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Der größte Schocker aller Zeiten? Der kontroverseste Film aller Zeiten? Zu Recht verboten und verbannt? Cannibal Holocaust wird häufig mit solchen Kommentaren versehen und die Meinungen gehen sehr stark auseinander. Genialer Kannibalenschocker sagen die einen, die anderen sagen, es ist ein kranker Film, den niemand braucht.
Das Cannibal Holocaust aber einen riesigen Einfluss auf die Filmwelt hatte, ist unbestreitbar. Blair Witch Project hat sich großzügig an der Machart des Films bedient und wahrscheinlich träumt jeder Regisseur, einmal solch einen Film zu machen, über den auch nach einem Vierteljahrhundert noch aufgeregt diskutiert wird.
Cannibal Holocaust wurde 1980 veröffentlicht. Die 70er mit all ihrer Exploitation waren eigentlich schon vorbei und Kannibalenfilme tot. Als Nachzügler kann CH also mehrere Untergenres der Exploitation vereinen, neben Kannibalenfilm eben auch den Mondo, also ein Film der als Dokumentation aufgemacht ist.
Die Handlung ist dabei recht simpel. Ein Filmteam soll eine Dokumentation im Amazonas machen, über das Leben der dortigen Einwohner, die noch recht steinzeitlich leben. Das Team verschwindet spurlos und nach 2 Monaten ohne Lebenszeichen macht sich ein Anthropologe auf die Suche nach ihnen. Er findet aber schlussendlich nur noch die Filmrollen und ein paar Knochen. Waren hier Kannibalen am Werk? Die großen Filmsender reißen sich natürlich schon um die Filmbänder, man kann sicher spektakuläre Aufnahmen erwarten. Was man dann aber auf den Bändern sieht, ist grausamer als angenommen. Das Filmteam muss sehr schnell ernüchtert feststellen, dass es auch im Amazonas recht langweilig zu geht, die Einwohner leben ihr Leben und die Stammesrituale sind nun auch kein Schocker mehr. Also beschließen die Filmleute, dem ganzen auf die Sprünge zu helfen. Sie zünden Hütten an, scheuchen einen anderen Stamm auf, vergewaltigen die Frauen und wollen das Ganze am Ende als Dokumentation über einen brutalen Stammeskrieg darstellen. Natürlich sind die Stammesbewohner davon so gar nicht begeistert und rächen sich am Filmteam.
Der erste Teil des Films ist noch mehr ein normaler Abenteuerfilm, der Anthropologe ist mit ein paar Soldaten auf dem Weg durch den Urwald. Hier ist alles wie ein normaler Film gedreht und außer einem recht brutalen Ritualmord an einer Frau, die wohl fremdging, ist alles noch sehr zurückhaltend. Man wundert sich schon fast, wie so ein Film so einen Ruf bekommen konnte. Das alles ändert sich, als man die Bänder gefunden hat und sie zeigt. Es ist also praktisch ein Film im Film und man sieht alles durch die verwackelten Handkameras des Filmteams. Dadurch wirkt das alles sehr realistisch und die Stimmung des Films ändert sich rapide.
Ruggero Deodato wurde kurz nach der Veröffentlichung des Films festgenommen. In Italien nahm man an, das gezeigte Material wäre real, das Filmteam hat also sein Ziel erreicht. Erst nach dem der Regisseur mit den Hauptdarstellern aufgetaucht ist und gezeigt hat, dass diese noch am Leben sind, wurden die Anklagepunkte fallen gelassen. Später wurde er dann aber doch noch zu einer Geldstrafe verurteilt, denn nicht alles im Film ist ein Schauspiel. Die Tiere, die getötet werden, starben wirklich und das auf meist recht grausame Art und Weise. Hier geht der Film eindeutig zu weit und dabei mein ich nicht, dass Tiere getötet werden, was mir recht egal ist sondern dass wirklich jede Kleinigkeit gezeigt wird. Minutenlang „darf“ man dabei zusehen, wie eine Schildkröte geköpft und ausgeweidet wird. Und das einfach dient nicht dem Film sondern ist einfach nur ein billiger Schockeffekt.
Auch die Gewaltszenen mit den Menschen sind wohl bis heute unübertroffen. Der Film an sich wirkt recht real und so sind auch die Vergewaltigungen und die Ritualmorde bzw. Kastrationen (Die es irgendwie in jedem Kannibalenstreifen geben muss), darauf ausgelegt, so real wie möglich zu wirken und das haben die Macher geschafft, was schon eine erstaunliche Leistung ist (vor allem bei der gepfählten Frau, eine Szene die bis heute für Aufsehen sorgt), wenn man bedenkt, dass es damals noch keine Computereffekte gab und der Film ein recht geringes Budget hatte.
Natürlich sieht man anfangs auch nur die Gewalt und will gleich Wörter wie krank verwenden, allerdings ist Cannibal Holocaust dann eben doch mehr, als ein Kannibalenschocker und das hat er Genrekollegen wie Cannibal Ferox voraus. Denn das ganze Gezeigte dient als Kritik an der Gesellschaft. Dass Dokumentationen meist totaler Fake sind, weil die Realität einfach nicht so spannend und „geil“ ist, wie dort gezeigt, sollte ja mittlerweile niemanden mehr verwundern. Gerade in einer Zeit, wo es den Fernsehsendern nur noch darum geht, möglichst viele Menschen zum Einschalten zu bewegen. Dass im Film der Kameramann auch dann noch voll drauf hält, wenn seine Filmkollegen von den „Kannibalen“ gerade vergewaltigt und abgeschlachtet werden, wirkt dann schon gar nicht mehr so unrealistisch, immerhin ergibt das doch tolle Aufnahmen des unzivilisierten Wilden und so stellt man sich am Ende die Frage, wer denn nun der wahre Wilde war: Der Ureinwohner, der nur sich selbst verteidigt hat oder der „zivilisierte“ Stadtmensch, der aufgrund von Sensationsgeilheit zu allem fähig ist und vor nichts zurück schreckt.
Diesen Film zu bewerten, fällt recht schwer. Er ist billig, wirkt teilweise amateurhaft, erstaunt dann aber doch durch sehr gut gemachte Schockeffekte. Seine Message, bringt Cannibal Holocaust sehr gut rüber. Allerdings noch mal ganz klar die Warnung: Dieser Film hat extreme Szenen, ist sehr verstörend und deshalb nichts für Leute, die schon den Soldat James Ryan als „krass“ empfanden, denn gegen Cannibal Holocaust wirkt dieser Film wie eine Folge der Teletubbies.
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