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Shenmue 2 PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
11.05.2008

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Shenmue 1 war nur das erste Kapitel und endete mit Ryos Abfahrt nach Hong Kong. Direkt an dieses Ende schließt natürlich der Nachfolger an, der verspricht größer und besser zu werden.

Bevor man allerdings startet, kann man erstmal wählen ob man ein neues Spiel startet oder einen Spielstand vom Spielende des Vorgängers importieren will. Dies bringt natürlich einige Vorteile mit sich, so wird das Geld in Hong Kong Dollar umgewandelt und man nimmt die allermeisten Figuren aus den Automaten mit. So hat man zu Beginn gleich mal etwas mehr Geld und wenn man eine fiese Falle der Entwickler, in der man beraubt wird, umgeht, kann man sich sogar das Arbeiten sparen.

Angekommen im Hafen von Aberdeen hat man immer noch das Ziel Lan Di zu finden, da man sich in dem fremden Land aber so gar nicht auskennt, irrt man erstmal ein wenig umher. Gleich in der ersten halben Stunde kriegt man alles präsentiert, was Shenmue ausmacht: Schöne und vor allem realistische Landschaften, die altbekannten Quick Time Events (QTE), Gespräche und Bonusspiele, in diesem Fall Armdrücken. Bald darauf lernt man den ersten wichtigen Nebencharakter kennen: Joy, eine rebellische Bikerin, die Ryo fast über den Haufen fährt aber ihm dann wenigstens hilft und zu einem Motel bringt. Das ist zwar eine heruntergekommene Kaschemme mit einem unsympathischen Besitzer, aber wesentlich besser als die Bruchbude in der man sonst schlafen müsste.

Auffällig gegenüber dem ersten Teil ist das angezogene Tempo. Konnte man dort am Anfang nur im eigenen Haus und einem kleinen Straßenzug umherwandern, hat man nun von Anfang an Zugriff auf große Stadtgebiete. Hong Kong unterteilt sich in unterschiedliche Quarter, die miteinander verbunden sind. Das Gebiet ist absolut riesig, aber zum Glück gibt es am Eingang jedes Quarters einen Automaten wo man sich einen Plan kaufen kann. Dieser Plan wird dann immer in der unteren Ecke angezeigt und man kann sich praktisch nicht mehr verlaufen.
Alle diese Viertel sind sehr schön und abwechslungsreich in Szene gesetzt. So hat man das Worker’s Pier, wo Schiffe anlegen und Touristen aussteigen. Natürlich gibt es hier zahlreiche Strassenhändler. Das Zentrum der Stadt ist Wan Chai mit einem großen  Einkaufszentrum, einer Spielhalle und anderen Geschäften.
Natürlich kann man nicht alle Geschäfte betreten, aber zumindest in die Spielhalle kommt man. Diese ist ganze zwei Stockwerke groß und lässt den Arcaderoom von Shenmue 1 lächerlich erscheinen. Neben den altbekannten Spielen wie Space Harrier und Darts gibt es auch Neues: Geldspielautomaten und OutRun. Sega ließ es sich also nicht nehmen, weitere alte Klassiker einzubauen. Später kann man auch noch After Burner 2 finden.
Die Spielfigurenautomaten sind ebenso wieder da. Neue Figuren und mit Virtual On eine neue Reihe laden zum Geldausgeben ein. Das sammeln der Figur ist ein netter Zeitvertreib und zum Glück gibt es wieder Pfandhäuser, wo man doppelte Figuren gegen Geld eintauschen kann.
An bestimmten Stellen kann man auch Kämpfe austragen. Unterschiedliche Kämpfer die unterschiedliche Kampfstille verfolgen, wollen besiegt werden. Es geht natürlich um Geld und je öfter man einen Gegner besiegt, desto mehr Geld gibt es. Aber natürlich hat jeder Kampf einen höheren Schwierigkeitslevel.
Geld verdienen kann man auch auf andere Weise. Im Verlauf erhält man Zugriff auf das Worker’s Pier wo die Hafenarbeiter Kisten schleppen. Das kann man auch machen und verdient pro  Kiste etwas Geld. Leider ist dies wohl die meistgehasste Sache aller Shenmue-Spieler. Auf Kommando muss man eine Richtungstaste drücken und das Ganze macht einfach absolut keinen Spaß, zumal der Mitträger der die Anweisungen gibt eine extrem nervige Stimme hat. Also hört man damit besser auf und sieht sich eher in den Lagerhäusern um. Dort wird um Geld gespielt, meist bei Würfelspielen wie Hoch oder Tief. Hier kann man innerhalb kürzester  Zeit furchtbar reich werden.

Hat man in Hong Kong alle Missionen erledigt, geht es weiter. Kowloon ist eine Festungsstadt auf einem Berg. Da der Platz dort arg begrenzt ist, läuft man zwischen riesigen Hochhäusern umher, die durch Gänge und Tunnel miteinander verbunden sind. In diesen Gebäuden befinden sich meist die Geschäfte. So gibt es das „Tea Building“ mit Teeläden oder ein Gebäude das Pfandhäuser beinhaltet. Auch dafür gibt es zum Glück Pläne, ansonsten würde man sich schnell verlaufen.
Hier wird die Handlung auch langsam spannend. Schon in Hong Kong geriet man in eine Band namens The Heavens. Mit deren Anführer Ren freundet man sich schnell an. Das ist ein lustiger Typ, der meint ein furchtbar böser Bandenanführer zu sein, aber wirklich viel Erfahrung hat er damit nicht.
In Kowloon muss man sehr viele Kämpfe austragen und unglaublich viele QTE Events über sich ergehen lassen. Eine Neuerung sind dann die Freeze QTEs, hier wird schnell eine Tastenfolge wie Oben, Unten, X eingeblendet und man muss sie so schnell wie möglich ebenfalls drücken. Besonders fies ist es, dass diese Quick Time Events auch am Ende von Kämpfen stattfinden. Man denkt, man hat den Gegner besiegt und dann kommt plötzlich muss man eine Taste oder eine Kombination drücken.
Zum Glück ist es nicht allzu schlimm, wenn man dieses beim ersten Mal nicht packt. Meist kann man ein QTE direkt wiederholen oder muss in den Kämpfen eben noch mal gewinnen. Die Kämpfe laufen wie gehabt im Virtua Fighter Stil ab und es gibt zahlreiche neue Angriffsmanöver.
In Kowloon gilt es in erster Linie in das Yellow Head Building zu kommen. Yellow Head ist die Mafiaorganisation, hinter der Lan Di steckt.

Überraschenderweise endet das Spiel hier nicht. Obwohl die Cutscene am Ende von Disc 3 eigentlich der perfekte Cliffhanger wäre.
Stattdessen muss man Disc 4 einlegen und es kommt ein erneuter Ortswechsel.
Es geht nach Guilin. Ein Ort mit einer beeindruckenden Landschaft. Das ganze ist visuell atemberaubend und klasse umgesetzt. Hier ändert sich das Spiel rapide. Die meiste Zeit streift man durch die Landschaft und trifft auf Shenhua. Leider muss man sagen, dass die Lauferei durch die Landschaft zwar visuell schön ist, sich aber eben recht lange hinzieht. Zwar kann man mit Shenhua sprechen und erfährt viele interessante Dinge, aber etwas kürzer hätte das ganze schon sein können. Die finale Cutscene hier, ist dann wohl die größte Überraschung und kündigt einen völligen Stilwechsel, der ansonsten realistischen Handlung an.

Shenmue 2 ist ein beeindruckendes Spiel. Die ganze Handlung ist spannend umgesetzt und spielt sich wesentlich flotter als beim Vorgänger. Die meisten Kritikpunkte hat man beseitigt. Musste man bei diesem in Echtzeit auf Menschen oder weitere Ereignisse warten, hat man nun die Option die Zeit vorspulen zu lassen, bis dieser Event passiert. Aber auch so hat man nun wesentlich mehr Möglichkeiten, die Zeit im Spiel zu verbringen. Mehr Preiskämpfe, Mehr Geschäfte, Mehr Automaten – einfach von allem mehr und man kommt da schon gar nicht mehr hinterher.
Auch die Charaktere auf die man trifft, sind sehr unterhaltsam. Von Ren über Joy hin zu skurrilen Personen wie Guixiang oder die mysteriöse Xiuying hat man es geschafft, jeder dieser Personen einen eigenen Charakter zu verleihen und sie interessant zu gestalten.
Natürlich ist das Spiel nach wie vor sehr linear, vor allem durch die Tatsache, das man QTEs nun nicht mehr verlieren kann, sondern sie so lange spielt, bis man es schafft, ist schon etwas schade. Allerdings stört das nicht sonderlich, da die Handlung eben klasse ist.

Unterbrochen wird das Spielgeschehen von vielen Cutscenes, die vor allem am Ende stark zu nehmen. Auch diese sind sehr toll gemacht und bieten meist recht witzige Szenen. In einem alten Gebäude muss man mit Ryo beispielsweise über schmale Holzbretter balancieren um in ein höheres Stockwerk zu kommen. Als man das endlich geschafft hat und oben ankommt, spaziert Ren ganz locker an und erzählt, dass er den Schlüssel für den Aufzug hat. Der versteinerte Gesichtsausdruck von Ryo danach ist goldig.

Hat man das Spiel dann durchgespielt, erhält man wieder Zugriff auf eine Sektion in der man alle Spiele, Kämpfe und Cutscenes anwählen kann. Will man also eine Runde OutRun spielen, kann man das hier direkt. Als weiteren Bonus gibt es noch Cutscenes aus Teil 1, für alle die das nicht gespielt habe und ein Video welches die nie Saturnversion von Shenmue zeigt. Für dieses Konsole wurde das Spiel ursprünglich entwickelt.

Grafisch treibt das Spiel den Dreamcast an die Grenzen, das merkt man vor allem im letzten Abschnitt wo die Framerate mitunter etwas einbricht. Das stört zum Glück nicht allzu sehr und man wird dafür mit beeindruckenden Landschaften belohnt. Auch die Städte sind sehr schön designed. Zwar ist es immer noch so, das andere Menschen plötzlich auftauchen und wieder verschwinden, diese Popups sind aber zum Glück nicht mehr ganz so extrem wie beim Vorgänger.
Die Musik ist sehr schön und natürlich recht chinesisch gehalten. Auch hier muss man wieder sagen, dass sie auf Disc 4 am schönsten ist.
Die Soundeffekte sind in Ordnung. Bei der Sprachausgabe hat Sega dieses Mal von einer Synchronisation abgesehen. Alle Sprecher sprechend japanisch, was aber auch wieder merkwürdig ist, wo man doch in China unterwegs ist.
Natürlich gibt es englische Untertitel und auch sonst ist das Spiel komplett in Englisch gehalten.

Leider hat man die PAL Version ein wenig zensiert. Einer der Obermotze der Yellow Head Gruppe namens Yuan ist im Original ein Transvestit. In der PAL Version hat man eine Frau aus ihr gemacht. Wirklich verstehen will ich diese Änderung nun nicht…

Um es kurz zu machen: Shenmue 2 ist genial und muss sich im Besitz von jedem befinden, der einen Dreamcast oder Xbox besitzt.

Publisher: Sega
Developer: Sega
Erscheinungsjahr: 2001
Erschienen für: Dreamcast, XBox
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Mittel


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Grafik9,5/10  Spielspass
Sound9/10
9,5/10
Gameplay 9/10
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