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Wir schreiben das Jahr 2160... Die Erde existiert nicht mehr.
So steht es im Handbuch und so beginnt die Geschichte von Earth 2160, dem Echtzeitstrategiespiel von Zuxxez, Nachfolger von Earth 2140, Earth 2150 und deren zahlreicher Addons. Und da sind wir auch schon bei dem ersten Punkt: Vor einigen Jahren hätte man das nicht so hervorheben brauchen, aber inzwischen ist es ja leider üblich, dass einem Spiel nur spärliche Bonusmaterialien beiliegen. Ganz anders hier, denn neben einem sehr umfangreichen Handbuch, das die verschiedenen Fraktionen beschreibt und einem Technikbaum als Poster, befindet sich sogar noch der Soundtrack auf einer Audio-CD. Das alles kommt in einer sehr aufwendig gestalteten Packung daher, inkl. Hologramm auf der Rückseite und einer (inzwischen nicht mehr) blinkenden LED. Nach der Installation muss man Earth 2160 noch freischalten, dieses funktioniert problemlos per Internet oder telefonisch (und wer wollte nicht schon immer mal mit Bruce Willis sprechen... ähm Michael Falkner natürlich?). Denn dessen deutsche Stimme erhält Falkner, nachdem man den kostenlosen Goldpatch herunter geladen hat, dieser fügt eine neue Synchronisation ein, was dem Spiel wirklich gut tut. Natürlich ist auch das vorbildlich, besser wäre es aber gewesen, man hätte von vorn herein vernünftige Sprecher genommen. Aber dazu später mehr.
Nach dem Krieg ist vor dem Krieg
Auch wenn die Erde vernichtet ist, die Kriege und Schlachten gehen erbarmungslos weiter. Eurasian Dynasty (ED) und Lunar Corporation (LC) belauern sich gegenseitig und jagen einem mysteriösen Artefakt einer alten, verschollen geglaubten Rasse hinterher. Als Michael Falkner für die ED beginnt man das Spiel in der ersten Mission und landet auf einem unwirtlichen Planeten. Hier werden einem erstmal grundlegende Elemente der Steuerung beigebracht, während man mit wenigen Einheiten unterwegs ist. Später kann man Stützpunkte errichten, wie in Spielen dieser Art üblich. Die Story kommt zu Beginn erst gar nicht wirklich in Fahrt, hier einen Gegner erledigen, da zu einer Station vordringen. Erst später gestaltet sich das abwechslungsreicher, wenn man Schildgeneratoren sprengen muss, Materialien für den Bau einer Kanone liefert oder man einen Waffenstillstand mit der LC aushandeln muss. Nach und nach hat mich das Spiel wirklich gepackt. Man stellt sich gegen die eigenen Vorgesetzten, „Einer gegen alle“, wie es in einer Mission heißt – und schließlich helfen einem Ariah und weitere Mitglieder der Lunar Corporation. Schließlich gesellen sich noch Mitglieder einer merkwürdigen religionsartigen Gesellschaft dazu, den Edeniten. Und darum geht es auch: Die hoch entwickelte Technik des alten, verschollenen Volkes nutzbar machen und so über gewaltige Sternenportale den erdähnlichen Planeten EDEN zu finden. Stargate lässt grüßen. Und natürlich ist die Story nicht so neu, aber das macht nichts, denn wie sich das entwickelt und wie sich Handlungsfäden innerhalb der Kampagnen kreuzen, das ist schon gut gemacht, spannend und spielenswert. Leider wirkt das aber im späteren Verlauf dann auch wieder etwas in die Länge gezogen.
Die Zukunft der Menschheit beginnt...
...mit dem Basisbau. Insgesamt gibt es vier verschiedene Fraktionen, die sich deutlich unterscheiden. Von den drei Ressourcen Erz, Wasser und Kristall benötigt man meistens zwei – die Aliens (origineller Name, oder?) alle drei. Bei der Eurasian Dynasty baut man beginnend von einem Gebäude einen riesigen Komplex, so dass man darauf achten sollte, immer noch ein paar Stellen zum Weiterbauen zu haben. Im Prinzip funktioniert das wie bei Lego. Man kann auch Verbindungsstücke einsetzen, wenn etwas im Weg ist. Im Vergleich dazu baut man bei der LC Komplexe übereinander, wie Hochhäuser, die aus einer bestimmten Maximalanzahl an Ebenen pro Basiseinheit bestehen dürfen. Manche Strukturen, z.B. Forschungsstationen, schließen den Komplex sofort ab, da kann man dann nicht weiterbauen. Durch diese Bauweise ist es natürlich recht schwer zu erkennen, welche Gebäude nun wo sind – darum hat man an der rechten Seite ein ausklappbares Menü, in dem man gezielt auswählen kann, welche Soldaten oder Fahrzeuge man bauen möchte. Diese kann man nach und nach erforschen – was Ressourcen kostet und Zeit dauert, man kann aber natürlich mehrere Typen von allen Gebäuden bauen, dann geht das schneller. Außerdem hat man noch einen Fahrzeugeditor, hier kann man Panzer, Raumschiffe, Roboter und sonstige Einheiten nach eigenen Vorstellungen erstellen. Man bestimmt Panzerung, Extras wie Schildgeneratoren oder bestimmte Waffen. So können Fahrzeuge beispielsweise gezielt gegen chemische Angriffe geschützt werden, während sie selbst vor allem fliegende Gegner angreifen. Darum empfiehlt es sich, recht früh mit Forschungen zu beginnen, denn desto eher hat man schlagkräftige, effektive Truppen beisammen. Bei falscher Bewaffnung und Panzerung kann schon mal eine halbe Armee gegen wenige Gegner draufgehen. Das ist zwar alles sehr nett und einigermaßen komfortabel gemacht mit dem Fahrzeugeditor, aber man muss eben auch erstmal rausfinden welche Waffen und Panzerungen überhaupt gut geeignet sind. Dies kostet Zeit und Ressourcen und nervt eben gerade bei Beginn von Missionen, in denen der Gegner von Beginn an anrennt, während man gleichzeitig aufbauen, forschen und eine Armee formieren muss.
Hektische Taktik vs. Taktische Hektik
Ist erstmal die kritische Phase zu Beginn von Missionen überstanden, hat man erstmal etwas mehr Ruhe. Wachtürme schalten anrückende Feinde aus, während man forschen kann, Einheiten baut und die Karte erkundet. Hat man eine schlagkräftige Armee beisammen, kann man etwas offensiver werden und Gegner bekämpfen. Auch hier gibt es einige Kritikpunkte, zum ersten wäre da die Steuerung – auswählen mit Linksklick, Einheiten schicken auch mit Linksklick. Gut, daran kann man sich gewöhnen, es passiert aber oft, dass man irgendwo hinklickt und plötzlich bewegen sich irgendwelche Einheiten da hin, weil sie noch selektiert waren. So was funktioniert bei StarCraft oder Age of Empires einfach besser. Werden Einheiten oder Gebäude angegriffen, so hört man nur ein „Ich werde beschossen“ oder „Gebäude zerstört“ - warum da nicht gleich auf der Minimap angezeigt wird, wo genau das nun war, verstehe ich nicht. Gerade wenn man selbst einen Angriff plant wäre das schon sehr hilfreich, statt dem sinnlosen Rumgesuche, was dann folgt. Und der beschossenen Einheit ist meist eh nicht mehr zu helfen. Problematisch ist hier auch die KI. Gern nehmen einige Truppen mal einen anderen Weg und geraten so in Feuer des Gegner, was sie erwidern statt zu fliehen. Außer man stellt sie auf „nicht schießen“- aber das hat den Nachteil, dass sie dann eben einfach nur nicht schießen, aber trotzdem in den Tod marschieren. Auch, wenn man bestimmte Fernkämpfer durch Nahkämpfer schützen will, ist das problematisch. Diese sehen dann nämlich einfach mal zu, wie die Fernkämpfer abgeschlachtet werden und warten wie dumm. Das ist schon unkomfortabel und auch nervig, wenn man neu laden, muss nur weil der Held einen Weg in die Feinde nahm und getötet wurde oder eine halbe Armee vernichtet wurde, weil Soldaten rumstehen. In all der Hektik ist dann noch viel Taktik gefragt. Bestimmte Einheiten sind sehr effektiv gegen Panzer, aber vielleicht völlig anfällig gegen chemische Waffen - mit der puren Masse muss man nicht zwangsläufig gewinnen. Somit wird Earth 2160 aber zu einem ziemlich anspruchsvollen und schweren Spiel, bei dem man genau abwägen muss, welche Einheiten man einsetzt, auch wenn einem das in der Hektik der Schlachten nicht gerade leicht gemacht wird. Man freut sich richtig, wenn man eine Mission geschafft hat. Leider ist es aber auch mitunter sehr sehr langwierig, was ziemlich auf die Motivation drückt. Wenn dann noch der eigene Held plötzlich stirbt, weil er falsch gegangen ist oder eine Zwischensequenz während eines Kampfes kommt, bei der man den Dialogen lauscht während der Held gekillt wird, ja, dann ist die Motivation schon ziemlich auf dem Nullpunkt. Taktisches Vorgehen ist gerade auch in Missionen gefragt, in denen man zu Beginn nur wenige Einheiten hat. Einmal hat man z.B. nur Falkner und einige Hacker sowie ein paar weitere Truppen. Rast man nun blind los, ist die Mission zum scheitern verurteilt. Nimmt man erstmal nur Falkner und die Hacker mit, kann der Held gegnerische nach und nach Soldaten ausschalten, während die Hacker Fahrzeuge umprogrammieren, die einem dann selbst zur Verfügung stehen. So ist die Mission dann doch sehr gut zu schaffen. Allerdings braucht es doch einige Anläufe, ehe man weiß wie man am besten vorgeht und dazu kommen dann eben die oben genannten Steuerungsprobleme. Was nützt es, wenn die neu eroberten Einheiten sofort wild rumballern und gegnerische Geschütztürme auf sich aufmerksam machen? Trotzdem wird Earth 2160 so recht abwechslungsreich – von der Schleichmission bis zur Massenschlacht. Aber natürlich hat man das alles so ähnlich auch schon in anderen Spielen gesehen.
Die Spezialisten unterwegs!
Michael Falkner ist der Hauptcharakter des Spiels und Held der ED, Ariah eine Heldin der LC und so gibt es noch einige weitere, die bestimmte Eigenschaften haben. So kann man sie mit Waffen und Schutzkleidung ausrüsten, sie können aber auch Bomben legen um Geschütztürme auszuschalten. Zusätzlich kann man noch Söldner anheuern, diese kosten Ressourcen, dafür setzen sie aber Kosten beim Bau von Fahrzeugen herab, beschleunigen die Forschung oder Truppen bekommen mehr Erfahrungspunkte. Haben Söldner einige Kämpfe überstanden, verbessern sie sich in ihren Fähigkeiten. Die Spezialisten sind nur eine Zeit lang unterwegs, dann fragen sie, ob sie bleiben sollen oder nicht - gegen Gebühr versteht sich. Auch gern mal mitten im Kampf, während die Kämpfe aber munter weitergehen. Sterben die Spezialisten oder kann man sie nicht bezahlen, verschwinden sie. Sterben Helden, ist die Mission gescheitert.
Bombastische Bomben
Was hier graphisch geboten wird, ist beeindruckend. Explosionen, verschiedene detailreiche Einheiten und auch die Landschaften sind nicht mehr so dröge wie in den Vorgängern, man hat dazugelernt. Die Völker unterscheiden sich deutlich voneinander in Aussehen und Bauweisen. Der Soundtrack ist episch und sehr passend. Warum man aber bei all dem die Synchronisation so vernachlässigt hat, ist sehr schade. Trotz einiger guter Sprecher im nachgebesserten Goldpatch wirken einige immer noch mehr bemüht als wirklich gut. Leider drückt das auch deutlich den Spielspaß an einigen Stellen, weil es irgendwie so egal wirkt, was die da „vorlesen“...
Und warum? War es nur für den Klick, für den Augenblick?
Earth 2160 bleibt ein Rätsel. Eigentlich hätte es das Zeug dazu gehabt, der ganz große Kracher zu sein... aber warum lässt es mich so kalt? Die Story ist spannend, die Grafik bombastisch, viele verschiedene, stimmige Einheiten und Gebäude. Eine Story steht und fällt aber auch mit der Präsentation – und dazu gehört die Synchronisation. Wenn fiese Gegner eher lächerlich wirken, man bei Dialogen auch mal einschläft, weil das so runtergeleiert wird, dann ist das nicht sehr motivierend. Die Missionen selbst sind zwar abwechslungsreich, auch durch geskriptete Sequenzen, aber eben auch insgesamt einfach zu langatmig. Warum das Spiel während Dialogen nicht pausiert wird, ist schwer nachvollziehbar. Manchmal passiert das mitten in der brodelnden Schlacht – unnötig und nervig, gerade bei dem ohnehin nicht geringen Schwierigkeitsgrad. Den Anfang des Spiels fand ich etwas zäh, Mitte der ersten Kampagne und in der zweiten steigert sich das und ist sehr spannend, danach verflacht das wieder, was die Frage aufwirft, ob ein Spiel zu lang sein kann? Ja, kann es, denn die 4 Kampagnen und 28 Missionen sind zu viel, auch weil man öfter das Gefühl hat, dass es in die Länge gezogen wurde. Und wie soll man sich an ein neues Volk gewöhnen, wie in der Kampagne UCS, wenn man von Beginn an unter Beschuss steht, aber eigentlich noch keine Ahnung hat, was man nun wie bauen soll? Insgesamt ist es einfach auch zu unübersichtlich und wirr, gerade in Kämpfen. Mit guten Sprechern, einer besseren Steuerung und strafferem Missionsdesign wäre Earth 2160 ein ganz großes Spiel geworden – so bleibt es leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. Damit ist es nun nicht völlig misslungen, denn unter dem Strich bleibt es schon ein gutes Spiel mit einigen großen Momenten, aber eben nicht mehr.
Publisher: Deep Silver Developer: Reality Pump/Zuxxez Erscheinungsjahr: 2005 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 bis 8 (Multiplayer) Schwierigkeitsgrad: schwer
 
| Grafik | 9,5/10 | | Spielspass | | Sound | 7,5/10 | 7,5/10 | | Gameplay | 7/10 |
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