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Wenden wir uns nun einem Klassiker aus Deutschland zu. Heutzutage ist Deutschland ja alles andere als ein Filmland, aber das war praktisch 50 Jahre lang so. Damals, in den 20ern und 30ern war es anders, da war man die führende Filmnation und brachte einen Klassiker nach dem anderen heraus, die international bekannt wurden. Dann kam der 2. Weltkrieg und danach war es aus, bis heute hat man zumeist den Eindruck das billige Low Budget „Komödien“ mit typisch deutschem (also gar keinem) Humor ausreichen müssten. Nur selten wagt sich mal wieder ein Regisseur daran, einen großen Film zu machen. Denken wir dabei an Titel wie Die Brücke, Der Untergang oder Das Boot – auffällig, dass alle vom 2. Weltkrieg handeln. Bis zum Untergang war das Boot für mich der letzte große deutsche Film, danach kam praktisch nur Müll, denn „Hits“ wie Manta, Manta kann man nun wirklich nicht ernst nehmen. Interessanterweise schlug dem Film damals 1981 aus Deutschland aber praktisch nur Kritik entgegen. Kritiker waren unfassbar, dass hier jemand wagt einen Film auf internationalem Niveau zu machen, mit großen Schauspielern (mehr als nur die 2 „Großen“ in den Hauptrollen), vielen Effekten und einem großen Budget. Zuletzt las ich in einer Kritik aus dem Jahr 1981 „Warum solch einen Film machen, wenn man mit dem Budget auch 10 Autorenfilme machen kann...“ Die andere Kritik richtet sich zumeist gegen den Film selbst – und die Tatsache, dass Deutschland bis heute nicht über den zweiten Weltkrieg hinwegkam und man bei dem Thema lieber beschämt zu Boden schaut und nichts sagt.
Das Boot beginnt im Winter 1941 und damals stand es für Deutschland längst nicht mehr so gut wie zu Beginn des Krieges. Auch die Marine ist nicht mehr die beste, die Alliierten setzen mit neuer Technik schwer zu, hinzu kommt die Tatsache das man in Deutschland praktisch alles auf die U-Boote zerrte was gehen konnte, die Besatzungsmitglieder wurden immer jünger und unerfahrener, so konnte das ja nichts werden. Auch die U96 ist davon betroffen. Sie liegt im Bunkerhafen von La Rochelle. Unter der Leitung von Kapitän-Leutnant Lehmann-Willenbrock, der zumeist nur „Der Alte“ genannt wird, formiert sich eine neue Truppe die auf Feindfahrt geschickt wird. Schon vor der Abfahrt bei einem kleinen Saufgelage zeigt sich, das man es hier nicht wirklich mit Nazis zu tun hat, die Kritik am Hitlerregime ist deutlich zu hören und sie zieht sich auch in den Tagesablauf auf dem Boot weiter. Der Alte gibt meist zynische Kommentare zu den Propagandanachrichten des Regimes ab und die ganze Besatzung hört am liebsten englische Lieder. Lediglich der erste Offizier ist ein Nazi wie er im Buch steht, wird deshalb erst gar nicht ernst genommen und bei jeder Möglichkeit lächerlich gemacht, erst ganz am Ende sieht auch er der Wahrheit ins Auge. Der rote Faden des Films dreht sich um den Kriegsberichterstatter Werner. Was klar ist, da Das Boot eine Buchverfilmung ist und das Buch von Lothar-Günther Buchheim eine Biographie über sein Leben als Kriegsberichterstatter ist. Mit Werner erlebt der Zuschauer das Leben an Bord einer winzig kleinen Röhre mitten im Feindgebiet. Hier zeigt der Film auch ganz deutlich seine Stärken. Anspannung, Frust, Enttäuschung und Fassungslosigkeit der Besatzung werden sehr deutlich rübergebracht, alle wollen eigentlich am liebsten nach Hause und finden den Krieg sowieso reichlich unnötig, auch drängt sich immer wieder der Gedanke auf, das auf der „Feindesseite“ ja auch nur Menschen stehen. Deutlich wird dies bei einem Angriff auf einen Konvoi, einer der spannendsten Momente des Films, weil unvermittelt nach dem Abschuss einiger Torpedos ein Zerstörer auftaucht und mit Wasserbomben Jagd macht. Sofort wird der Tauchvorgang eingeleitet und als das U-Boot auf 150 Meter abtaucht und alles schon fies knirscht, merkt man die Panik der Besatzung sehr deutlich an, trotzdem freut man sich als man die Einschläge der Torpedos hört. Nach dem Auftauchen sieht man die brennenden Schiffe, man will sich schon fast wieder freuen, als man bemerkt das noch Menschen auf den sinkenden Booten sind und diese teilweise brennend ins Wasser zu springen.
Diese Spannung hält der Film über seine gesamte Laufzeit bei, auch wenn eigentlich nur wenig „Kriegsaction“ zu sehen ist. Wobei diese dann allerdings fabelhaft inszeniert ist, wie die wilde Fahrt durch die Meerenge von Gibraltar. In erster Linie geht es bei dem Film aber um die Menschen und eben die Tatsache, dass es Menschen an Bord des Boots sind und keine blinden Naziidioten. Genau das brachte dem Film damals viel Kritik ein, man darf diese Menschen nicht als Menschen präsentieren, lautete das Motto. Wirklich wichtig hierbei ist auch, in welcher Fassung man den Film sieht. Die Kinoversion ist viel zu kurz und vermittelt einen recht falschen Eindruck, da hier zu selten die persönlichen Einblicke in die Besatzung stattfinden. Der Directors Cut ist da wesentlich empfehlenswerter, allerdings führt eigentlich kein Weg an der 5stündigen Fernsehfassung vorbei. 5 Stunden mögen lang klingen, allerdings ist der Film so klasse inszeniert, dass es nie langweilig wird. Diese unglaubliche Atmosphäre fängt jeden ein.
Ein Lob muss man da natürlich vor allem den Schauspielern aussprechen, vor allem da sie alle Sätze später im Studio noch mal einsprechen mussten und es wohl reichlich schwierig ist, diese Stimmung so noch mal zu wiederholen. Es findet sich hier alles, was Rang und Namen hat. Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Klaus Wennemann, Martin Semmelrogge, Erwin Leder, Hubertus Bengsch, Heinz Hoenig, Uwe Ochsenknecht, Claude-Oliver Rudolph…und das ist nur die Hauptbesetzung, man hat hier die wohl besten Schauspieler überhaupt zusammengekarrt.
Bleibt zu sagen, trotz damaliger Kritik ist Das Boot wohl ganz locker einer der 5 besten deutschen Filme aller Zeiten. Vielleicht gerade deshalb, weil es kein typisch deutscher Film ist.
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