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ASP - Requiembryo PDF Drucken
Geschrieben von Minsc   
07.01.2009

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Nach einer Pause erschien nun 2007 der fünfte und letzte Teil des Schwarzen Schmetterlings als Doppel-CD. ASP gehen hier weiter den Weg, den sie eingeschlagen haben. Mehr instrumentale Stücke als zuvor, auch wieder erzählte Passagen und bekannte Melodien und Elemente aus alten Alben, die rezitiert werden. Kurzum ist Requiembryo der Versuch, den perfekten Abschluss für den Zyklus zu finden. Und einige tanzbar-rockige Songs sollen dabei natürlich auch noch abfallen. Kurzum also -  ein sehr ambitioniertes Werk sollte entstehen.

Und das zeigt sich gleich in dem ersten Stück. Für mich vielleicht eines der besten, das ASP überhaupt geschrieben haben. Nur zur akkustischen Gitarre beginnt das Album, dazu Asps Stimme und schließlich entwickelt sich daraus ein überraschender Song, der in einen tollen Instrumentalteil übergeht. Diese „Offährte“ gehe ich doch gern ein, und noch lieber wäre mir, wenn das Ganze etwas länger gedauert hätte. So dsind das leider nur 6 Minuten und danach wird man auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. „Coming Home“ ist eine enttäuschende Nummer. Zu Zeiten von Weltunter wäre das noch ganz nett gewesen, zumal der Sound inzwischen auch satter geworden ist, aber hier wirkt das deplatziert.

Rhythmische Trommeln und die Stimme von Asp reichen als Zutaten für „De Profundis“. Sehr hypnotisch, sehr sperrig, sehr gut. Mal nebenbei: Ich hätte nicht gedacht, dass das auf dem Konzert live so gut rüberkommt. Guter Spannungsbogen, aber gewöhnungsbedürftig und mal wieder was ganz anderes. Es ist schon toll wie vielseitig sich ASP präsentieren.

Nach einer kurzen Erzählpassage erfolgt ein weiteres merkwürdiges :Duett von Asp mit seinem Alter Ego, dem schwarzen Schmetterling. „Das Minnelied der Incubi“ ist ein klasse Song, der mich im Refrain etwas an „Werben“ erinnert. :Duett, so hieß ja auch das zweite Album des Schmetterling-Zyklus.

„Schmetterflug“ ist dann ein kurzes, atmosphärisch aufgeladenes Instrumentalstück, das das Thema des Schmetterlings wieder aufnimmt. Spätestens an dieser Stelle ist der Gelegenheitshörer raus aus der Nummer. Denn es kündigt sich für mich hier bereits das an, worunter das ganze Album etwas leidet: Es ist nicht aus einem Guss, vieles wirkt aufgesetzt. Scheinbar hat man sich enormen Druck gemacht hier unbedingt das beste Album aus dem Zyklus zu machen. Ansprüche sind gut, aber hier schlägt sich das etwas ins Gegenteil um, gerade auch dann beim folgenden „Frostbrand“. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, wie man so schön sagt. Und so geht es einigen Liedern, es gibt gute Ansätze, aber (teilweise völlig unnötig) werden Bezüge zum schwarzen Schmetterling hergestellt (wie geil ist der Refrain von „Raserei“ und wie nervig der Rest des Songs). ASP zeigen immer wieder, dass sie es können und verstricken sich dann selbst scheinbar in den eigenen Vorstellungen.

„Ich bin ein wahrer Satan“ ist natürlich wieder ein mehr als gelungener Song zum Thema Glaubhaftigkeit der Medien, allerdings war er ja auch vorher schon bekannt (und erschien auf völlig übertriebenen vier verschiedenen Maxi-CDs!). „Erinnerungen eines Fremden“ ist dann ein schönes, ruhiges aber bedrohliches Instrumental, „Raserei“ hätte einer der besten Songs des Albums werden können. Die erste CD des Doppelalbums wird vom kurzen, knackigen „Finger weg! Finger!“ abgeschlossen.

Vermutlich haben sie dann abends zusammengesessen, sich die Aufnahmen angehört und gedacht „Das ist nicht sperrig, nicht ambitioniert genug. Jetzt hauen wir ein zweites Spiegelauge raus und machen alles nur noch viel länger.“

So ungefähr muss es sich wohl zugetragen haben, denn der erste Song der zweiten CD, „Requiem“, dauert um 25 Minuten und ist ähnlich wie Spiegelauge einfach nur aus verschiedenen Elementen aufgebaut. Also anders als bei anderen Bands, wo sich ein Song über diese Zeit kontinuierlich entwickelt. Asps mönchartiger Gesang klingt zwar zunächst toll und als kurzes Intro hätte mir das noch gefallen, aber das ist viel viel viel zu lang. „Eleison 2: Mercy“ ist einfach nur überflüssig und nervig. Wenn man das nicht als Longtrack gemacht hätte, hätte man zumindest einfach die Skiptaste betätigen können. So muss man versuchen, vorzuspulen. Denn danach wird es etwas besser. Wieder rhythmisches Trommeln, wieder nur Asps Gesang und die Fortsetzung der Geschichte. Auch diese Passage ist mir einfach zu lang und so kommt fast schon Langeweile auf, bis sich das Ganze in „Nimm mich“, einen wirklich guten Song, wandelt. Auch „Sanctus/Benedictus“ kann absolut überzeugen, das träumerische „Lux Aeterna“ passt als Zwischenstück sehr gut ehe dann wieder mönchartiger Gesang zu härterer Gitarre das Ganze abschließt.

Danach folgt der „Nekrolog“ des schwarzen Schmetterlings, hier wird quasi die bekannte Melodie des Stückes vom ersten Album genommen und die Geschichte fast zu Ende erzählt. Auf einem normalen Album hätte es das nicht gebraucht, hier und so ist dieses Back-to-the-Roots eben ganz nett.

Es folgen dann zum Glück noch ein paar starke Songs: Ob das schön gesungene „Biotopia“ mit interessantem Text, das tanzbare (aber ebenfalls bereits vorher veröffentlichte) „How far would you go“ oder die Hymne „Nie mehr“.

Das abschließende „Offährte (Reprise)“ dient nur als Ausklang des Albums, so was mag ich ja immer.

Wie gern würde ich an dieser Stelle allein für das Vorhaben, das Ganze so umzusetzen die Höchstwertung zücken. Doch selbst bei mir, der ich ASP gern höre und schon einige Male live gesehen habe, stellt sich an manchen Stellen Langeweile ein. Es wurde versucht, alle vorangegangenen Alben in den schwarzen Schatten zu stellen, doch das gelingt nur in Ansätzen. Ohne Frage gibt es starke Songs, ohne Frage gibt es Momente, wo die Geschichte nur atmosphärisch erzählt oder in einem Instrumental dargestellt wird. Das ist toll. Aber genauso habe ich das Gefühl, dass man das Album vielleicht mal für ein halbes Jahr weglegen und dann nochmal hätte überarbeiten sollen. Denn vieles bleibt Stückwerk, wirkt überambitioniert. So stehen sie sich selbst im Weg.

Und somit versinkt „Requiembryo“ in Regionen, die nicht nötig gewesen wären, denn das Potential ist doch vorhanden. Es gibt viele gute Songs, aber eben auch Leerlauf. Wer ein sperriges, interessantes Album in deutscher Sprache sucht, kann zugreifen, ASP-Fans greifen eh zu und alle Ersthörer greifen zu „Horror Vacui“.

Bewertung
6,5/10
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Letzte Aktualisierung ( 07.01.2009 )
 
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