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Den Vorgänger Modern Warfare fand ich im Einzelspielermodus eher uninteressant und belanglos, so war ich gespannt, was mir nun beim Nachfolger präsentiert wird. Die ganze Kontroverse rund um die eine „böse“ Mission hat mich interessiert, denn gern wird hierbei aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Das ist im Falle dieser „No Russian“-Mission praktisch genauso. Als Undercover Agent stürmt man zusammen mit russischen Terroristen einen Flughafen und eröffnet das Feuer. Unter den Zivilisten bricht noch kurz Panik aus, ehe sie vom Feuer erlegt werden. Ist das wirklich einen Aufreger wert? Hat man sowas nicht auch schon zigfach in Filmen gesehen und haben wir nicht schon Spiele gespielt, die noch wesentlich krasser waren? Postal? Manhunt? Grand Theft Auto? Persönlich finde ich den Mut der Entwickler bewundernswert, dass sie gerade in dieser heutigen von politischer Korrektheit und Gut-Mensch-Tum verseuchten Welt so eine Mission einbauten. Ich hatte meinen Spaß, das aber vor allem, weil ich mir bewusst bin, dass auch Modern Warfare 2 nur ein Spiel ist, ich nur ein paar Pixel über den Bildschirm bewege und das Ganze reine Fantasie ist. Nebenbei möchte ich sagen, dass einige Szenen noch fast krasser waren. Etwa in der Afghanistan Mission am Ende, wenn man sich einen Berg abseilt und dann auf einem Feind landet, ihm das Messer in die Brust stößt, während man in Großaufnahme sieht, wie er die Augen verdreht und langsam stirbt. Warum wird sich über sowas nicht aufgeregt? Klar, es war ein „Feind“ und kein „Zivilist“. Die No Russian Mission darf man wahlweise sogar komplett überspringen oder man nimmt teil, feuert aber nicht auf die Zivilisten, man hat also sogar die Wahl. In der deutschen Version dagegen wird man wieder mal mit einem Game Over bestraft, wenn man einen Zivilisten tötet. Bullshit, nichts anderes ist das. Kommen wir nach diesem Absatz zum Spiel und zur Handlung, die leider mal wieder recht trashig und klischeeüberladen ist. Schon beim ersten Teil habe ich mich gefragt, ob die Macher in den 80ern für diverse Chuck Norris Filme die Drehbücher schrieben, so auch hier. Fünf Jahre nach Modern Warfare 1 sind die Ultranationalisten immer noch die großen bösen Feinde und machen Stunk. Makarov inszeniert den Anschlag am Flughafen und lässt den vom Spieler verkörperten Geheimagenten als Leiche zurück, da dieser als Amerikaner identifiziert wird, kommt es praktisch direkt zum dritten Welt. Das dann noch einige Intrigen und Verrat geboten werden, ist doch klar. Im Spiel schlägt man sich in unterschiedlichen Charakteren durch diverse Missionen. Mal ist man in Afganistan, dann in Russland oder Brasilien. Auch die USA werden zum Kriegsschauplatz, als die Russen praktisch genauso wie in dem Film Red Dawn eine Invasion starten. Die Missionen in den USA haben mir am besten gefallen, da man in First Person Shooter nun schon so oft durch Russland oder Afghanistan und selbst Südamerika ist, dass diese Schauplätze nur noch langweilen. Aber die USA? Das gab es bislang selten und vor allem war es selten so genial umgesetzt. Kämpft man anfangs noch in einem Dorf in Virginia zwischen Tankstelle und Fast Food Restaurant, geht es später nach Washington DC. Sehr genial fand ich auch die ganzen Szenen rund um den Abschuss einer EMP Rakete über den USA. In einer kurzen Sequenz spielt man einen Astronaut in der Internationalen Raumstation, die vom EMP Puls direkt betroffen ist. Danach schlägt man sich wieder als Soldat in Washington rum, während Flugzeuge und Hubschrauber vom Himmel stürzen und sämtliche Elektronik den Geist aufgibt, versucht man verzweifelt nicht von Trümmern erschlagen zu werden. Rein von der grafischen Inszenierung ist Modern Warfare 2 also ebenso wie der Vorgänger gelungen. Es gibt extrem viel Action die immer gut in Szene gesetzt ist. Auch die Schauplätze sind dann doch recht abwechslungsreich. Leider führt die schnelle, Hollywoodartige Inszenierung dazu, dass die meisten Missionen sehr schnell vorbei sind. Manche dauern keine zehn Minuten. Überhaupt ist das Spiel extrem kurz. Ich hab nach nicht einmal sechs Stunden schon das Ende gesehen und das fand ich enttäuschend. So ein großer Dritter Weltkrieg sollte doch wohl genug Material für mehr Missionen hergeben oder längere Kriegseinsätze ermöglichen. Leider ist das Gameplay auch nicht wirklich perfekt. Wohl wegen der Konsolenspieler, hat man an diversen Stellen Auto-Aim eingebaut. Etwa, wenn man mit dem Schneemobil durch die Gegend rast und genauso hat man wieder mal dieses dämliche Selbstheilungssystem eingebaut. Das nimmt dem Spiel erst recht den Realismus, aber auch die Herausforderung, wenn man nach einigen Treffern nur für 3 Sekunden in Deckung gehen muss, um dann wieder topfit angreifen zu können. Generell ist das Spiel auch sehr einfach, da man immer brav an der Leine durch das Spiel geführt wird. Es ist linear und zusätzlich helfen noch jede Menge On-Screen Texte und Pfeile, das man sich nicht verläuft und immer ganz genau weiß was zu tun ist. Erinnert ihr euch noch an die Spiele von früher? Wo man einfach in einem Level abgesetzt wurde und es hieß „Mach mal“? War das nicht wesentlich spaßiger und herausfordernder, wenn man auf eigene Faust das Ziel erreichen muss? So aber läuft man linear durch eine scriptüberladene Welt, wo auch gern mal plötzlich auf Auto-Pilot geschaltet wird, weil ja eine Zwischensequenz folgen muss. Früher wurde sich gerne über die interaktiven Filme aufgeregt, in erster Linie weil es zu viel Film und zu wenig Spiel ist und dass die Spielsequenzen immer von Filmszenen unterbrochen werden. Modern Warfare bietet das gleiche, aber hier ist es plötzlich genial. Verstehe das einer. Nicht das Modern Warfare so beschissen ist, es macht schon Spaß, aber ich finde einfach, das zu viel Potential insgesamt verschenkt wurde und ein etwas klassischerer Ansatz dem Spiel gut getan hätte. Weniger Script, weniger Linearität. Ich würde auch mal gern links und rechts abseits des Hauptpfades sein. Mehr Krieg erleben, mehr Möglichkeiten haben und wirklich in diese Welt eintauchen. Wie gesagt ist das Gameplay simpel und die Steuerung auch, man wird sogar immer darauf hingewiesen, dass man nun eine andere Waffen nehmen muss, weil man etwa ein paar Panzer und Hubschrauber mit der Javelin zerstören muss. Die künstliche Intelligenz könnte auch besser sein. Die meisten Feinde laufen wie die Lemminge in einer Reihe vor die Waffe und richtig in Deckung gehen haben russische Soldaten wohl nie gelernt. Selbst wenn sie hinter einem Riot-Schild sitzen, kann man sie meist recht leicht beseitigen. Da ist es schon fast ein Wunder, das sie ab und an Granaten zurückwerfen. Grafisch ist das Spiel richtig gut. Die einzelnen Länder sind realistisch in Szene gesagt, die Details sind enorm und man muss sich einfach nur die Mission „Of Their Own Accord“ ansehen. Wirklich grandios. Bei der Musik hat man den sonst eher durch Filmsoundtracks bekannten Hans Zimmer eingesetzt und das hört man. Hans Zimmer hat irgendwie immer den gleichen Sound und so könnte das heroische Gedudel von Modern Warfare 2 auch in Filmen wie The Rock oder Armageddon seinen Platz finden oder umgekehrt. Die Soundeffekte sind schön laut und krachig, die Explosionen kommen – ein gutes Soundsystem vorausgesetzt - extrem klasse rüber. Auch die Sprachausgabe ist gelungen. So wird Shepherd etwa von Lance Henriksen gesprochen. Was schreibt man nun als Fazit? Sicher könnte ich mich von der Grafik blenden lassen und Modern Warfare 2 als geniales Spiel bezeichnen, weil es ja so toll aussieht. Aber ist das sinnvoll? Sieht man hinter die schöne Verpackung, findet man ein Spiel mit belangloser Handlung, klischeehaften Charakteren und simplem Gameplay, das weder taktisch anspruchsvoll noch sonderlich herausfordernd ist. Spaß macht dieses „hübsche Moorhuhn“ schon, aber vielleicht ist es dann doch sogar ein Segen, dass die ganze Sache verdammt schnell vorbei ist und man nach einmaligen Durchspielen wohl maximal 1-2 ausgewählte Missionen nochmal spielt. Das Hans Zimmer den Soundtrack komponierte passt, Modern Warfare 2 ist praktisch ein Michael Bay Fastfood-Film in Spielform direkt vom Fliesband der Spieleindustrie. Publisher: Activision Developer: Infinty Ward Erscheinungsjahr: 2009 Erschienen für: PC, Xbox 360, Playstation 3 Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
| Grafik | 9/10 | | Spielspass | | Sound | 8,5/10 | 5,5/10 | | Gameplay | 7/10 |
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