung von Corvus Corax und Konsorten, welche über wenige Lieder hinweg oder als Hintergrundmusik durchaus zu unterhalten wissen, als Fokus der Aufmerksamkeit aber schnell dazu neigen, langweilig zu werden. Coppelius Die von mir am meisten erwartete Band des Festivals machte sich daran, die immer noch recht lichten Reihen vor der Bühne mit ihrem viktorianisch angehauchtem Rock auf zwei Klarinetten, Cello, Kontrabass und einem Drum-Set zu bespielen. Dazu hatten sie die übliche, recht stimmige Deko aus alt wirkenden Möbelstücken aufgebaut und machten sich in Anzug und Zylinder oder Frack ans Werk. Es wurde ein wahres Feuerwerk einer Setlist abgebrannt, wobei der Fokus natürlich auf der unlängst erschienen CD "Time - Zeit" lag. Unter anderem wurde das Iron Maiden-Cover "Phantom of the Opera" gespielt, welches wirklich genial auf die doch ungewöhnlichen Instrumente der Band transportiert wurde. Erwähnenswert ist auch das gesamte Auftreten der Berliner, welche es sich auch nicht nehmen ließen, einzelne Mitglieder im Publikum spielen zu lassen oder generell vom Grimassen schneiden bis hin zum Pantomime-Einlagen wirklich alle Register ihres Könnens zogen. Vor allem der "Butler" der Band war hier wieder sehr aktiv. Ganz großes Kino, alleine dafür hat sich für mich dieses Festival schon gelohnt. Und nicht vergessen: "Coppelius hilft!" Feuerschwanz Feuerschwanz sind eine Band, an der sich die Geister scheiden. Die Einen können sich für diese Nürnberger Band, die sich wohl am ehesten als eine Mischung aus Mittelalterrock und Comedy beschreiben lässt, begeistern, die Anderen stehen den oft doch eher flachen Witzen und eindeutig zweideutigen Texten ablehnender gegenüber. Jedenfalls wurde routiniert die momentan übliche Show herunter gespielt, nur hier und da ergänzt durch Tänzerinnen, die gemäß dem Bandmotto "Met und Miezen" als Metfäs... als Katzen kostümiert waren. Der jetzt doch deutlich angewachsenen Menge schien es jedenfalls zu gefallen. Wie üblich wurden auch wieder einige Lieder anderer Bands (J.B.O., Schandmaul) in eigenen Versionen durch den Reißwolf gedreht. Klarer Höhepunkt des Auftritts war allerdings das letzte Lied, bei dem einer der Klarinettisten von Coppelius und die halbe Mannschaft von Saltatio Mortis die Bühne enterten und zusammen spielten. Eine gelungene überraschende Aktion, die man in dieser Art leider auf Festivals viel zu selten erleben darf. Letzte Instanz Als nächstes spielte die Letzte Instanz ihren recht elektronisch angehauchten Rock mit deutlichem Gothic- und nur leichtem Mittelalter-Einschlag, der die Zuschauer auch weniger begeisterte als die vorausgegangenen Zoten von Feuerschwanz. Höhepunkte des Auftritts waren für mich das Cover von "The Lion sleeps tonight" (auch wenn das Publikum das mit den Mitsingspielchen anscheinend zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich verstanden hatte) und ein leider nicht voll ausgespieltes "Poison" des Schock-Rockers Alice Cooper. Schade, das hätte ich definitiv gerne in ganzer Länge gehört! Saltatio Mortis Die Spielleute von Saltatio Mortis zeigten allein durch ihre schiere Anzahl auf der Bühne Präsenz, standen sie doch mit nicht weniger als einem Sänger, drei Pfeifern, zwei Gitarristen, einem Drummer und einem Mann an der Drehleiher auf der Bühne. Trotz kleinerer technischer Probleme zu Beginn (zu viel Freibier für die Leute am Mischpult?) herrschte eine Bombenstimmung auf dem nun bis fast auf die letzte freie Fläche besetzten Schlossplatz. Geboten wurden vor allem Lieder aus dem neusten Album "Aus der Asche", aber auch Klassiker aus dem Backkatalog wie "Equinox" und "Licht und Schatten" durften natürlich nicht fehlen. Vor allem der Sänger pflegte ein sehr theatralisches Benehmen auf der Bühne, sprang wie von Hummeln gestochen herum und tat im Allgemeinen sein Bestes beim Anbiedern des Publikums. Dieses dankte es der Band dann auch mit minutenlangen Gesängen nach dem Auftritt und wollte diese kaum ziehen lassen. Beste Stimmung also beim "heimlichen Headliner", nach dessen Auftritt einige das Festival wohl schon verließen... Die Apokalyptischen Reiter Den Abschluss des Abends bildeten die Apokalyptischen Reiter, die den Verbliebenen ihr schweres Metall an die Ohren warfen und dank der nun nahezu vollständigen Dunkelheit auch die Lichtshow zu ihren Gunsten nutzen konnten. Wie für die Band üblich wurde eine ordentliche Show geboten, was sich zum einem im Bühnenaufbau (Schaukel für den Keyboarder) als auch in Aktionen wie Feuer spucken äußerte. Da ich die Reiter allerdings schon letztes Jahr in voller Länge gesehen hatte, sie zudem nicht wirklich meinen Geschmack treffen und ich auch die Chance auf ein erneutes Cover von "Dschingis Khan" recht gering einschätzte, trieb mich die Müdigkeit zu einer vorzeitigen Abreise von diesem äußerst gelungenem Festival.
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