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„A commercial-as-hell crap film“ so des Regisseurs Worte zu diesem Film. Nun stellt man sich spätestens nachdem man den Film gesehen hat die Frage, was für Bo Arne Vibenius wohl kommerziell bedeutet. Denn Thriller ist alles, nur kein Film der kommerziellen Erfolg haben kann, um genau zu sein ist es einer der ganz wenigen Film, die in Schweden komplett verboten sind (Nach einem Film von 1912 war dies auch erst der zweite Film, den dieses Schicksal ereilte). Berühmt-berüchtigt ist der Film vor allem durch die Augenszene, in der eine echte Leiche verwendet wurde... Bo Arne Vibernus hat mit Filmlegende Ingmar Bergman zusammengearbeitet, ehe er sich als Regisseur versuchte. Sein erster Film war ein richtiger Flop, Thriller sollte nur ein billiges Filmchen werden, das möglichst viel Geld einspielt um das nächste große Projekt zu finanzieren. Auch in der geschnittenen Fassung ist der Film nicht ohne, denn das einzige, das hier fehlt sind die sowieso etwas unpassend wirkenden Hardcore-Sexszenen. Verschiedene Titel besitzt der Film auch noch, neben dem Originaltitel noch zwei englische (Thriller – A Cruel Picture sowie They call her One-Eye)
Thriller ist angesiedelt zwischen Drama und Rape & Revenge, dem wohl ungeliebtesten aller Exploitationgenres. Frigga (Madeleine in der englischsprachigen Synchro) wurde als kleines Kind vergewaltigt und ist seitdem stumm, sie lebt auf dem Hof der Eltern und hat ein schönes Leben, welches sich allerdings schlagartig ändert, als sie den Bus verpasst. Man soll nicht mit fremden Männern mitgehen, das kriegt man als Kind gelehrt-Frigga steigt trotzdem in das Auto eines Fremden, der sie in die Stadt bringt, dort, wo sie hin wollte. Er führt sie zum Essen aus und nimmt sie nach Hause mit. Bis dahin wirkt alles halb so schlimm, was sich allerdings ändert, als er sie betäubt. Denn der Mann, der Tony heißt, entpuppt sich schnell als Zuhälter und Frigga soll seine neue Prostituierte sein, die er sogleich mit Heroin gefügig macht. Frigga hat keine andere Wahl, als das Martyrium über sich ergehen zu lassen, sie braucht die Drogen und Tony ist kein netter Mensch. Als Frigga ihren ersten Freier verletzt, schneidet er ihr kurzerhand ein Auge heraus, er schreibt auch böse Briefe an ihre Eltern, die schockiert dadurch Selbstmord begehen. Der Zorn in Frigga wächst und wird noch dadurch gesteigert, das Tony die einzige anderen Person (eine andere Prostituierte), die Frigga etwas hilft, erschießt. Frigga spart das Geld, das sie bekommt, zusammen und gibt es für Training aus. Nahkampf, Waffen und Autofahren werden zur Perfektion geübt und münden schließlich in der großen Rache. Sie kennt keine Grenzen, rächt sich an ihren Freiern und am Ende auch an Tony.
Vibernus’ Plan von einem kommerziellen Film hat natürlich nicht funktioniert, schon die Handlung ist nicht mainstreamtauglich und auch gar nicht so umsetzbar. Thriller ist aber auch kein billiger Grindhousestreifen, der auf Exploitation setzt und sonst nichts zu bieten hat. Der Film ist auf eine sehr merkwürdige, fast schon kunstvolle Weise produziert. Es gibt kaum Dialoge, es gibt keine wirkliche Hintergrundmusik und viele Szenen im Film sind reine Metapher. So rast Frigga mit einem geklauten Polizeiauto über die Straße und rammt jede Menge andere Fahrzeuge (die dann explodieren) von dieser. Natürlich sieht es etwas merkwürdig (um nicht zu sagen lächerlich) aus und passt nicht wirklich in den Film. Oder doch? Es soll einfach nur zeigen, dass man es hier mit einer Frau zu tun hat, die nichts zu verlieren hat und nicht von ihrem Ziel abgehalten werden kann. Aber man hätte sich das auch sparen können. Auch sieht man hier wieder das Spiel mit der Kleidung, am Anfang ist Friggas Kleidung noch hell und bunt, am Ende trägt sie dann eine schwarzen Ledermantel nebst passender Augenklappe (geniales Outfit, dagegen sieht Neo mit seiner Billigsonnenbrille wie eine Pussy aus, nichts gegenüber einer stylischen Piratenaugenklappe). Auch wenn der Film keine zwei Stunden andauert, ist er sehr langsam, noch langsamer wird es am Ende. Alle Kampfszenen sind Slow-Motion gedreht. Leider wird damit ziemlich übertrieben, denn wo etwa bei Sam Peckinpah oder John Woo diese Slow-Motion eher sparsam und nur bei besonderen Szenen eingesetzt wird, sieht man sie hier ständig und das ist nicht nur Slow-Motion sondern Super Slow-Motion. Was den Film auch ziemlich zerstört, sind oben erwähnte Hardcoreszenen, die einfach nicht reinpassen und den Film nicht voran bringen.
Wirklich viel zu den Schauspielern lässt sich nicht sagen. Es stehen nur zwei im Mittelpunkt und alle anderen sind eher Randfiguren. Christina Lindberg war in den 70ern eine der größten europäischen Models und hat in einigen Erotikfilmchen mitgespielt. Sie macht ihre Sache hier gut, vor allem dadurch, dass sie keinen Satz sagt, muss sie praktisch alles über Körpersprache machen und das macht sie ausgezeichnet. Die andere große Rolle ist natürlich Tony, gespielt von Heinz Hopf. Er spielt die Rolle des schmierigen, unsympathischen Zuhälters sehr gut.
Thriller – En Grym Film hat mir doch sehr gut gefallen, da er versucht etwas anspruchsvoller und stilvoller zu wirken als die meisten anderen Genrevertreter, die meist absoluter Schund sind (Man denke an I spit on your Grave). Es ist auch der einzige Film wo ich absolut für die geschnittene Fassung bin.
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