|
1978 starteten Kiss das Experiment Soloalbum, das man mit einem Filmtitel kommentieren kann: The Good (Ace Frehley, Paul Stanley), the Bad (Gene Simmons) and the Ugly (Peter Criss). Im darauffolgenden Jahr ging man dann wieder zu viert ins Studio um ein Album zu machen. Das man sich für dieses ausgerechnet den Produzenten vom miesen Peter Criss Album holte, ist mehr oder weniger unbegreiflich. Unbegreiflich ist auch Dynasty. Kiss machen Disco. Die Band, die zuvor noch Eltern und konservative Menschen aufschreckte und mit hartem Rock durch die ausverkauften Arenen rockten, ändern mal eben ihren Stil. Produzent Vini Poncia war daran maßgeblich beteiligt und brachte auch noch eine weitere Änderung: Peter Criss durfte während den Aufnahmen mehr oder weniger gar nichts machen, da Poncia ihn für zu schlecht hielt. Als Ersatz kam Anton Fig, der in den letzten knapp 25 Jahren als Trommler der Hausband von David Letterman sein Geld verdient. Peter Criss ist lediglich an einem Song beteiligt: Dirty Livin, wo er nicht nur trommelt, sondern auch singt. Nebenbei gesagt finde ich das Cover recht witzig, Gene Simmons hat man wohl fotografiert als er gerade das Album zum ersten Mal hörte. Sein schockierter Blick sagt fast alles über Dynasty. Neun Songs mit einer Spielzeit von 38 Minuten umfasst das Album. I was made for Loving you kennt wohl jeder und dürfte wohl damals alle Kiss Fans gut schockiert haben. Danach werden die Rolling Stones gecovert, Ace Frehley rockt sich durch 2000 Man und macht einen besseren Job als Mick Jagger anno 1967. Danach geht’s wieder zurück zum Kissco Sound, wie Fans das gerne nennen: Sure knows something. Sieht man über den Discobeat hinweg, muss man sagen dass es ein genialer Song ist, was vor allem in der Version auf dem MTV Unplugged Album deutlich wird. Danach geht’s gut bergab. Peter Criss hat Dirty Livin‘ einen Track den man problemlos als B-Seite bezeichnen kann. Genauso ein Filler ist Charisma, gesungen von Gene Simmons. Auch das andere Lied, das Simmons singt X-Ray Eyes ist nicht so gut, was aber mehr an der Produktion liegt. Eddie Kramer hätte sicher was besseres daraus gemacht. Bleiben noch drei Songs: Das gute Magic Touch von Paul Stanley und Ace Frehley darf noch zweimal singen: Hard Times und Save your Love. Kennt man Liveversionen der beiden Nummern, weiß man, dass es tolle Songs sind. Hier leiden sie aber ebenfalls unter der schlechten Produktion, zwar sind sie nicht im Discosound aber rocken einfach nicht richtig. Das Dynasty das schlechteste Kiss Album der 70er ist, ist klar und das eigentlich nur wegen der Produktion. Jedes Kiss Album hat Filler, aber dafür eben auch immer 3-4 richtig tolle Songs. Die gibt es hier auch mit Sure know something, Hard Times, Save your Love und 2000 Man sowie noch Magic Touch. Der vor alle, aus heutiger Sicht völlig angestaubte Sound der zwischen Disco und AOR hängt, sorgt aber dafür, das wohl nur absolute Die-Hard Kiss Fans das Album gut finden, alle anderen können es überspringen und sich die guten Songs im Livegewand zu Gemüte führen.
Im Forum kommentieren |