Home arrow Spiele arrow PC arrow Anstoss 3 22 Februar 2012  
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Anstoss 3 PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
19.12.2010

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Seinerzeit musste man lange Zeit warten, bis man den dritten Teil der Anstoss Reihe kaufen konnte. Anstoss 2 kam im September 1997 auf den Markt, der Nachfolger im Februar 2000, noch länger musste man warten, bis er wirklich spielbar war. Ähnlich wie Software 2000 beim BM97 hat sich auch Ascaron etwas überschätzt und ein kleines Bugdesaster veranstaltet. Nach einigen Monaten war es aber dann doch gut spielbar.

An Spielstartoptionen ist alles dabei, was man sich wünscht. Bis zu vier menschliche Spieler können an einem PC oder über Netzwerk spielen (Mit richtig schnellen DSL Leitungen und Programmen wie  Hamachi sollte das sogar über das Internet mittlerweile gehen). Man kann wählen ob man eine realistische Trainerkarriere in den Niederungen startet, genauso kann man sich aber direkt seinen Lieblingsverein aussuchen. Man kann auch eine Nationalmannschaft übernehmen. Desweiteren ist man natürlich nicht auf Deutschland beschränkt, sondern es gibt noch eine Handvoll weiterer Länder wie England, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Schweiz, Schottland oder Österreich. Die Länderauswahl kann natürlich nicht mit aktuellen Fußballmanagern mithalten, ist aber besser als das, was man bei anderen Managern dieser Zeit geboten bekam wo man meist auf Deutschland beschränkt war. Man kann auch wählen ob man rein als Trainer arbeitet oder eine Spielerkarriere versucht und dann legt man noch den Schwierigkeitsgrad fest.

Startet man das Spiel fällt wohl als erstes der Grafikstil auf. War Anstoss 2 in der Farbgebung noch sehr dunkel, comichaft und überall einem sprang Pallino das Maskottchen entgegen, wollte man nun wohl etwas moderner aber auch erwachsener wirken. Weiß ist die beherrschende Farbe, Grün tritt an zweite Stelle, fast so als wären die Macher große Fans von Werder Bremen. Damit wären wir auch schon beim ersten Stichpunkt: Ganz getreu der Serie gibt es auch bei diesem Teil keine originalen Daten. Aber die Fans haben da mit Patches ausgesorgt und halten dem Spiel sogar bis heute die Treue. Für mein Review habe ich das Spiel mal wieder installiert, mir aber sehr alte Saisondaten von damals, 2000/2001 ausgesucht. Wenn schon „Old School“, dann richtig. Das positive an der fehlenden Lizenz ist, das man sich weder den Vorgaben von DFB oder FIFA unterwerfen muss. Wo EAs Fussball Manager staubtrocken und bierernst daher kommt, ist Anstoss schon immer recht unterhaltsam und mitunter lustig gewesen. So kann es passieren, das ein Spieler dem anderen die Frau ausspannt, im Lotto gewinnt oder plötzlich Filmstar wird und keinen Bock mehr auf Fußball hat. Mitunter zeigen sich die Millionäre auch etwas zickig, etwa dann, wenn zwei befreundete Spieler im Trainingslager nicht ein Zimmer teilen dürfen. Sie haben auch alle ihre eigenen charakterlichen Vor- und Nachteile, vom Phlegmatiker bis zur Heulsuse ist alles geboten. Ob der Spieler nun drogenabhängig wird oder von kreischenden Teenies umzingelt, ob er der absolut unfaire Treter ist oder beim kleinsten Zusammenstoß direkt 10 Wochen verletzt ausfällt, hat jeder Kicker seine Eigenheiten und eine Persönlichkeit.
Genauso erlebt, man auch die Schattenseiten des Profisports. Wie wäre es, wenn wir eine schwarze Kasse anlegen? Dann können wir Schiedsrichter oder Mannschaften bestechen oder Anschläge auf unsere menschlichen Mitspieler ausführen. Was ist, wenn wir müde Kicker im Kader haben? Ab zum Doping und schon rasen sie wieder über das Feld. Es ist schön, dass diese Dinge möglich sind. Oft genug kam es vor, dass ich richtig lachen musste. Etwa als die Meldung kam, das die Frau eines Spielers beim Banküberfall (Er bekam 6 Millionen Gehalt!) erwischt wurde oder das die Fans im Stadion eine Demonstration wegen der „Scheiß Stadionwurst“ starteten und das Spiel kurzzeitig unterbrochen werden musste.

Vor der Saison legt man noch die Kalkulation fest. Ticketpreise werden festgelegt, Sponsoren gefunden und alle Ausgaben für Co-Trainer, medizinische Abteilung, Jugendabteilung oder für die Spielerbetreuung werden eingegeben. Auch die Fanartikel können sehr genau festgelegt werden, es gibt unzählige Artikel, neben dem üblichen Kram wie Trikots, Schals und Mützen auch anderen Plunder wie Adventskalender, Mousepads oder Baldriantropfen wenn die Saison sehr mies verläuft und die Fans vorm Herzinfarkt stehen.
Noch schnell den Kapitän der Mannschaft gewählt oder wählen lassen und man findet sich in der Vorbereitung. Die Standardeinstellung zeigt das Menü sehr übersichtlich: Durch die Buttonleiste am unteren Bildschirmrand hat man Zugriff auf alle Abteilungen. Alternativ kann man sich auch Menüs mit beschrifteten Buttons anzeigen oder ein Managerbüro im Stil von Anstoss 1.

Bei den Optionen muss man eigentlich aufs nichts verzichten. Persönlich hatte ich den Eindruck, dass alles vorhanden war, was man braucht und unnötiger Ballast fehlte. Wer braucht ernsthaft eine Webseite wo nur unsinnige Nachrichten drin stehen? Wer will sich schon einen virtuellen Ferrari kaufen? Macht es wirklich Sinn, wenn man festlegen muss wie viele Toiletten und Würstchenbuden am Spieltag aufgebaut sind? Ich finde nicht und deshalb ist mir Anstoss 3 im Vergleich zu den aktuellen EA Managern direkt sympathischer, da einfach flotter spielbar. Auf die wirklich wichtigen Dinge muss man nämlich nicht verzichten. Das Mannschaftstraining kann akribisch festgelegt werden, inklusive  Einzeltraining für die Spieler, so dass der Stürmer endlich lernt das Tor zu treffen.
Trainingslager gibt es, die Aufstellung kann frei festgelegt werden und bei der Taktik kann man viele kleine Details einstellen, etwa das ein gegnerischer Spieler ganz gezielt umgetreten wird oder das ein eigener Spieler geschont wird.
Eine weitere große Abteilung ist das Stadion samt Umfeld. Man darf bis zu drei Stadien besitzen und bauen, hier gibt es diverse Details von der Laufbahn zum ausfahrbaren Spielfeld und Wärmestrahler damit die Fans im Winter nicht erfrieren. Beim Stadionumfeld betrieb man dagegen den Overkill, den man Jahre später wieder bei EA Fussball Manager ausgrub. Es hat schon Ähnlichkeit mit Sim City wenn man Bürogebäude, Hotels, Häuser, Discotheken und Einkaufszentren baut. Natürlich gibt es auch wichtige Gebäude wie Trainingshalle und –plätze, Jugendinternat oder ein Konditionsparcours. Während man das baut schreien die Fans nach ihren Würstchenbuden, Informationsständen, Fanshops und Gebäuden zum Ticketverkauf. Alle wollen eben zufriedengestellt werden und damit auch die Hooligans ihren Spaß haben, platziert man noch ein Bierzelt vor das Stadion.

Als nächstes regelt man den Saisonstart mit Veranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür, dem Gang zum Italiener damit sich die Spieler besser verstehen und einem Jugendtag zur Findung neuer Talente. Es geht ins Trainingslager und auch hier hört der Humor nicht auf. Es hat mehr was von Straftraining wenn man seine Kicker nach Sibirien schickt, dagegen fühlen sie sich am Strand von Australien pudelwohl. Wer will  kann die Mannschaft auch nach China zu Dr. Chem Do Ping schicken und wenn man viele Saisonen hinter sich hat werden sogar Besuche auf Raumstationen oder auf dem Mond bzw. Mars möglich. Desweiteren sind auch Freundschaftsspiele und Turniere möglich.

Weiter Optionen umfassen den Kauf und Verkauf von Spielern, Gespräche mit dem Präsidenten, weitere Fanbetreung und ein kleiner privater Bereich. Ganz um den virtuellen Kauf von Häusern und Fahrzeugen kam man nicht, aber hier hält es sich im sinnvollen Rahmen. Richtiggehend verlieren kann man sich in den Statistiken wenn man das nötige Kleingeld für den teuersten Statistikcomputer ausgibt. Von der Tabelle über Stadionauslastung gibt es auch Statistiken zur Torchancenverwertung, wann die Tore fielen, welcher Spieler wie die Tore erzielte oder wie viele gegnerische Fans bei jedem Spiel im Stadion waren.

Irgendwann hat man sich durch die ganzen Optionen gekämpft, man hat ein paar Freikarten an die Fans verteilt oder die Auswärtsfahrt subventioniert und der Spieltag steht an. Diesen kann man sich auf unterschiedliche Art anzeigen lassen. Von der Sofortberechnung über den Textmodus zum Szenen oder kompletten Spiel in 3D ist alles dabei. Wobei die 3D Szenen einigermaßen nett aber nicht übermäßig spannend sind. Dass sie grafisch absolut furchtbar sind, versteht sich von selbst.
Wesentlich empfehlenswerter, da spaßiger ist der Textmodus. Schon beim Vorgänger war er ein Highlight, nun ist er noch etwas umfangreicher und besser ausgefallen. Wie gehabt kann man frei regeln, wie viel Text kommt, je nachdem ob man alles zur Mannschaft erfahren will oder möglichst schnell das Spiel hinter sich bringen. Jederzeit kann man Aufstellung und Taktik bestimmen, das absolute Highlight sind die verdammt witzigen Halbzeitansprachen, ob man sein Team nun überschwänglich lobt oder es geradezu dem Erdboden gleich macht, die wurden alle sehr genial vertont und bei manchen Ausrastern muss man einfach lachen.

Nach dem Spiel gibt es zufällige Dopingproben und Interviews welche die Beliebtheit und das Image des Spielers beeinflussen. Wer ständig den Reporter anmacht, wird nicht gerade beliebt in der Öffentlichkeit sein.

In der Spielphase sind mir einige Dinge negativ aufgefallen, denn mitunter ist die Spielberechnung nicht absolut logisch. Das man mal gegen einen absolut unterlegenen Gegner 3:0 verliert, lasse ich mir ja noch eingehen. In einem DFB Pokalspiel gegen einen Bundesligisten ist es mir aber passiert, das ich 2:0 gewann obwohl ich 38 Minuten ohne Torhüter spielte. Ich hatte 3x gewechselt, der Torhüter flog verletzt vom Platz und ich konnte auch keinen Feldspieler ins Tor packen. Es ist wohl etwas arg unrealistisch, das man gewinnt und nicht einmal ein Tor kassiert. Auch andere kleinere Bugs haben sich noch im Spiel gehalten. So kann es passieren, dass Spieler irre alt werden und trotzdem noch die absoluten Stars sind. Ein 55jähriger Topstürmer, der 35 Tore in der Saison macht? Sowas kann vorkommen. Auch verhaspelt sich das Spiel gerne mal bei den Zahlen. Milliardenhohe Ablösesummen oder Beträge bei denen aus einem Minus ein Plus wird, können mal vorkommen.
Man muss aber dazu sagen, dass mir bis heute kein absolut bugfreier Fußballmanager unter die Finger kam und gerade unrealistische Spielberechnungen gibt es in jedem zuhauf zu finden. Man muss damit wohl einfach leben und zum Glück kommt es bei Anstoss 3 relativ selten vor.

Dem Spiel liegt natürlich auch ein Editor bei, mit dem man sämtliche Vereine und Spieler editieren kann und von den Sponsoren bis hin zum Steuersatz selbst absolute Kleinigkeiten regeln.

Grafisch ist das Spiel wie schon erwähnt einfach altmodisch. Weder die 3D Szenen noch das Stadionumfeld noch die Menüs selbst sehen genial aus und die krümelige Auflösung von 640x480 ist sowohl im Fenstermodus ein Problem als auch im Vollbild wo es auf großen Bildschirmen irgendwie hässlich aussieht. Aber Grafik ist bei Managern eigentlich nicht wichtig.
Die Musik ist dagegen sehr gut gelungen, es gibt mehrere unterschiedliche Musikstücke die zwischen rockig und reichlich düster klingen. Die Soundeffekte, vor allem bei den Spielen sind gut gelungen und sieht man sich doch den 3D Modus an, gibt es noch Spielkommentare vom legendären Kommentator Günther Koch.

 Bleibt als Fazit das Anstoss 3 mir extrem viel Spaß gemacht hat. Schlechte Technik hin oder her, der Spielspaß ist enorm und trotz kleinerer Bugs stimmt es auch beim Realismus (Auch wenn der Football Manager da immer noch die Nase vorne hat) und ich würde sogar soweit gehen und Anstoss 3 als besten deutschen Fussball Manager bezeichnen. Da kann EA noch mehr Kaffeetassen und anderen Kram für den virtuellen Managerschreibtisch bereitstellen, die ganzen witzigen Ereignisse, die Bestechungen und anderen skandalösen Möglichkeiten sind mir wesentlich lieber und vor allem wichtiger. Von mir eine Empfehlung für jeden Fußballfan, außer eben solchen denen Grafik oder ein virtueller Ferrari wichtiger ist.

Publisher: Ascaron
Developer: Ascaron
Erscheinungsjahr: 2000
Erschienen für: PC
Anzahl Spieler: 1-4
Schwierigkeitsgrad: Wählbar

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Grafik6,5/10  Spielspass
Sound7,5/10
9,5/10
Gameplay 9/10

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