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Es steht wohl außer Frage, dass die endgültige Mehrheit der Menschen das Thema Gothic unter anderem mit Gedanken zur oberflächlichen Beziehung von Gott und Teufel verbindet, dass dies in der Regel nicht den Tatsachen entspricht und dass manche Bands solche Vorurteile trotzdem noch unterstützen, muss ebenfalls nicht ausdiskutiert werden. Das vorliegende Album der DarkWave-/Industrial-Formation Das Ich, die den Underground entscheidend geprägt haben, ist so ein Fall, denn nachdem das Debut-Album Die Propheten bereits textlich religiös geprägt war, glücklicherweise, ohne sich in eindeutig satanischen Parolen zu verlieren, wagt man hiermit den Versuch, erneut etwas Vergleichbares hinzulegen. Antichrist ist außerdem das Album, das den Wechsel in Richtung Mainstream markiert.
Der Wechsel zur Massentauglichkeit führt zwar nicht zwangsläufig einen erheblichen Qualitätsverlust mit sich, aber es geht in vielen Fällen schon etwas an Tiefe verloren, davor ist auch Das Ich nicht gefeit. Diese CD ist allerdings das Paradebeispiel dafür, wie man verkehrt auf die andere Seite wechselt: die Musik wirkt zu großen Teilen nur noch seelenlos. Lieder wie Sodom und Gomorrha oder Der achte Tag gähnen nur so vor musikalischer Leere, die Pop-Strukturen, die die Songs hier angenommen haben, sind langweilig und kein Vergleich zu früheren Glanztaten. Kann sein, dass das Liedgut eingängiger werden sollte, leider hat man eher das Gegenteil bewirkt. Einzig Garten Eden, das eine äußerst schöne Melodie besitzt und auch tatsächlich gewissermaßen ins Ohr geht, und der extrem poppige Refrain von Dunkles Land (und diesmal in einem positiven Kontext poppig), der von der eigentlich ausschließlich musikschaffenden Hälfte Bruno Kramm gesungen wird, lassen sich bedenkenlos hervorheben. Auch sonst hat sich einiges verändert, gerade beim Gesang. Man kann nicht sagen, dass Stefan Ackermann in dem Sinne das Singen erlernt hat, aber auch hier fehlt wieder etwas, nämlich die vormals so markante, hässliche Stimme, die hervorragend zur Musik passte. Nun gut, passen tut sie bedauerlicherweise auch hier. Das größte Verbrechen von allen sind aber die Texte, Zeilen wie ''Ich werde sterben, ich werde tot sein // ich werde Rache in Himmel und in Hölle sein'' (Keimzeit) sagen da eigentlich schon alles. Die Intention hinter den Lyrics war früher schon kaum wunderlich, aber wenigstens hat Ackermann es beherrscht, alles gekonnt zu umschreiben; hier kann man Gottes Tod von genanntem Debut als Beispiel heranziehen. Der alleinige Höhepunkt in dieser Hinsicht heißt Vater, dessen Text nicht so inhaltsleer wie der Rest daherkommt. Man kann der Band außerdem zu Gute halten, dass man ihnen noch immer anmerkt, dass sie sich auch jetzt noch auf einem Indie-, dazu noch Kramms eigenem Label befinden, andernfalls wäre wirklich jeder Ansatz von Geist stiften gegangen. Trotzdem: angesichts dieser CD ist es verständlich, wenn manche Leute die alten Zeiten zurückfordern.
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