Home arrow Musik arrow Devil Doll - The Sacrilege of fatal Arms 19 Mai 2012  
Kingdom of Desire
HomeForumImpressum
Spiele
Bücher
Filme
Hardware
Musik
Konzerte
Artikel
Wrestling
 
Devil Doll - The Sacrilege of fatal Arms PDF Drucken
Geschrieben von triple   
06.07.2007

Image 

Auf die Frage, welches Jahrzehnt das musikalisch bisher schwächste war, dürften sich die meisten wohl für die 1990er-Jahre entscheiden, damals, als lauter Eintagsfliegen, denen heute vermutlich niemand mehr eine Träne nachweint, die Diskotheken mit belanglosem Eingängigkeits-Geplärre bewaffnet unsicher machten. Dass es selbst damals nicht nur Lieder dieser Größenordnung gab, zeigt vor allem eine Band wie Devil Doll, welche die Einordnung in Jahrzehnte durch ihren ziemlich einzigartigen Stil komplett überflüssig macht. Wie einer einzelnen Gruppe so etwas gelingen kann, wird am eindrucksvollsten von The Sacrilege of Fatal Arms, einer überarbeiteten und neu strukturierten Version des 92er-Albums Sacrilegium, bewiesen.

Im Prinzip macht der Langspieler nichts anders als die meisten anderen Alben der Sekte: rockige Sektionen, Symphonisches bis Bombastisches, beschwingte Momente (im Sinne von z.Bsp. Polka) und düstere Klavierstücke wechseln sich gegenseitig ab, während Mr. Doctors gewiss polarisierender, wahnsinniger, aber äußerst facettenreicher Sprechgesang das formt, was ich auch hier Experimental Prog nennen würde. Auch sind selbstverständlich einige Parallelen zu Sacrilegium vorhanden, auch der Text ist derselbe, die ungefähr 25 Minuten Extra-Material im Vergleich zum Quasi-Vorgänger kommen aber nicht von ungefähr. Auf TSOFA hat man alles noch besser umgesetzt, als es bisher der Fall war (womit ich keineswegs die beiden bzw. drei vorigen Alben denunzieren will). Man sollte sich nicht von der Bezeichnung ''Original soundtrack album'' irritieren lassen, die CD scheint rein musikalisch vom gleichnamigen privaten Film des Meisters völlig unabhängig zu sein, auch wenn es mit dem Erkennen der Bedeutung der an sich schönen Symbolsprache hapert; obwohl doch so viel bekannt ist, dass es sich hierbei wie üblich um ein Konzeptalbum handelt, genauer, um einen kürzlich Verstorbenen, der auf sein krankes Leben zurückblickt. Der einzige Unterschied zu den anderen CDs ist wohl, dass diese hier weniger Rock und Metal enthält als üblich, weshalb ein verbohrter Metaller, der die Qualität eines Albums an Hand der Riffs und der Härte definiert, keine Freude hieran haben wird. Jeder, der offen genug für Neues ist, wird allerdings mit einem Album belohnt, das selbst die horrenden Preise auf eBay für die ausverkauften LP-Versionen wert wäre. Durch die unmenschliche Länge von 79 Minuten mag das Ganze zwar schwer zugänglich und langwierig erscheinen, und gewiss ist nicht jedem die Fähigkeit gegeben, über so lange Zeit einem einzigen Lied aufmerksam zuzuhören, aber wenn man erst einmal einen Weg in das allgemeine Schaffen von Devil Doll gefunden, ist es ein Leichtes, den ganzen Song, wenn nicht sogar die komplette Diskografie, in einem Rutsch durchzuhören. Zumal auch hier durch eine Pause etwas wegfällt, in diesem Fall sogar durch zwei Pausen von je rund zwei und ca. fünf Minuten, in denen gar nichts geschieht, unterbrochen von einem Outro, wodurch im Endeffekt aber immer noch gut 72 Minuten Musik zurückbleiben.

Ohne weitere Umwege kann ich TSOFA bedenkenlos zu einem der besten Alben überhaupt krönen, das niemals ausgeleiert klingen wird und generell zeitlos ist. Ausnahmlos jeder, der wissen will, wie Kunst in der Musik wirklich klingt (und einen Begriff wie Kunst werfe ich garantiert nicht sinnlos in den Raum), kommt um dieses Release nicht herum.

Bewertung
10/10
Im Forum kommentieren
Letzte Aktualisierung ( 30.12.2007 )
 
< Zurück   Weiter >
Top of Page