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Das ultimative Böse kehrte 2000 zurück, als sich Blizzard nach einigen Verschiebungen, die ganz typisch für dieses Unternehmen sind, endlich dazu durchringen konnte, Diablo II zu veröffentlichen. Der Vorgänger war seinerseits ein doch eher unerwarteter Erfolg. Seinerzeit rannte man durch Dungeons, die irgendwann langweilig wurden und schlachtete Unmengen an Monstern ab. Diablo II sollte alles besser machen.
Der böse Teufel ist wieder da und hat seine sechs Saufkumpel dabei, um die Welt mit Angst und Schrecken zu überziehen. Gemeinsam treten sie unter dem gar schaurigen Namen „7 Great Evil“ auf. Leider trifft man im Spiel nicht auf alle 7 sondern hat es erstmal nur mit vieren zu tun: Andariel, Duriel, Mephisto und Diablo selbst.
Ehe man sich auf in den Kampf macht, wählt man aber seine Charakterklasse. Barbar, Paladin, Amazone, Zauberin und der Totenbeschwörer stehen zur Auswahl. Anders als in den meisten klassischen Rollenspielen endet die Charaktergenerierung schon mit der Wahl des Namens. Charakterwerte sind vorgegeben und können erst im Spiel frei gesteigert werden, ebenso wie man die unterschiedlichen Fähigkeiten verwaltet. Am Anfang ist der Held noch eher ein schwacher kleiner Kämpfer der nichts drauf hat und keine richtige Ausrüstung hat. Man landet in einem Camp das Kampfamazonen gehört und wird von denen gleich für einige Aufträge eingespannt. Diablo II ist natürlich kein Rollenspiel, sondern mehr ein Hack n’ Slay mit Rollenspielelementen, am ehesten würde ich es noch mit Klassikern wie Gauntlet vergleichen. Man rennt durch die Gegend, schlachtet Massen an Gegnern ab und erledigt im Vorbeigehen die Quest. Das Spiel ist sehr linear, zwar überschneiden sich dann und wann Quests, aber eigentlich wird man wie an einer Schnur durch die Welt gelotst. Der Reiz des Spiels liegt auch weniger an der Charakterstellung oder dem Kampf, sondern mehr darin, Ausrüstung zu finden. Hier tritt die Sammelwut ein, ähnlich wie bei Tradingcards oder anderem Sammelkram will man eben alles Mal gesehen oder besessen haben und natürlich seinen Helden mit der besten Ausrüstung ausstatten.
Bei der Ausrüstung wurde tatsächlich nicht gegeizt. Unzählige unterschiedliche Waffen von der Lanze über das Schwert hin zum Kampfhammer sind verfügbar. Daneben gibt es noch Rüstungen, Stiefel, Helme, Schilde und Ringe sowie Amulette. Nicht nur Stärke- oder Verteidigungswerte besitzen diese Ausrüstungsgegenstände sondern sogar Bonusfähigkeiten. So gibt es Schwerter mit denen man Gegner vereisen kann oder ihnen mit einem kräftigen Blitz den Pelz verbrennen kann. Die Ringe und Amulette steigern meist die Charakterwerte wie Lebensenergie oder das Attack Rating. Neben normalen Gegenständen gibt es noch seltene, rare, sowie sockelbare und Setgegenstände. Im Verlauf des Spiels findet man Kristalle die man im Horadrim Würfel, den man auch noch findet, aufwerten kann. Hat man nun eine Waffe mit Sockeln, kann man die Kristalle da einsetzen und schon kriegt die Waffen einige neue Extrafeatures hinzu. Den Würfel kann man auch zum experimentieren benutzen. Es gibt viele Rezepte und man kann viele Waffen mischen. 5 Pfeilsäcke ergeben beispielsweise Bolzen für die Armbrust. 3 Gesundheitstränke ergeben einen Heiltränk der nächsten Stufe. Die kompletten Ausrüstungssets sind aber das Beste. Fein aufeinander abgestimmte Ausrüstungsgegenstände und Waffen, die starke Extrafähigkeiten bekommen, wenn man möglichst viel Ausrüstung eines Sets besitzt. Natürlich sind gerade diese Gegenstände nur sehr schwer und mit Glück zu finden. Aber auch der Schwierigkeitsgrad spielt eine Rolle. Am Anfang gibt es nur den normalen, hat man das Spiel damit durchgespielt, kommt der nächste Schwierigkeitsgrad ehe man zum drittletzten kommt und der ist mit Hölle passend betitelt.
Hat man den ersten Akt hinter sich kommt man zum zweiten. Jeder Akt spielt dabei in einer anderen Landschaft. Die erste ist ein großer Wald.. Man kann sogar die Frösche quaken hören. Der zweite Akt spielt in einer Wüstenwelt mit dunklen Höhlen und die Stadt hat einen sehr arabischen Touch. Welt drei ist wieder recht waldig, hinzu kommen Sümpfe. Der Vierte ist der kürzeste und führt direkt in die Hölle. Wirklich schön ist auch die Tatsache, dass jeder der Akt unterschiedliche Gegner bietet. In Akt 1 sind es Schamanen und komische Panzertiere, die mit Pfeilen schießen. Im zweiten Teil hauptsächlich Würmer und Skarabäen und in Teil 3 kommen die fiesen kleinen Zwerge die mit Blasrohren attackieren. Die Hölle bietet die spektakulärsten Monster. Dämonen, Feuerbestien, Geister und andere Ungetümer die man auch für den nächsten Horrorfilm casten könnte. Getötete Gegner hinterlassen entweder Ausrüstungsgegenstände, die üblichen Mana- und Heiltränke oder Gold. Letzteres spielt praktisch nur am Anfang eine größere Rolle. Die Ausrüstungsgegenstände bei den Schmieden in den Städten sind eher unbrauchbar und Heiltränke findet man auch so. Allerdings gibt es jeweils noch einen zweiten Händler bei dem man spielen kann. Im Gepäck hat er jede Menge Ausrüstungsgegenstände, deren Werte und Namen nicht angezeigt sind. Man kauft einen und erst dann wird aufgedeckt was es ist. In seltenen Fällen kann man da etwas richtig Gutes rausziehen. Ansonsten wird man das meiste Gold zum reparieren der Ausrüstung benötigen. Kämpfe fordern eben ihren Tribut und die Ausrüstung hält nicht ewig sondern hat einen Haltbarkeitswert. Zum Glück gibt es einen Stadtportalzauber mit welchem man sich jederzeit, auch in der größten Schlacht einfach so in die Stadt beamen kann. Neben dem Stadtportalzauber gibt es auch in jedem wichtigen Abschnitt (meist dort wo auch in unmittelbarer Nähe ein Quest beendet werden kann) Teleportfelder. Betritt man diese, werden sie gespeichert und man jederzeit zwischen diesen hin- und herspringen.
Gerade die 4 Endgegner können überzeugen. Sie sind groß, stark und fies und laufen nicht nur mit noch fieseren Sprüchen rum, sondern werden auch unterlegt von etwa einem großen Erdbeben. Wenn sie sterben kippen sie nicht einfach um. Das ist schon ein Erlebnis – und nur die Endgegner lassen die wirklich guten Gegenstände fallen.
Die Fähigkeitsbäume der einzelnen Charaktere sind auch riesig. Steigt man einen Level auf, darf man nicht nur einige Punkte auf die Charakterwerte vergeben, sondern eben auch einen Skill um einen Punkt verbessern. Jeder Kämpfer hat drei unterschiedliche Bereiche, meist unterteilt in Angriffs- und Defensivskill sowie noch irgendwelche besonderen Sachen. Der Paladin hat z.B. einen Angriffsskill bei dem er gleich 5x zuschlägt und kann mächtige Zaubersprüche auffahren welche beispielsweise ihn und die Party immun gegen Kälte-, Feuer- und Blitzschaden machen. Der Barbar als reiner Kämpfer hat praktisch nur Angriffsfähigkeiten und es sieht schon lustig aus, wenn er wie ein kleiner Tornado kreiselnd durch die Gegnermassen jagt. Der Totenbeschwörer lässt dagegen die Dreckarbeit von anderen machen und erschafft untote Kreaturen die alles angreifen was feindlich ist.
Spielt man das Spiel allein ist man auch allein. Richtige computergesteuerte Mitspieler gibt es nicht. Man kann sich allerdings Söldner kaufen, die dann mitlaufen und kämpfen. Im Grundspiel sind sie aber nicht mehr als bessere Zielscheiben. Wirklich spaßig ist Diablo II erst wenn man im Netzwerk oder im Battle.Net spielt. Schon zu zweit ist das ganze sehr unterhaltsam, richtig klasse wird es aber so mit 4-5 Leuten. Das Spiel passt dabei den Schwierigkeitsgrad bzw. die Stärke der Monster automatisch an. Hat man also 5 Spieler, sind die Monster 5mal stärker. Verlässt einer das Spiel werden die Monster sofort abgeschwächt oder verstärkt wenn jemand dem Spiel beitritt. Im Multiplayer kann man aber auch gegeneinander kämpfen. Sieht man einen Spieler und denkt er hat gute Ausrüstungsgegenstände, die man selbst gern haben möchte, kann man ihm den Kampf erklären und angreifen – zumindest außerhalb der Städte. Hat man ihn dann besiegt kann man seine Leiche plündern.
Das Battle.Net ist quasi der sichere Bereich. Der Charakter wird auf dem Server von Blizzard gespeichert. Gegen Cheater wird vorgegangen und man ist relativ sicher, ganz perfekt ist es aber natürlich nicht, wie eben bei allen Onlinespielen. Es gibt noch das offene Battle.Net hier kann man mit den Charakteren aus dem Einzelspielermodus spielen, aber eben auch cheaten und das nutzen viele. Nirgendwo anders werden einem so viele Level 99 Cheatcharaktere mit Traumausrüstung begegnen wie dort.
Das Speichersystem ist ein wenig merkwürdig. Speichert man etwa mitten in einem Kampf ist man beim nächsten Mal laden wieder in der Stadt und muss sich wieder zu der Stelle durchschlagen. Natürlich sind dabei auch alle Monster wieder dabei. Auf der einen Seite ist das zwar toll, weil mehr Monster mehr Erfahrungspunkte bedeuten, aber gerade in Akt 3 der extrem verwinkelt und mehr einem Irrgarten gleicht kann das schon nerven.
Zusätzlich ist das Spiel praktisch ein großer Zufallsgenerator. Bei jedem Neustart oder Laden wird die Welt neu generiert, zwar sind in jeder Area die gleichen Orte wie etwa Dungeons zu finden aber es kann sein das der Dungeon beim ersten Mal oben rechts war und nach dem Laden plötzlich unten links ist. Mitunter kann auch das recht konfus sein Auf der anderen Seite bleibt so die Spannung erhalten. Ein Auswendiglernen der Maps gibt es nicht.
Grafisch hat man es mit einem typischen Blizzardspiel zu tun. Die Auflösung von 640x480 war schon damals 2000 mehr als veraltet. Gerade auf modernen großen TFT Bildschirmen sieht das Spiel recht mies aus. Aber die Grafik ist absolute Nebensache bei diesem Spiel und mitunter erlebt man doch sehr schöne Landschaften wie der „Weltraumlevel“ mit den Treppen und Plattformen die ein wenig an M.C. Escher erinnern. Auch die Hölle mit den düsteren Ruinen und wabernden Lavaseen ist extrem gut in Szene gesetzt. Absolut genial und auch das ist typisch Blizzard sind die Zwischensequenzen. Im Intro und nach jedem abgeschlossen Akt gibt es ein Rendervideo. Zwar ist die Handlung wie gesagt nicht innovativ, dafür aber eben unheimlich stark in den Videos umgesetzt.
Der Audiobereich dagegen ist absolute Spitzenklasse. Viele unterschiedliche Musikstücke, die unaufdringlich aber hörbar im Hintergrund bleiben und die Szenen untermalen. Dazu tolle Soundeffekte und eine gelungene Sprachausgabe. Zumindest im Original. Generell sollte man es bei Diablo II tunlichst vermeiden die deutsche Fassung zu kaufen. Die Sprecher sind schlechter und die Monsternamen sind mittlerweile ja schon fast zur Legende geworden. Wenn man gegen Baumbart Holzkopf kämpft ist das eher komisch.
Im Einzelspieler wird Diablo II schnell langweilig. Die Stärke des Spiels liegt absolut im Multiplayer- und Onlinemodus. Dort spielt dieses Hack n’ Slash seine ganzen Stärken aus und das Suchtpotential durch die Jagd auf gute Ausrüstungsgegenstände stellt sich schnell ein. Selbst die schlechte Grafik kann es nicht verhindern, dass selbst heute noch das Spiel eine riesige Community hat und Blizzard das Spiel mit Patches versorgt. Allerdings sollte man sich auf jeden Fall noch Addon Lord of Destruction mitnehmen.
Publisher: Sierra/Vivendi Developer: Blizzard Erscheinungsjahr: 2000 Erschienen für: PC, Mac Anzahl Spieler: 1-8 Schwierigkeitsgrad: 3 Stufen, abhängig von der Partygröße
 
| Grafik | 6,5/10 | | Spielspass | | Sound | 9,5/10 | 8/10 | | Gameplay | 8,5/10 | | Multiplayer | 9,5/10 |
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