Home arrow Filme arrow Titanic 10 Februar 2012  
Kingdom of Desire
HomeForumImpressum
Spiele
Bücher
Filme
Hardware
Musik
Konzerte
Artikel
Wrestling
 
Titanic PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
23.02.2009

Image 

Die Titanic, der Luxusdampfer, der mit dem Eisberg kollidierte und unterging. Die Geschichte kennt jeder und die meisten werden erstmal an James Camerons Verfilmung denken.
Um diesen Film geht es hier nicht, sondern viel mehr um die deutsche Verfilmung von 1943.

Die Handlung hat aber erstaunliche Parallelen zum Cameron Film. Wie dort, gibt es auch hier eine Romanze zwischen einer Frau die unglücklich verheiratet werden soll und dem „armen Jungen von nebenan“. Auch einige Szenen wurden später von Cameron 1:1 kopiert. Revolutionär war der Film auch wegen seiner Spezialeffekte. Titanic wurde zum teuersten deutschen Film, er überholte recht locker Metropolis und das mitten im Krieg. Was das bedeutet, kann man sich denken. Die Naziführung erkannte das Potential und forderte prompt, dass man ein bisschen Propaganda einbaut und so wurde die Handlung stark verfälscht.

Es geht um die britische White Star Line, die praktisch kurz vor dem Bankrott steht. Die Aktienkurse sind im Keller und Geld hat man auch kaum noch.  Aber man hat die Titanic, das größte Passagierschiff, das je gebaut wurde. Sir Joseph Bruce Ismay ist der Präsident der White Star Line und hat einen Plan: Wenn die Titanic den Weg von Europa nach Nordamerika am schnellsten zurücklegt und so das „Blaue Band“ holt, kann die Reederei sicher gerettet werden. Ismay geht für diese Ziel über Leichen, die Sicherheitsvorkehrungen der Titanic sind auf ein Minimum beschränkt und so geschieht auch schon bald das große Unglück.

Dass die Titanic nie das schnellste Passagierschiff sein wollte oder konnte, weiß man. Das wusste man schon in den 30er Jahren. Denn die Titanic konnte nur mit maximal 23 Knoten dahinschippern, während selbst die RMS Mauretania 27 schaffte. Im Film behauptet man, dass die Titanic 26 ½ Knoten schaffen würde, aber selbst das wäre zu wenig.
Neben solchen faktischen Fehlern wurde natürlich noch Propaganda eingebaut. Die Engländer werden als Männer ohne Moral gezeigt, die nur habgierig ans große Geld denken. Vor allem Ismay, der Präsident der White Star Line wird in ein sehr negatives Licht gerückt. Der strahlende Held ist dagegen der erste Offizier Petersen. Er ist deutscher, denkt antikapitalistisch und will ja alle Menschen nur von dem Unglück bewahren. Dass es diesen Offizier nie wirklich gab, muss ich wohl nicht erwähnen.
In Deutschland wurde dieser Film nie gezeigt. Obwohl Goebbels sich zuerst viel von diesem Film versprach, sah er am Ende ein, dass ein Film über eine große Katastrophe während eines Krieges recht unpassend ist. Aufgeführt wurde der Film so zuerst in Frankreich. Später wurde er von den Alliierten erstmal verboten und erst um 1950 in Deutschland aufgeführt. 
Wobei man sagen muss, dass die Propaganda nicht so extrem ist. Die Darstellung der Engländer ist fragwürdig, aber dabei bleibt es auch. Ohne die Schlussszene (In der Engländer noch mal ganz gezielt als kapitalistische Schweine dargestellt werden) wäre der Film eigentlich recht unscheinbar.
Aber es gibt da ja noch die Geschichte rund um den Regisseur. Herbert Selpin war einer der bekanntesten Regisseure Deutschlands und hat in den 30er und frühen 40er unzählige Filme produziert. Ein Freund der Nazis war er nie, sondern hat sie immer stark kritisiert. Während er Titanic produzierte, wurde die Kritik etwas zu lautstark und so wurde er kurzerhand festgenommen und in einen Kerker geworfen. Am nächsten Tag war er tot. Mord? Selbstmord? Man weiß es bis heute nicht, aber an einen Mord darf man wohl glauben.

All diese tragischen und propagandistischen Geschichten lassen den eigentlichen Film schnell in den Hintergrund rücken. Das aber unverdient, denn Titanic ist filmisch gesehen ein Meisterwerk. In 90 Minuten wird hier eine Handlung erzählt, die sehr spannend ist und mit wesentlich weniger Kitsch auskommt, als andere Verfilmungen.
Dem hohen Budget zur Folge, trifft man hier auf viele große Filmstars vergangener Zeiten. Sybille Schmitz, Hans Nielsen, E.F. Fürbringer, Karl Schönböck oder Kirsten Heiberg waren die großen Stars dieser Ära und haben hier alle tragende Rollen.
Auch die Spezialeffekte waren ihrer Zeit um einiges voraus. Als Modell für die Katastrophenszenen am Ende diente die Cap Arcona. Dieses Schiff erlangte später durch ihre Zerstörung Bekanntheit. Denn als sie von alliierten Bombern angegriffen wurde, befanden sich unzählige KZ-Häftlingen an Bord, die eigentlich nach Dänemark geschafft werden sollten.  

Natürlich fällt es bei all der Propaganda schwer, diesen Film zu bewerten. Blendet man diese allerdings aus, erhält man einen extrem gut gemachten Film, der seiner Zeit weit voraus war und neben den Effekten mit einer gut inszenierten Handlung und erstklassigen Schauspielern zu überzeugen weiß. 

Bewertung
8,5/10
Im Forum kommentieren
 
< Zurück   Weiter >
Top of Page