|
Dinomania is running wild. So war es zumindest im Jahr 1993, als Jurassic Park in die Kinos kam. Plötzlich fand jeder Dinosaurier geil und jedes kleine Kind wollte einen als Haustier. Wäre ja auch ganz praktisch, so ein Velociraptor. Wenn Sonntag früh mal wieder die Zeugen Jehovas nerven, sagt man einfach „Velo fass“ und kann weiterschlafen. Man hat also aus urzeitlicher DNA, die man in einer versteinerten Mücke fand, die Dinosaurier wieder zum Leben erweckt. Dafür verantwortlich ist ein exzentrischer alter Kauz, der wohl nicht wusste, was er sonst mit seinen Millionen machen soll. Also spielt er kurzerhand mal Gott, bringt die Dinosaurier auf die Erde zurück und macht aus ihnen eine Attraktion für einen Vergnügungspark: Jurassic Park. Bevor der Park eröffnet wird, werden erstmal ein paar Paläonthologen und Forscher zum Besuch eingeladen. Die sehen sich das an und natürlich muss etwas schief gehen. Die Dinosaurier mögen Zäune nicht und brechen aus… Basierend auf einem Buch von Michael Crichton wurde das Ganze von Steven Spielberg verfilmt. Leider. Zu Gute halten muss man Jurassic Park, dass er handwerklich extrem gut inszeniert ist und einige spannende Szenen bietet. Ja, der Film macht schon Spaß, wenn man ihn sich höchstens alle paar Jahre einmal ansieht. Einige kleine Schockmomente sind auch ganz gut, obwohl es da auch wieder etwas vorhersehbar ist. Trotzdem leidet der Film einfach unter den typischen Spielbergschen Krankheiten. Blut und Gewalt gibt es kaum, was bei der Thematik entlaufener Dinosaurier eigentlich Pflicht ist. Das sind riesige Raubtiere, die alles plattmachen. Es sterben Menschen, aber man sieht kaum etwas davon. Das ist langweilig. Aus Jurassic Park hätte man einen klasse Horrorschocker mit Splatterelementen machen können. Wer das Videospiel Dino Crisis kennt, weiß was ich meine. Stattdessen ist alles darauf getrimmt, dass sich Mama, Papa, Kind, Oma und Hund an dem Dinospektakel erfreuen können. Spielberg mag Kinder und deshalb steckt er zwei Drecksbälger in den Film und drängt sie immer zur unpassenden Zeit in den Mittelpunkt. Sie nerven, sind vorlaut und niemand kann mir erzählen, dass sich Anfang der 90er ein 14jähriges Mädel mit Unix (natürlich völlig unrealistisch in Knallbunt und mit 3D dargestellt…) auskennt, als wärs Barbie. Das wirkt absolut unrealistisch und man wünscht sich, dass die beiden einen qualvollen Tod unter der dem dicken Fuß eines T.Rex erleiden. Die weiteren Charaktere sind entweder platt oder klischeehaft. Der Computerexperte des Parks ist natürlich übergewichtig. Dr. Alan Grant mag Kinder nicht, am Ende ist der plötzlich kinderlieb. Geht’s noch aufgesetzter? Und Chaostheoretiker Ian Malcolm hätte ruhig noch eine ganze Ecke zynischer sein können. Jurassic Park hätte ein genialer Film werden können. Wenn hier ein fähiger Regisseur am Werk gewesen wäre, der das Buch gelesen hätte und nicht krampfhaft alles auf familienfreundlich getrimmt hätte.
Im Forum kommentieren |