|
Kiss verbrachten die ganzen 80er praktisch auf der Suche nach dem Erfolg. Man versuchte es mit einem Konzeptalbum, mit Heavy Metal, Glam Metal und allem was dazwischen lag, auch Balladen brachten nicht die großen Erfolge zurück und auch nicht die große Demaskierung. Auch die 90er begannen nicht so, wie sich Kiss das wohl erhofft hatten. Schlagzeuger Eric Carr starb (am gleichen Tag wie Freddie Mercury, die Musikwelt hat es damals wirklich hart getroffen) an einem Herztumor. Ein neuer Schlagzeuger war aber schnell gefunden in Form von Eric Singer. So ging man wieder mal ins Studio und das mit einem alten Bekannten als Produzenten: Bob Ezrin, der in den 80ern ebenfalls etwas von der Strecke fiel. Revenge erschien dann im Jahr 1992 und wurde tatsächlich zum Erfolg. Anteil daran hat wohl God gave Rock n‘ Roll to You, ein Cover der Band Argent, das im Film Bill & Teds Bogus Journey Verwendung fand. Der Film war scheiße, aber ein Erfolg und so waren auch Kiss wieder im Gespräch. Zum Glück gibt diese doch eher ruhige Rocknummer nicht die Marschbildung vom Album vor. Denn auf dem wird so hart gerockt, wie man es von Kiss seit Creatures of the Night nicht mehr gewohnt war. Das wird schon beim ersten Song Unholy klar und auch die nachfolgenden beiden Titel Take it Off und Tough Love rocken sehr gut. Danach wird’s dann aber so richtig trashig. Spit klingt im Chorus so ein wenig nach Led Zeppelins Whole lotta Love und bietet Spinal Tap Lyrics. Wirklich gut ist das Lied auch nicht, würde er sich nicht den Gesang mit Paul Stanley teilen, könnte man vom typischen Gene Simmons Pflichtfiller reden. Die Songs die danach folgen, sind zum Glück wieder mehr als gelungen, allesamt sehr gute Hard Rock/Heavy Metal Songs die Spaß machen. Vor allem Paralysed und Thou shalt Not zählen mit zum Besten, was Kiss jemals eingespielt haben. I just Wanna ist dann wieder etwas schwächer, der Chorus reißt nicht wirklich mit und auch das Gitarrensolo ist zu kurz und unspannend. Zum Abschluss gibt es noch einen kleinen Tribut an den verstorbenen Eric Carr. Der Carr Jam 1981 ist ein Schlagzeugsolo mit einem Gitarrensolo am Anfang. Ursprünglich war dieses Gitarrenspiel von Ace Frehley (und diente als Basis für Breakout vom Frehley’s Comet Album) aber da dieser und Simmons/Stanley zu der Zeit verkracht waren, wurde das überspielt mit Bruce Kulick der in die Saiten greift. Zwischen 1992 und 1994 fanden Kiss zu alter neuer Stärke zurück. Im gleichen Zeitraum erschien das sehr gute MTV Unplugged Album und Revenge ist das beste Album von Kiss seit Creatures of the Night gewesen. Man kann sich nur fragen, was passiert wäre, wenn die Band diesen Sound weiterverfolgt hätte, anstatt sich in die düsteren Abgründe des Grunge zu begeben und später die Reunion zu starten. Sei es darum. Revenge steht unter den besten Kiss Scheiben ganz weit vorne und ist empfehlenswert für jeden, der Hard Rock/Heavy Metal mag.
Im Forum kommentieren |