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Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben lautet ein Spruch und wohl keine andere Band wird diesen so sehr hassen wie WildSide. Ende der 80er waren sie eine der populärsten Bands auf dem Sunset Strip, spielten in unzähligen Clubs und schon bald wurden die Musiklabel aufmerksam. Capitol und Polygram lieferten sich ab 1990 einen Wettstreit um die Band, die ursprünglich unter dem Namen Young Gunns auftrat. Capitol gewann den Kampf und nahm die Band für einen Rekordvertrag auf. 1991 machte sich die Band an ihr Debütalbum und da sie viel Geld von Capitol bekamen, wurde es nur mit teuerstem Personal produziert. Aufgenommen in Eddie Van Halens Studio und dem A&E Studio, produziert von Andy Johns der auch viele andere bekannte Bands wie Free, Autograph oder Cinderella produzierte und einem Engineerteam das auch etwa an Appetite for Destruction arbeitete. Das Problem war eben, das WildSide die Zeit davonlief. Anfang der 90er veränderte sich die Musikwelt dramatisch und den Schaden den die kurzlebige Grunge Welle hinterlassen hat, lies sich nie mehr reparieren. Als Under the Influence Mitte 1992 veröffentlicht wurde, waren alle MTV-Jünglinge schon auf den Nirvanazug aufgesprungen und WildSide geriet schon nach kurzer Zeit in Vergessenheit. 1995 kam noch ein zweites Album raus, absolut im Grungestil weil es Capitol so wollte, aber das war ein absoluter Flop und die Band löste sich wieder auf. Under the Influence wird auch seit Jahren nicht mehr produziert, so dass man es praktisch nur noch gebraucht kaufen kann. Eigentlich eine Schande, vor allem wenn man sich ansieht, was man für musikalischen Müll problemlos kaufen kann. Elf Tracks befinden sich auf der CD, wobei es eigentlich nur 10 Songs sind, denn Drunkin‘ Man’s Blues mit seinen 46 Sekunden kann man kaum als solchen bezeichnen und irgendwie erinnert es ein bisschen an das Intro von Cinderellas Long Cold Winter Album. Ingesamt kommt man trotzdem noch auf über 47 Minuten Spielzeit. Gestartet werden die direkt mit einem tollen Song namens Hang on Lucy und das Glam Metal wie man es kennt, zwei Gitarren kreischen sich schräg, es geht natürlich nur um Sex und der Chorus ist richtig genial. Sänger Drew Hannah klingt so ein bisschen nach Axl Rose, hat aber noch genug Persönlichkeit um nicht völlig als Kopie zu gelten. Wir rocken weiter mit So Far Away und Monkey see, Monkey do, auch das sind einfach so typisch tolle Glam Songs mit monströsem Chorus, bei dem man sofort mitsingen kann. Was natürlich nie fehlen darf, ist die Quotenballade, hier in Form von Just another Night. Im Prinzip klingen WildSide nicht so viel anders, wie alle anderen Glam Bands, sie folgen auch brav dem Schema, ohne die großen Überraschungen zu bringen, aber sie machen das einfach verdammt gut und haben hier ein tolles Album zusammengestellt. Lad in Sin, Hair of the Dog und Heart-N-Soul sind weitere sehr geniale Rocksongs, lediglich Kiss this Love Goodbye hat mir nicht so gut gefallen, da es eine weitere Ballade ist und die klingt wirklich wie schon zehnmal gehört. Dafür gibt’s zum Abschluss noch Clock Strikes, das wieder einen tollen Chorus bieten kann. Bei dem Song hat auch Paul Stanley von Kiss mitgeschrieben. Produktionstechnisch klingt das Album natürlich großartig, aber bei dem Team das hier gearbeitet hat, ist das nicht weiter verwunderlich. Jeder, der was mit dem Hollywoodsound und Glam Metal anfangen kann, muss dieses Album besitzen, denn Under the Influence ist eines der besten aus diesem Genre (auch wenn es keine großen Überraschungen bietet) und darum ist es umso bedauerlicher, das man nur noch recht schwer an dieses herankommt. Genauso wie es bedauerlich ist, das WildSide nie die Karriere hatten, die sie eigentlich verdienten.
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