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Nebenprojekte gibt es wie Sand am Meer. Wie sich ein Black Metaller zu dem Thema verhalten soll, wird augenzwinkernderweise mit Regel 46 der 101 BM-Regeln erklärt, in der progressiven Musik gibt es auch eine gewisse Anzahl Allstarprojekte, genau wie in vielen anderen Genres wohl ebenso. Im Neofolk übrigens nicht nur auch, sondern ganz besonders. Hier wird kreuz und quer mit anderen Musikern aus ähnlichem Umfeld zusammengearbeitet, von Großbritannien über die USA bis zum europäischen Festland besteht ein riesiges Netzwerk von Bands und Projekten, deren Mitglieder sich mit gepflegter Regelmäßigkeit, statt Material für eigene Alben zu schreiben, auf unzähligen Samplern die Ehre geben und Splitalben-/singles und Vergleichbares bis zum Erbrechen rausbringen. Letztere können mal besser, mal schlechter ausfallen. The Aryan Aquarians – Meet Their Waterloo, später als Current 93 Presents: Alas! The Aryan Aquarians Meet Their Waterloo wieder veröffentlicht, ist so ein Album, auf das Letzteres zutrifft. The Aryan Aquarians waren eine Zusammenarbeit zwischen James Foster von The Monochrome Set, Niki Mono, ihrem Bruder Peter 77, dem isländischen Filmkomponisten und Musiker Hilmar Örn Hilmarsson (HÖH) und David Tibet, der hauptsächlich für seine Arbeit als Fronter der britischen Neofolker/Experimentalmusiker Current 93 bekannt ist. Aufgenommen haben sie zu Glück bloß ein Album, das ist auch mehr als genug. Weshalb... dann will ich mal erklären, weshalb.
The Aryan Aquarians war ursprünglich als eine 60er Jahre-Rockband, die niemals existierte, gedacht. Da muss man sich erst mal fragen, auf welche Aspekte sich diese Parodie denn bezieht: auf die Musik; auf den Lebensstil, der sich abseits der Musik aus den ersten beiden Komponenten des wenig zukunftsträchtigen Lebensmottos “Sex, drugs and rock'n'roll” zusammensetzt; Kleidung, Haare und dergleichen; oder gar auf etwas ganz Anderes? Nun, in diesem Fall will ich dem Projekt einfach mal unterstellen, dass es sich mehr der bewusstseinsverändernden Seite des Rockerlebens angenommen hat als allen anderen Dingen. Die Musik zumindest ist nämlich gänzlich auf der Strecke geblieben, was man aber nicht bloß genanntem Umstand in die Schuhe schieben sollte, sondern auch der Tatsache, dass keiner auch nur den blassesten Schimmer davon hatte, was er denn nun im Studio zu suchen hatte. Die Musik ist somit recht improvisiert und wo es Musiker gibt, die auf diese Art mehr als nur passable Töne hervorbringen können, da haben die Aryan Aquarians eigentlich bloß den Begriff “Improvisation” vergewaltigt.
Das Equipment war auch ziemlich bescheiden: die Gitarren sind nervtötend, das Keyboard bzw. dessen Verwendung gehört nicht mal mit einem Kommentar gewürdigt, und das Schlagzeug hört sich nach Plastik an – und das meine ich diesmal nicht positiv; aber okay, ein Drumstick und ein Kleiderhaken als Schlegel lassen auch nicht übermäßig viel zu. Was aber nicht die Tatsache (oder zumindest meine Meinung) entschuldigt, dass die Aryan Aquarians oder zumindest die mir Bekannten ihr Talent in den Sand gesetzt haben. Zumindest David Tibet hat mit seiner Hauptband sonst so viele Klassiker rausgebracht und den Neofolk unleugbar mitdefiniert, da ist das, was er hier reißt, eher peinlich, wenn ich das mal sagen darf. Auch hier ein “Aber okay”, immerhin hat er keinen allzu großen Part übernommen: zwei Lieder durfte er mit einsingen und in einem weiteren vor sich hinmurmeln, ansonsten lag er bloß unterm Mischpult und hat sich betrunken, während seine Kumpanen den Rest der Arbeit übernahmen.
Zum Glück besteht Meet Their Waterloo bloß aus sechs Stücken mit einer Gesamtlaufzeit von ungefähr 32 Minuten, so ist das Ganze auch noch recht schnell überstanden. Anfangen tut das Album jedenfalls mit Cry Cry Cry, das übrigens nicht allzu viel mit dem gleichnamigen Song von Johnny Cash zu tun hat; während ich beim einleitenden wilden Durcheinanderschreien aller Mitglieder anfangs noch ob der Unkoordiniertheit schmunzeln musste, habe ich mittlerweile schon, wenn ich das höre, keine Lust mehr auf die restlichen rund sechseinhalb Minuten. Das folgende, recht entspannte My Secret Gardener, das von Nikki Mono gesungen wird, gefällt mir hingegen sogar ganz gut – na ja, zumindest zwischen 0:27 und 0:52. Eigentlich könnte ich meine Beschreibungen fortsetzen und auf das billige “Organ Hit!”-Keyboard im Instrumental Bugs Bunny at Waterloo eingehen oder Dangerous, den Rocksong für Arme, näher erklären, aber ich belasse es einfach mal dabei.
Desperado, Instrumentalstück numero duo, bietet gitarrenmäßig sogar einige nette Ansätze und ist auch meines Erachtens das einzige recht hörbare Lied auf diesem Album. Ansonsten bin ich aber nicht bereit, auch nur ein weiteres gutes Haar an diesem Machwerk zu lassen, aber ich schätze mal, damit trete ich niemandem auf den Schlips; die Herren Tibet und HÖH sind ja immerhin selbst davon überzeugt, hiermit völligen Mist fabriziert zu haben, wie man ihren Schilderungen aus dem Booklet entnehmen kann (gewinnen dem Album als gute Seite aber immerhin die spätere Kollaboration Island, diesmal bloß zwischen den beiden, ab). Und da möchte ich mich ihnen bloß anschließen. Im Normalfall verschwende ich meine Zeit nur ungerne mit schlechter Musik, hier haben mich aber Davids Betrachtungen neugierig gemacht. Kann sein, dass dieser Ausspruch als geschickter Werbeschachzug unter dem Deckmantel der umgekehrten Psychologie angesehen wird, aber: kauft euch dieses Album bloß nicht. Wenn ihr euer Geld unbedingt ausgeben wollt, kauft euch davon lieber vernünftige Musik. Das wäre mein Vorschlag, es ist aber nicht an mir, ihn zu beherzigen. Ich kann's aber bloß empfehlen, nicht dem selben Denken wie ich zu verfallen: “Das will ich mir mal selbst anhören”. Man kann seine Zeit auch besser nutzen.
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