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Nach Rosenrot und dem Livealbum Völkerball war es ruhig geworden um Rammstein. Gerüchte um eine Auflösung machten sich breit und wurden dementiert, bis 2009 die Single Pussy erschien. Der erste Skandal und Aufreger, der zweite folgte dann mit der Indizierung des Songs Ich tu dir weh. Doch ist Liebe wirklich für alle da? Ich sag es mal vorweg: Ich mag Rammstein, empfinde das Ganze als gekonnte Satire mit ironischen Texten. Als großes, unterhaltsames Schauspiel und nebenbei gibt es auch noch Musik die sich ziemlich gut verkauft. Am besten gefallen mir jedoch die epischeren Songs wie Seemann, Alter Mann oder Spieluhr. Was also erwartet uns hier? Das Album beginnt mit dem Rammlied. Das Warten hat ein Ende, leiht euer Ohr einer Legende – so heißt es hier und der Song macht zu Beginn viel Spaß. Erinnert natürlich an Rammstein vom ersten Album Herzeleid und soll wohl deutlich machen: Back to the Roots. Oder ist es am Ende nur die beginnende Einfallslosigkeit? Denn das Lied ist mir zu lang, aber geht als Opener in Ordnung. Es folgt das inzwischen indizierte Stück Ich tu dir weh. Eigentlich halte ich wenig von Zensur, aber dass dieser lahme Mist vom Album verschwindet kann nur ein Vorteil sein. Waidmanns Heil geht grade nach vorne weg, typischer Rammsteintext (auf dem Lande, auf dem Meer lauert das Verderben, die Kreatur muss sterben), das gefällt mir ebenso gut wie das von Brecht entliehene Haifisch. Letzteres erinnert in den Strophen natürlich aber schon an Los vom Reise,Reise-Album. Aber dann... B***** … nur wenn man einen Song nach einem Phantasiewort benennt heißt das noch lange nicht, dass ein phantasievolles gutes Lied dabei rumkommt. Hier ist der Beweis. Mit Frühling in Paris, der ersten Ballade des Albums im Stile von Don't die before I do beweist Lindemann, dass er nicht französisch singen sollte. Ansonsten gar nicht schlecht, aber damit versaut er's. Auf die billigst provozierenden Wiener Blut (langweilig) und Pussy mag ich gar nicht eingehen, auch wenn Pussy zumindest eine starke Grundmelodie hat. Aber Lindemann sollte das mit Fremdsprachen lassen, textlich ganz okay, aber natürlich ein Selbstzitat von Amerika. Wenn schon sollte man sich hier eher den Remix von Scooter geben, der leider nicht auf dem Album ist. HP Baxter schreit Pussy Pussy Pussy statt Hyper Hyper. Das ist wenigstens witzig. Das Titelstück lässt sich auf wer ficken will muss freundlich sein reduzieren, echt originell. Mit Mehr folgt zumindest kein Ausfall, aber auch kein Song den man braucht. Der beste Song des Albums folgt zuletzt-das aufgeladene Roter Sand um ein Pistolenduell. Davon hätte ich gern mehr gehabt. Insgesamt ist Liebe ist für alle da für mich ein durchschnittliches Rammsteinalbum, das vor allem durch Einfallslosigkeit, Provokation und Selbstzitate glänzt. Das zugegebenermaßen teilweise aber sehr gekonnt, auch wenn man das Niveau alter Klassiker nur selten erreicht. Ein Song, der sich warum auch immer nur auf der Bonus-CD findet, ist für mich der beste des Albums: Donaukinder bringt ein atmosphärisch aufgeladenes Szenario, einen epischen Text, sogar ein gelungenes Gitarrensolo und zeigen Rammstein von der Seite, wie ich sie am liebsten mag. Auch generell versöhnt mich die Bonus-CD wieder etwas, auch wenn zwei der fünf Songs andere Versionen von Roter Sand sind. Aber Halt und Führe mich offenbaren zumindest solide Rammsteinqualitäten, die das eigentliche Album zu oft vermissen lässt. Insgesamt gibt es aber einfach zu viele Skipkandidaten. Mit Bonus-CD kann man getrost noch einen Punkt draufrechnen.
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