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Smilebit, ehemals AM6 zeichnen sich durch eine Vielzahl guter Spiele aus, darunter Jet Set Radio oder Panzer Dragoon Orta. Ende 2001 haben sie sich zum ersten Mal an einem Fußballspiel versucht.
90 Minutes überzeugt im Hauptmenü erstmal mit einigen Optionspunkten. Freundschaftsspiel und Training sind Standard. Hinter World Championship verbirgt sich ein Weltmeisterschaftsmodus, Domestic zeigt den Ligabetrieb der Vereinsmannschaften und Competition ist der Pokalmodus, wo man entweder mit National- oder Vereinsmannschaften antritt oder sich einen ganz eigenen Pokalmodus zusammenbaut. Im Utilitymodus kann man Spielernamen editieren, Spieler zu anderen Mannschaften stecken oder ein eigenes Team erstellen. Auch die Zahl der Mannschaften kann überzeugen. So gibt es 32 Nationalmannschaften und zusätzlich die ersten Ligen aus England, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und 16 weitere internationale Clubs aus Städten wie Zürich oder Prag. Zumindest die Hauptligen haben Mannschaften mit Originalspielernamen der Saison 2000.
Startet man nun z.B. ein Freundschaftsspiel kann man noch einige Optionen festlegen. Die Spieldauer ist wählbar von 1 bis 30 Minuten pro Halbzeit, warum dann nicht auch reale 45 Minuten möglich sind versteh ich nicht so ganz. Schwierigkeitsgrad, das Wetter und die Tageszeit können ebenso gewählt werden, wie eines der fünf Stadien.
Dann geht es nach einer Ladezeit auf den Platz und das Grauen beginnt. Grafisch sieht das Spiel nämlich eher nach einem etwas besseren Playstationspiel aus. Für den Dreamcast ist das gezeigte sehr enttäuschend. Die Spieler wirken recht blass, die Stadien sehen auch nicht gerade imposant aus. Virtua Striker 2 zeigt da schon eher wie es gemacht wird und wo wir schon bei dem Spiel sind: Das zeigt auch wie Fußball aussieht. Denn scheinbar haben Smilebit vor 90 Minutes noch nie ein Spiel gesehen. Die Steuerung ist mit 5 Tasten recht übersichtlich, zumal man 2 von ihnen eh nicht braucht. Denn Flanken kommen in diesem Spiel so gut wie nie an und meist fliegen sie ganz wo anders hin, als man eigentlich geplant hatte. Auch die Sprinttaste ist alles, nur nicht das. Drückt man sie, passiert entweder gar nichts oder der Spieler kickt den Ball 2 Meter nach vorne und rennt dann nicht wirklich schneller als sonst hinterher. Auf diese Weise verliert man meist den Ball. Pässe sind auch so eine Sache. In vielen Spielen ist es so, dass der Passempfänger dem Ball entgegenläuft. In anderen kommt der Ball zumindest ungefähr in die Richtung dieses Spielers. Bei 90 Minutes dagegen bleibt der Spieler stur stehen und sieht zu wie der Ball zum Gegner rollt. Scheinbar haben die CPU Kicker einen Ballmagnet in den Schuhen und ziehen ihn dadurch an, denn so viele Fehlpässe wie hier sind mir in noch keiner anderen Fußballsimulation begegnet. Hinzu kommt noch eine sehr merkwürdige Steuerung, denn das Ganze als hakelig zu bezeichnen wäre direkt eine Untertreibung. Die Spieler verhalten sich so störrisch wie ein Esel, wenn es um Richtungswechsel geht. Dass so kein ordentlicher Spielaufbau zu Stande kommt, ist wohl klar und so kicken sich meist beide Mannschaften den Ball im Mittelfeld zu, weil auch die CPU Fehlpässe am Fließband produziert. Schafft man es dann doch mal zum Tor, legt man die Schussstärke mit einem Balken fest. Entweder fliegt der Ball vorbei oder auf den Torhüter, der den Ball fängt, ins eigene Tor haut oder nach vorne abblockt. Auch fällt die merkwürdige Geschwindigkeit auf. In der Standardeinstellung ist es sehr langsam. Man kann diese im Menü anpassen, aber schon ein Schritt schneller sorgt dafür, dass alles sehr peinlich aussieht. Man denke hier an die alten Dick und Doof Filme und kann sich vorstellen wie das wirkt. So ist dann gleich noch weniger ein richtiges Spiel möglich, denn die Steuerung hat eine immer stärkere Verzögerung, je höher die Geschwindigkeit gesetzt wird.
Im Spiel kann man die Taktik verändern. Die Aufstellung, die Vorgabe ob defensiv, offensiv über die Flügel oder anders gestürmt werden soll und man kann Dinge wie Manndeckung festlegen. Sonderlich viel Auswirkung scheint das aber nun auch nicht unbedingt zu haben… Natürlich darf man auch maximal zu viert ran, aber wer findet schon Freiwillige, welche diese Katastrophe spielen wollen?
Wie gesagt wird auch grafisch nicht viel geboten und dann haben wir da noch den Sound. Die Musik ist nervigstes Gedudel, die Soundeffekte sind unterdurchschnittlich und der Kommentator (Alan Parry, der auf der Insel wohl ein bekannter Mann ist) ist mal wieder ein Brite, der mit seinem Dialekt und ungefähr 10 Sätzen, die sich zigfach wiederholen, nervt.
Gute Fußballspiele gibt es auf dem Dreamcast kaum. Die meisten Spiele dieser Art sind enttäuschend und dachte man schon, dass etwa ein UEFA Striker schlecht ist, wird man mit 90 Minutes eines besseren belehrt. Denn das, was auf dieser GD-Rom präsentiert wird, ist alles, nur nicht Fußball.
Publisher: Sega Developer: Smilebit Erscheinungsjahr: 2001 Erschienen für: Dreamcast Anzahl Spieler: 1-4 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
 
| Grafik | 4/10 | | Spielspass | | Sound | 3/10 | 3/10 | | Gameplay | 3/10 |
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