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Mitte der 90er konnte man den Eindruck erhalten, dass Hollywood nur noch auf Comic- und Videospielverfilmungen stand. So prügelte sich etwa 1995 nicht nur Mortal Kombat ins Kino sondern auch Judge Dredd, der Gesetzeshüter der Zukunft. Die Comicreihe ist in Deutschland eher unbekannt, das macht aber nichts, denn wer hat ernsthaft erwartet, das sich diese Verfilmung nahe an die Vorlage hält? Das Intro, gesprochen von Mr. Düsterstimme James Earl Jones klärt uns schonmal direkt darüber auf, wo wir sind. Im 3. Millenium, in einer Stadt namens Mega City, wo die Judges die Polizei darstellen. Die sind praktisch nicht nur Cops sondern direkt noch Richter und Henker in einem. Joseph Dredd (Sylvester Stallone) ist der bekannteste und gefürchtetste. Er hält sich eisern an das Gesetz und vergibt generell nur die Höchststrafen. Im Verlauf des Films stellen wir dann fest, das Judge Dredd der Prototyp des ultimativen Street Judges ist und eigentlich aus dem Genlabor stammt und wie es so sein muss, gibt es natürlich noch einen bösen Klon von ihm: Judge Rico (Armand Assante). Der drehte durch und wurde ins Gefängnis gesteckt. Aber der böse Judge Griffin hat ihn befreit und gemeinsam wollen sie das Projekt Janus, aus dem Rico und Dredd hervorgingen wieder starten, weil sie ja eh nur wieder Machtgeil sind und regieren wollen. Judge Dredd wurde zwischendrin verurteilt. Da Rico die gleiche DNA wie er hat, konnte er sich als dieser verkleiden und ein paar Leute töten. Dredd wird daraufhin eingeknastet und später mit einem Transportflugzeug durch die Gegend geflogen. Nach einem kurzen Intermezzo, kann er nach Mega City zurückkehren und es kommt zum großen Showdown zwischen ihm und Rico, der mittlerweile Judge Griffin gekillt hat, weil er die Klone alle mit seiner fiesen, bösen DNA erstellt haben will. Im Prinzip ist die Handlung egal, wichtig ist nur: Dredd gut, Rico böse, Action. Ordentlich fängt der Film schonmal an, nach kurzer Zeit findet man sich in einer wilden Schießerei wieder und Stallone darf wieder mal beweisen, warum er einfach der größte Actionstar neben Arnie ist. Er räumt kurzerhand alles beiseite. Dummerweise beginnt der Film aber hier schon den ersten großen Fehler: Der Sidekick wird eingeführt. Ich frage mich immer wieder, warum so viele Actionfilme dem Held einen nervigen, unlustigen, dummen, stupiden Sidekick an die Seite stellt, den man am liebsten sofort tot sehen will. Im Falle dieses Films ist es Fergie, gespielt von einem der unlustigsten und schlechtesten Darsteller überhaupt: Rob Schneider. Ein Sidekick in diesem Film ist schon ein Fehler, aber dann diese Flasche? Nur schwer kann ich meinen Worten Ausdruck verleihen, wie schnell ich diesen beseitigt sehen wollte und sowieso macht das ganze nur wenig Sinn. Am Anfang wird Fergie von Dredd selbst verurteilt, später raufen sich beide zusammen, obwohl Dredd doch eigentlich der gesetzestreue Judge vom Dienst ist und welchen Sinn macht Fergie? Schon nach kurzer Zeit stellt man fest, dass er Dredd nur in Schwierigkeiten bringt und das zieht sich bis zum Ende durch. Lustig sind seine Szenen und sein Rumgemotze auch nicht (Wobei das auch an Rob Schneider liegt, der kann eben einfach nichts) und er wird überflüssig und aufgesetzt. Genug darüber gemeckert, kommen wir zu den anderen Kritikpunkten. So werden Dredd und Fergie in einem Transporter durch die Gegend geflogen, der natürlich attackiert wird. Beide überleben und werden dann von einer Mutantenfamilie gefangen genommen, die natürlich auch noch Kannibalen sind. Der Anführer erinnert mich spontan an Tex-Hex von Bravestarr und wirklich viel Sinn machen diese Szenen nicht, außer das Stallone mal wieder aufräumen darf und man einen weiteren Nebendarsteller (leider nicht den Sidekick) beseitigt. Der Showdown könnte dann schon gar nicht mehr nach Schema F ablaufen. Rico und Dredd tragen es aus, wie man es schon in zig anderen Filmen gesehen hat: Sie umschleichen sich, viel passiert nicht. Irgendwann hängt Dredd dann am Abgrund, der Bösewicht hält eine lange Rede anstatt einfach die Arbeit zu machen. So kann unser Held natürlich doch noch besiegen, weil Bösewichte nach langen Reden scheinbar generell sehr unaufmerksam und fahrlässig werden. Die Klone, die man kurz zuvor noch lebendig sah, werden gar nicht mehr erwähnt. Sind sie tot? Werden sie jetzt brav? Was ist passiert? Man weiß es nicht. Judge Dredd hat ein großes Budget und in den Nebenrollen hat man einige bekannte Schauspieler wie Max von Sydow und Jürgen Prochnow (der als böser Judge Griffin aber ein wenig fehlplatziert wirkt, Prochnow nimmt man einfach den Bösewicht nicht so sehr ab). Judge Dredd ist ein leidlich unterhaltsamer Streifen, er funktioniert dann, wenn Stallone das machen lässt, was er am besten kann: Mit dicken Waffen durch die Gegend ballern und den Bodycount in die Höhe treiben. Egal ob bei Tex-Hex‘ Kannibalenfamilie oder am Anfang, das macht Spaß. Weniger Spaß macht die schlappe Story, die mal wieder von Blade Runner inspirierte Kulisse und Rob Schneider, der in einer Szene wirklich eher vom Feuer gegrillt hätte werden sollen. Judge Dredd Fans werden sich wohl mit Grausen von diesem Film abwenden, alle die einen Film mit guter Handlung oder Logik erwarten werden kotzen und Actionfans können durchaus einen Blick riskieren, zumindest die Szenen wenn es kracht, funktionieren eben einfach.
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