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Wenn man in Deutschland im Bereich Film etwas kann, wie sonst nur die Asiaten, dann ist es, Verwirrung mit Filmtiteln zu schaffen. Kickboxer ist hierbei direkt das Paradebeispiel, kam es hierzulande als 3. Teil der Karate Tiger Reihe heraus. Die Karate Tiger Reihe ist aber auch nur ein Einfall des deutschen Filmverleihs, denn abseits der ersten beiden Filme und eines weiteren, die unter dem Originaltitel No Retreat, No Surrender (witzigerweise ist Teil 3 dieser Reihe nicht als Karate Tiger Teil in Deutschland erschienen) rauskamen, hat man willkürlich alle möglichen Martial Films genommen und sie zu dieser Reihe gemacht. Das ist insofern verwirrend, als dass es extra noch eine eigene Kickboxer Serie gab. Das Chaos ist also perfekt. Nun ist schonmal vom Titel weg klar, dass Kickboxer ein Film rund um Kickboxen und Martial Arts Stile, vor allem Muay Thai ist. Im Prinzip kann man die Handlung so beschreiben: Rocky 4 trifft auf Mr. Miyagi. Ausführlicher? OK: Kurt (Jean-Claude van Damme) und Eric Sloane (Dennis Alexio) sind das merkwürdigste Brüderpaar, das man gesehen hat. Sie sehen sich nicht ähnlich, haben sich aber zumindest doll lieb. Eric ist der Kickboxchamp und das Großmaul, während Kurt wohl seine Art Trainer und Ringboy darstellt. Wie gesagt, wie bei Apollo Creed und Rocky Balboa und ebenso wie bei Rocky 4 tritt das Großmaul gegen einen bösen ausländischen Kampfkoloss an. In dem Fall Tong Po. Eric will ihn natürlich platt machen, denn was ihm an Stärke fehlt hat er in seinem Maul und seinen Beinen. Das klappt aber natürlich nicht und so wird er kurzerhand vermöbelt und, nein, nicht getötet sondern nur ins Krankenhaus befördert wo dann feststellt, dass er ab jetzt mal querschnittsgelähmt ist. Kurt findet das schockierend (und heult und schreit noch mehr rum als Rocky als Mickey starb) und deshalb gibt's nur eins: Rache. Im Land des Feindes trainiert er also mit einem alten Muay Thai Fuzzi der auf Mr. Miyagi macht und natürlich erklärt, dass Rache nicht gut ist und man Kampfkunst dafür nicht einsetzt. Am Ende finden sie aber doch zusammen. Es gibt viel Training, ein paar Schlägereien und dann kommt der finale Kampf. Etwas erschreckend finde ich bei Kickboxer dann doch, dass man sich so gar keine Zeit nimmt, den Figuren zumindest ein bisschen Charakter und Tiefgang zu verpassen. Wer sind die Sloanes? Warum soll Eric so toll sein, wenn er quasi nach den ersten 10 Minuten schon im Rollstuhl sitzt? Ja, das ganze geht so schnell und eine gute Stunde wird mit viel, viel Training verbracht (dynamische Trainingsmontages ala Rocky sucht man vergeblich, hier geht es sehr konventionell zu) und natürlich zwei recht stupid-legendären Szenen. Die eine ist, als Kurt mal eben mit Kicks eine Palme(!) fällt, die andere ist die unglaublich trashige Tanzszene in der Bar. Ja, van Damme mag toll rumspringen und kicken können, aber ein paar Tanzstunden hätten nicht geschadet. Viel Leerlauf schließt sich auch an und es wird praktisch alles an Actionfilmklischees aufgeladen, die man finden konnte. So darf der Quotenschwarze der natürlich ein ehemaliger Soldat ist, die coolsten Sprüche und Weiber hat, nicht fehlen. Dass sich Eric dann in eine einheimische verliebt, die natürlich prompt von Tong Po vergewaltigt wird, ist auch klar. Witzig ist dann vor allem der Endkampf. In bester Rocky-Manier lässt sich Eric erstmal in einem Deathmatch (verbundene Hände an denen man Glasscherben befestigt, das wurde ja in Hot Shots 2 parodiert) halb tot prügeln. Wo Ivan Drago am Anfang schon mit seinem „I must break you“ für Feuer sorgt, denkt Eric hier erst ans Kämpfen, als ihm Tong Po klarmacht, das er eben seine Freundin vergewaltigt wird. Danach gibts kein halten mehr und wo der Bösewicht vorher noch jeden Schlag locker blocken konnte, ist er jetzt nur noch eine willenlose Zielscheibe. Es läuft alles brav im Schema ab, unterlegt mit einigen fragwürdigen Szenen, wie der Tanzszene, die bizarr ist oder jener am Anfang, wo Kurt in einem Boot sitzend nackte Kinder fotographiert und dumm grinst (heutzutage würde man sich ja nicht mehr trauen sowas zu filmen, aber ich denke das wirkte auch schon damals etwas arg plump). Jean-Claude Van Damme ist natürlich kein guter Schauspieler, hölzern kämpft er sich durch die Kulissen und hat einen Akzent, der aber nicht so lustig wie der von Arnie ist. Die anderen Darsteller sind im Prinzip nur Beiwerk. Lediglich Michel Qissi gibt schon, wie zuvor in Bloodsport, einen schön hassenswerten und fies aussehenden Bösewicht ab. Kickboxer ist wie gesagt ein Film ohne echte Handlung, ohne echte Charaktere, mit viel Leerlauf in der Mitte. Die Laufzeit von über 93 Minuten ist eindeutig zu lang, hier hätte man wohl locker 20 rauskürzen können. Lediglich der erste und der finale Kampf sind schön hart und brutal und sorgen für ein wenig Unterhaltung, genauso wie eben ein paar trashige Szenen. Insgesamt aber kein Film, den ich mir ein zweites Mal ansehen würde.
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