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Hatte man die Jahre zuvor mit Thick as a Brick und A Passion Play zwei Alben veröffentlicht, die jeweils nur einen Song beinhalteten, brachte man 1974 mit Warchild wieder ein Album mit mehreren Songs heraus. Mit den zuvor genannten Alben, aber auch schon davor mit Aqualung, haben Jethro Tull ihren Sound leicht geändert und gingen vom bluesigen Folk Rock mehr Richtung Prog-Rock bzw. Art Rock. Ursprünglich sollte Warchild ein Film werden, eine schwarze Komödie (Was anderes erwartet man bei Briten ja eh nicht) über eine Frau im Leben nach ihrem Tod. Allerdings scheiterte das am Geld und so machte man eben ein normales Album, für das man auch noch Songs aus dem Archiv zog. So ist Two Fingers im Prinzip nur ein Remake von Lick your fingers clean, ein wenig umarrangiert, aber das Original erkennt man noch. "Only Solitaire", "Bungle In the Jungle" und "Skating Away On The Thin Ice Of A New Day" stammen aus den Writingsessions zum Nachfolger von Thick as a Brick.
Warchild dürfte auch das abwechslungsreichste Album der Band sein, was auch an der Instrumentierung liegt: Saxophon, Glockenspiel und Akkordeon hat man zuvor bei Jethro Tull nicht gehört und wahrscheinlich haben sie sich gedacht, wenn dann machen wir das Studio gleich voll und haben so noch ein Orchester reingestellt. Aber am prägnantesten sind natürlich nach wie vor Andersons Flöte und die Barre mit seiner Gitarre. Beim Opener Warchild geht es zurück in den Krieg mit Luftsirenen und Kriegsgeräuschen. Hierbei empfiehlt es sich, entweder laut aufzudrehen oder mal den Kopfhörer zu benutzen, denn sowohl bei dem Song, als auch bei einigen anderen gibt es im Intro Gesprächsfetzen zu hören, die aber eben recht leise sind. Warchild an sich ist ein klasse Song, trotz einer recht merkwürdigen Melodieführung, die alles etwas schräg macht. Weitere Highlights sind Queen and Country, bei dem das Orchester sehr gut zur Geltung kommt, Sealion, Two Fingers und natürlich Skating Away, was eh einer der beliebtesten und bekanntesten Songs der Band ist. Bungle in the Jungle war damals ein großer Singleerfolg, vor allem in den USA und im Gegensatz zu den meisten Kritikern gefällt mir der Song sehr gut. Absolut nervtötend dagegen ist der Track Ladies. Warchild gibt es mittlerweile als Remaster und neben einem Booklet, wo Ian Anderson mal wieder einiges erzählt, hat man auch gleich noch 7 Bonustracks hinzugefügt. Die meisten dieser Songs sind sogar wirklich klasse, vor allem Rainbow Blues, Glory Days und Paradise Steakhouse. Insgesamt ist das Album auf jeden Fall deutlich besser als sein recht schlechter Ruf.
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