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Ein Schritt zurück kann manchmal das richtige sein, so dachten wohl auch die Entwickler bei Massive. Aquanox 1 stieß ja eher auf wenig Gegenliebe, es war zwar alles andere als ein schlechtes Spiel, aber eben der Nachfolger zu Schleichfahrt und mit diesem konnte sich das Spiel nicht messen. Also zurück zu mehr Story, mehr Tiefgang (Was in einem Unterwasserspiel ja durchaus Sinn macht) und eben alles mehr Schleichfahrt. William Drake ist der Held unserer Geschichte. Nachdem seine Großmutter starb und er auch sonst keine Verwandten mehr hatte, schippert er mit dem Familienfrachter Harvester in die große Unterwasserwelt hinaus, um Abenteuer zu erleben. Dummerweise ist Drake recht naiv und fällt sofort auf einen gefälschten Notruf rein. Als er dieser Falle entkommt, bekommtt er mit, wie sein Frachter von ein paar Piraten geentert wird. Da er keine Wahl hat, schließt er sich zwangsweise dieser merkwürdigen Gruppe an, die einen Schatz sucht… Storytechnisch ist Aquanox 2 gleichermaßen klischeehaft wie faszinierend. Faszinierend weil sie doch sehr viel Tiefgang aufweist, sehr umfangreich ist und so mehr bietet als rund 90% aller anderen Computerspiele. Aber da sind eben die Klischees. Fast alle Figuren, auf die man trifft, wirken wie Karikaturen. So erinnert mich der Anführer Amitab irgendwie sehr an den Käpt'n von Tim & Struppi, Stoney ist der typische Draufgänger mit großer Klappe und dient gleichzeitig noch als Quotenschwarzer und die bösen Piraten sind alle unfreundlich, fies und gemein. Aber eigentlich stört das gar nicht mal so sehr. Die Geschichte ist spannend und auch dank der sehr guten deutschen Sprachausgabe gewinnen die Charaktere massig Sympathiepunkte. Die Erzählweise der Geschichte ist dagegen nicht ganz so gelungen. Man klickt sich z.B. auf dem Frachter von Station zu Station und dort in einem neuen Fenster die Personen an, die gerade aktiv sind und dann erfolgt eine gerade gegen Ende endlose Konversation, die automatisch abläuft. Hier wird das Spiel dann doch etwas zu linear. Hat man das Gelaber überstanden, geht es raus ins Wasser. Anfangs hat man nur ein kleines Schiff, später kommen weitere Modelle hinzu. Zusätzlich kann man vor jeder Mission noch die Ausrüstung festlegen. Ein Schiff kann nur eine bestimmte Anzahl an Waffen mitnehmen und deshalb sollte man schon planen, was man benötigt. Wenn vor einer Mission der Hinweis kommt, dass EMP Waffen nützlich sind, sollte man so eine einstecken. Waffen, Torpedos und andere Gegenstände, wie Zielvorrichtungen oder Schutzschilde, findet man sowohl bei zerstörten Gegnern, bei gefundenen Frachtern als auch bei Händlern in den Städten, die man im Verlauf der Geschichte ansteuert. Die Missionen sind dabei praktisch immer gleich. Entweder muss man ein anderes Schiff eskortieren oder man muss einfach etwas besiegen. Kombiniert wird das Ganze meist auch noch, so muss man recht am Anfang eine Wissenschaftlerin vor Crawlern retten, sie eskortieren und dann noch mal den Weg freimachen. Teilweise artet das auch im sturen Abfahren von Navigationspunkten aus, aber die Action entschädigt dafür doch sehr. Neben den Hauptzielen, gibt es auch noch Bonusziele. So bekommt man zusätzliche Waffen, wenn man einen Hauptgegner nur zur Flucht bewegt und ihn nicht zerstört (was aber furchtbar lahm ist, die meisten Bösewichte sind so unsympathisch, dass man sie plattmachen will) oder wenn man irgendwo in den Tiefen des Ozeans versteckte Frachter findet. Für diese Bonusziele muss man meist viel Zeit aufwenden, da die Objekte recht gut versteckt sind und manchmal auch erst nach einiger Zeit ausgelöst werden. Größtenteils ist man nicht allein unterwegs, sondern in Begleitung Amitabs Crew, sowohl bei diesen, als auch bei den Gegnern ist die KI sehr gut. Gegnerische Schiffe fahren nicht stur auf den Spieler zu, sondern versuchen sich auch mal von hinten anzuschleichen. Größere Schiffe, gehen aber schon mal auf direkten Kurs, um zu rammen und so Schaden anzurichten. Durch Kommentare der Feinde, wenn man sie z.B. in die Zielerfassung nimmt oder ihnen einen Torpedo vorbeischickt, wirken sie auch menschlich und nicht einfach nur wie Gegner von denen es Massen gibt und man sich deswegen um diese nicht kümmert. Gespielt wird Aquanox auf 2 Arten. Entweder als eine Art Ego-Shooter mit Maus und Tastatur, was den Actioncharakter natürlich noch mehr hervorhebt oder als Simulation, wobei die Steuerung der Schiffe schon komplizierter wird und ein Joystick dabei absolut empfehlenswert ist. Ich hab das Spiel nun nur mit der Ego-Shooter Perspektive gespielt und die ist wirklich sehr gut. Gegner anvisieren und ihm einen Torpedo vor den Bug knallen, das funktioniert sehr gut. Für Spieler mit 2 linken Händen gibt es auch noch eine Zielhilfe, auf der höchsten Stufe, kann man hundert Meter am Ziel vorbeischießen und trifft doch noch. Das erinnert dann mehr an Ego-Shooter auf Konsolen. Ganz nützlich ist das aber vor allem für Anfänger, denn der Schwierigkeitsgrad ist, selbst auf der leichtesten Stufe, recht herausfordernd. Neben dem Storymodus gibt es noch einige Einzelmissionen, bei denen man z.B. gegen eine große Anzahl Crawler kämpfen muss. Hierbei kann man leider vor dem Start nicht das Schiff und die Ausrüstung festlegen, sondern man kriegt einfach ein Schiff und los geht’s. Einen Multiplayermodus gibt es auch nicht. Schade. Grafisch kommt die KRASS Engine zum Einsatz, zur damaligen Zeit sah das Spiel phänomenal aus. Explosionen, Gebäude, Schiffe erstrahlten auf der höchsten Grafikstufe in einer unglaublichen Qualität und noch heute sieht das alles sehr gut aus. Musikalisch wird eine Mischung aus ruhigem Ambientsound und härteren Klängen in Kämpfen geboten. Klingt recht gut, aber ich hab die Musik trotzdem schnell ausgemacht. Die Soundeffekte sind auch in Ordnung, wenn auch etwas zu leise. Die Sprachausgabe ist, wie schon angemerkt, sehr gut. Aquanox 2 ist ein sehr gutes Spiel, das wieder mehr zurück zu Schleichfahrt geht. Man macht vieles richtig, aber auch einiges falsch. Der fehlende Multiplayerteil ist schade. Dass man bei den Missionen nicht abwechslungsreicher zu Werke ging, ebenso. Warum gibt es nicht mal Höhlen oder Tunnelsysteme durch die man durch muss? Teilweise wird das ja im Spiel kurz angedeutet, aber da wäre wesentlich mehr drin gewesen. Der größte Kritikpunkt ist allerdings nicht die Schuld der Entwickler. Die Story wird sehr episch und am Ende weiß man nicht wirklich was Sache ist. Viele Fragen werden aufgeworfen und es ist klar, dass hier Aquanox 3 folgen sollte um das Ganze aufzuklären. Das wird ja nun, wie es aussieht, nicht kommen und so wird man sich weiterhin fragen, was es damit auf sich hat. Trotzdem ist das Spiel natürlich extrem empfehlenswert. Developer: JoWood Publisher: Massive Development Erscheinungsjahr: 2002 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
 
| Grafik | 9,5/10 | | Spielspass | | Sound | 9/10 | 8,5/10 | | Gameplay | 8,5/10 |
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