|
Als Filmemacher hat man sein Ziel wohl erreicht, wenn die Zuschauer denken, dass das was sie eben sahen, real ist. Insofern hat Rob Reiner mit seiner „Rockumentary“ This is Spinal Tap alles richtig gemacht. Die meisten dachten, dass Spinal Tap wirklich existiert und bei den ersten Testvorführungen wurde sogar die Kritik laut, dass man doch eine bekanntere Band hätte nehmen soll, weil Tap niemand kannte. Andererseits existiert sie dann doch wieder rum real, denn Christopher Guest, Michael McKean und Harry Shearer (ihn kennt man ja vor allem als Sprecher zahlreicher Rollen bei den Simpsons) sind zwar Schauspieler, aber sie schrieben die Songs selbst und spielten sie auch. Jahre später, nach dem der Film verdient zum Kult wurde, nahmen sie sogar ein richtiges Album auf und gingen auf Tour. Im Film sehen wir Spinal Tap auf ihrer Tour durch Amerika. Sie sind Englands lauteste Band, seit sie Metal spielen. Angefangen hat die Band in den 60ern. Zuerst als Kopie der Beatles, dann als Flower-Power Band a la Jefferson Airplane. Jetzt, Anfang der 80er, haben sie ein neues Album namens Smell the Glove veröffentlicht, das eine Kontroverse startet, weil das Cover zu sexistisch wäre. Ein Problem, das ja viele Rock- und Metalbands hatten wie z.B. Whitesnake oder die Scorpions. Smell the Glove kriegt daraufhin ein neues Cover. Es ist schwarz. Schwärzer als schwarz sogar und so scheint auch die Zukunft der Band zu sein. Bei den Auftritten kommt es zu immer größeren Zwischenfällen. Mal funktioniert die Kulisse nicht, dann explodiert der Schlagzeuger oder die monumentale Stonehenge Kulisse stellt sich als 18 Zoll große Miniatur dar, die dann trotzdem auf die Bühne gestellt wird, nur um dann zwei Kleinwüchsige darum tanzen zu lassen. Als dann auch noch David St. Hubbins seine Freundin in die Band bringt, droht diese endgültig auseinander zu brechen. This is Spinal Tap ist Kult und der wohl genialste und lustigste Rockfilm überhaupt. Die gesamte Musikszene der damaligen Zeit wird aufs Korn genommen. Sei es durch das zickige Verhalten der Musiker, die sich darüber beschweren, dass die Brotscheiben beim Catering zu klein sind oder Anspielungen, wie die Stonehenge Kulisse, die auf Black Sabbaths Born Again Tour anspielt, als sie auch Stonehenge Steine auf der Bühne hatten, diese aber so riesig waren, dass die Band fast nicht mehr auf die Bühne passte. Kennt man sich in der Rockwelt ein bisschen aus, wird man jede Menge Anspielungen finden und natürlich wird auch jedes Klischee gnadenlos ausgeschlachtet, selbst wenn es nur darum geht, dass Musiker nicht ganz klar im Kopf sind, wie die fast schon an Homer Simpson erinnernden Erklärungsversuche Nigel Tuffnels über seinen ganz speziellen Verstärker.
Im Forum kommentieren |