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Mittlerweile ist die Siedler-Reihe auf 6 Teile und ein Abzocker Remake angewachsen. Alles angefangen hat 1993, als die Spiele noch auf Disketten erschienen und der Amiga immer noch Publikumsliebling war. Für jenes System erschien es dann auch zuerst. Spielen sollte man es dabei aber auf dem Amiga 1200, denn nur hier kann man die größten Karten nutzen. Auf dem Amiga 500 ist das Ganze doch etwas arg eingeschränkt. Die PC Fassung läuft mit allen Optionen dafür schon auf uralten PCs. Ansonsten sind beide Versionen identisch. Für mich ist das Spiel immer noch unglaublich, wenn man bedenkt, dass es hauptsächlich von einer einzigen Person (Volker Wertich) programmiert wurde und das auch noch in der eher unflexiblen und höllisch komplizierten Assemblersprache.
Bei den Siedlern geht es darum eine funktionierende Siedlung aufzubauen. Das ist leichter gesagt als getan, denn das schwierige ist es eben, dafür zu sorgen, dass alles so funktioniert wie es soll. Man braucht Industriegebäude, Minen, Farmen für Nahrung und das muss alles so angelegt werden, dass die Träger die Rohstoffe und Waren schnell und problemlos durch die Gegend tragen können. Natürlich gibt es da noch feindliche Siedlungen und man kommt schnell in einen kleinen Krieg, dafür braucht man Soldaten, entsprechende Gebäude und Waffen. Man hat also allerhand zu tun.
Los geht jedes Spiel mit der Wahl des Standorts für das Schloss. Das ist das Hauptgebäude um das sich die Siedlung anlegt. Der Standort sollte gut gewählt sein, denn eine falsche Wahl kann später große Probleme bereiten. Wüstengebiete kann man z.B. nicht besiedeln und bergiges Gelände sorgt dafür, dass die Arbeiter langsamer vorankommen. Viel Platz sollte es eben so wie Wasser für Angler geben und dann haben wir ja noch die Minen. Vier Stück gibt es für Steine, Kohle, Eisen und Gold. Nicht zu vergessen Steine für den Steinmetz und Wälder für den Holzfäller. Hat man sein Plätzchen gefunden, legt man erstmal Gebäude für diese wichtigen Rohstoffe an. Viele Gebäude bauen aufeinander auf. Hat man einen Holzfäller, muss man auch ein Haus für den Förster bauen, damit der dafür sorgt, dass neue Bäume wachsen und das gefällte Holz muss noch zum Sägewerk. Ähnlich ist es auch bei der Getreidefarm. Dieses ist groß und braucht viel Platz. Damit daraus Brote werden, braucht man aber noch eine Mühle und einen Bäcker und erst, wenn man die Farm hat, kann man eine Schweinezucht und eine Metzgerei sinnvoll anlegen. Das reizvolle ist eben, am Ende eine riesige, tolle Siedlung zu haben, die funktioniert. Großen Einfluss darauf hat auch der Wegbau. Nur wenn alle Gebäude mit dem Hauptgebäude verbunden sind, machen sich Arbeiter auf den Weg zur Baustelle und Träger werden abgestellt zum Warentransport. Anders als im Nachfolger muss man hier noch manuell den Weg zusammenklicken und auch hier muss man wieder ein wenig überlegen, denn ebene Wege gibt es selten, je größer die Steigerung, desto langsamer kommen die Träger voran, so dass es mitunter sogar sinnvoll ist, einen kleinen aber dafür flachen Umweg zu bauen
Hinzu kommen dann wie gesagt noch die Feinde. Unterschiedliche Gestalten, die alle anders handeln. Einer mag sich zurückhalten und friedlich vor sich hinsiedeln, ein anderer ist angriffslustig und möchte alle besiegen, wogegen der nächste taktisch vorgeht und alle Minen erobern will. Es ist schon interessant zu beobachten, wie unterschiedlich diese einzelnen Gegner vorgehen. Um sich gegen die zu wehren, braucht man Soldaten, für diese Waffen aus der Schmiede, damit die Schmiede funktioniert benötigt man Minen und die Bergarbeiter arbeiten erst wenn sie was zu essen haben. Auch hier zeigt sich sehr deutlich, dass alle Gebäude miteinander verknüpft sind.
An Spieloptionen wird nicht gegeizt. Ein Tutorial weist neue Spieler ein, man kann eine einzelne Partie austragen oder dem Computer bei einem Spiel zu sehen, was sehr gut zum lernen ist. Dann gibt es noch Missionen, hier gilt es die Feinde zu besiegen, allerdings fehlt hier eine Rahmenhandlung und so ist das im Prinzip nichts anderes als aneinander gereihte Karten mit vorgegebenen Feinden und Ressourcen. Bei einem normalen Spiel kann man die Map wählen, hier kommt ein Zufallsgenerator zum Einsatz, der dafür sorgt, dass man niemals eine Karte zweimal zu Gesicht bekommt, was natürlich sehr gut für die Langzeitmotivation ist. Daneben kann man noch die Intelligenz, die Menge an Resourcen und Bewohner am Start einstellen. Man hat sogar an einen Zweispielermodus gedacht, hier können zwei Spieler an einem Computer per Splitscreen ran.
Grafisch ist das Spiel im Comiclook gehalten, es ist alles sehr farbenfroh und auch heute macht es noch Spaß den Siedlern bei der Arbeit zuzusehen, von ihrem Charme haben sie absolut nichts eingebüßt. Grafisch liegt die PC Fassung allerdings klar vor der Amigafassung, da hier auch ein SVGA Modus geboten wird. Musikalisch gibt es zwei Stücke. Eins läuft im Intro, das andere ist recht lang und läuft während des Spiels. Wirklich nervig ist dieses nie, man kann das ewig im Hintergrund laufen lassen ohne dass es nervt. Die Soundeffekte sind recht in Ordnung.
Die Siedler ist einer der ganz großen Klassiker und kann auch heute noch überzeugen. Beim Aufbau der Siedlung vergehen die Stunden meist im Flug. Natürlich steht es etwas hinter Siedler 2, das einige Features mehr bietet, aber eben z.B. nicht den Kartengenerator hat oder wirklich unterschiedliche Gegner, also ist es auch für Leute die nur Siedler 2 (oder einen der beschissenen Nachfolger) kennen einen Blick wert.
Publisher: Blue Byte Developer: Blue Byte Erscheinungsjahr: 1993 Erschienen für: Amiga, PC Anzahl Spieler: 1-2 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
 
| Grafik | 8/10 | | Spielspass | | Sound | 7/10 | 8,5/10 | | Gameplay | 8,5/10 |
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