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Edna bricht aus PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
02.08.2008

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Totgesagte leben länger. Dass Point and Click Adventure wurde schon einige Male für tot erklärt und selbst Lucas Arts hat keine Lust mehr auf dieses Genre.
Nun erschien ein Adventure im klassischen Stil, das für Furore sorgt: Edna bricht aus.
Als ich das erste Mal davon hörte, sah ich nur  die Wertung, welche das Spiel bei dieser Seite abräumte: 93%. 93% für ein Point and Click Adventure, das aussieht als wäre es ein Browserspiel? Wahnsinn. Zum Glück wurden die dadurch hohen Erwartungen erfüllt.

Edna will tatsächlich ausbrechen. Sitzt sie ja in einer miefigen Gummizelle und hat nur Gesellschaft durch ihren Stoffhasen Harvey, der reden kann. Erinnerungen hat sie kaum, sie weiß auch gar nicht, warum sie in der Gummizelle sitzt oder was passiert ist, aber genau das muss man nun mit ihr herausfinden.
Schon in den ersten Minuten überzeugt das Spiel durch viel Humor. Die Dialogwitze sind  klasse und im Gegensatz zu früheren Adventures, wird man einen Satz niemals hören: „Das funktioniert so nicht“.
Denn bei diesem Spiel funktioniert alles, man kann sogar mit jedem einzelnen Gegenstand ein Gespräch führen, ob das Sinn macht oder nicht, es führt zumindest zu meist sehr witzigen Dialogen oder Szenen. So kann man an einer Stelle mit der Mülltonne reden und plötzlich taucht Oscar von der Sesamstraße auf und erklärt, dass die Mülltonne schon besetzt sei. Allein damit kann man bei diesem Spiel viele Stunden verbringen: Rede mit allen Gegenständen und kombiniere alles. Hier merkt man, dass sich die Entwickler unglaubliche Mühe gaben und wirklich ein besonderes Spiel abliefern wollten.

Denn auch das eigentliche Adventure weiß zu überzeugen, auch wenn der Schwierigkeitsgrad von Anfang an herausfordernd ist. Denn schon das flüchten aus der Gummizelle ist eine Aufgabe, die erstmal überwunden werden muss und später passiert es auch öfter, das man erstmal überlegen muss. So muss man sich nach der Flucht aus der Zelle vor dem Wächter in Acht nehmen. Ich dachte mir, da ich einen Poloschläger habe, sollte das kein Problem sein. In einen Raum, der Wächter folgt. Benutze Poloschläger mit Wächter. Leider hat das nicht geklappt, im zweiten Versuch hab ich mir gedacht, man könnte ja mal das Licht ausmachen. Wenn es dunkel ist, sieht der Wächter gar nicht, was ihn da angreift. Hat aber auch nicht geklappt, des Rätsels Lösung, aus dem Fenster zu hüpfen, weil der Wächter Höhenangst hat, ergibt aber auch Sinn, wenn man vorher, als man noch in der Zelle ist, ein Gespräch mit diesem führt.
Genug Hinweise bekommt man durch die Gespräche, trotzdem ist es eben kein simples Adventure und das ist gut so.

Genauso gelungen wie die Dialoge und Rätsel ist auch die Welt in welcher das Spiel abläuft. Da haben wir am Anfang die Irrenanstalt, mit lauter völlig abgedrehten Figuren. So trifft man auf Hoti und Moti, die sich für siamesische Zwillinge halten, aber eigentlich teilen sie sich ja nur einen großen Pullover. König Adrian hockt in einem  Matratzenpalast und glaubt Gedanken lesen zu können, nachdem er zweimal vom Blitz getroffen wurde. Dann gibt es den Kontrolleur, der den Wäscheschacht bewacht. Dieser dient als eine Art Aufzug und ist wichtigstes Transportmittel. In diesem trifft man auch auf Herrn Mantel, der sich für ein Kleidungsstück hält und in diesem Schacht in einem großen Regenschirm lebt. Auch das Wachpersonal ist sehr lustig, wie der Aufseher, den alle nur Blase nennen und das nicht zu Unrecht, wie man in einem der witzigsten Dialoge des Spiels herausfindet. Ihn auf die Toilette zu bringen ist wirklich schwere Arbeit.  Sehr witzig ist auch der Hase Harvey, der sich immer wieder einmischt und einen anarchistischen Humor bietet, der sehr stark an seinen hasigen Kollegen Max erinnert (Die zwei wären geradezu ein Traumduo). Reist Edna in ihrer Erinnerung zurück in ihre Kindheit (das wird Telemorphen genannt), übernimmt man auch ab und zu die Steuerung des Karnickels. Die Steuerung bleibt zum Glück immer schön einfach. Man hat nur 4 Verben und benötigt nicht mehr als die linke Maustaste.

Ungefähr 2/3 des Spiels laufen in der Irrenanstalt ab. Ein klein wenig negativ fallen hier die langen Laufwege ab, vor allem, da der Wäscheschacht nicht gerade komfortabel ist.
Dann gelingt der Ausbruch und das Spiel nimmt eine interessante Wandlung. Es gilt ja noch heraus zu finden, warum Edna überhaupt in der Irrenanstalt war und was der böse Dr. Marcel vor hat. Hier wird das Spiel überraschend düster, auch wenn der Humor nach wie vor vorhanden bleibt. Da frage ich mich dann aber, ob die Freigabe ab 0 Jahren angemessen ist. Auch wenn die Grafik comichaft ist, gibt es eben doch Blut und zerstückelte Kinder zu sehen.
Allerdings finde ich diese Wendung auch sehr gut und überraschend gemacht. Am Ende steht  man doch sogar noch vor einer alles entscheidenden Frage, welche zu einem von zwei Enden führt. Man wird also direkt dazu animiert, das Spiel noch (mindestens) ein zweites Mal zu spielen.

Auch wenn einige Rätsel sehr herausfordernd sind, wird das Spiel nie unlogisch oder unfair. Sterben oder einen Game Over Screen gibt es auch nicht und man kann die meisten Rätsel in einer nicht linearen Reihenfolge abarbeiten.

Kritik am eigentlichen Spiel kann man kaum üben. Aber die technische Seite ist mehr oder weniger katastrophal. Das Spiel belegt wahnsinnige 7 Gigabyte auf der Festplatte, im Kontrast zu der Forderung nach 1 Gigaherz CPU und einer 64 MB Grafikkarte schon recht krass. Trotz der Tatsache, dass das Spiel komplett auf der Festplatte landet und die DVD beim spielen nicht benötigt wird, sind auch  die Ladezeiten nicht ohne. Jedes mal, wenn man einen neuen Raum betritt, wird erstmal 2-5 Sekunden geladen. Das Speichern eines Spielstandes dauert gar ein paar Minuten. Genauso merkwürdig  mutet es an, dass man nur 9 Spielstände anlegen darf und jedes einzelne noch mal rund 5 MB belegt.

Grafisch sieht das Spiel altmodisch aus. Natürlich ein gefundenes Fressen für unsere Lieblingsspielemagazine, die Grafik wichtiger als alles andere einschätzen.
Aber auch wenn es nicht viele Animationen gibt und die Grafik konsequent in 2D ist muss man einfach sagen, dass sie so perfekt zum Spiel passt und den Humor unterstreicht. Würden Hoti und Moti in 3D wirklich lustiger aussehen? Ich glaube nicht.
Ein paar mehr Animationen, etwa bei der Benutzung der Gegenstände hätten es allerdings schon sein dürfen.
Die Musik hält sich im Hintergrund, klingt aber sehr gut und stimmig. Leider gibt es aber keine Möglichkeit, die Lautstärke von Musik, Effekten und Sprache einzustellen, so ist alles gleich laut. Die Soundeffekte passen zur comichaften Grafik. Richtig genial ist die Sprachausgabe. Die Stimmen der einzelnen verrückten Charaktere könnten besser gar nicht sein und vor allem die Sprecherin von Edna ist große Klasse.

„Von den  Leuten die Monkey Island gut finden“, steht auf der Schachtel des Spiels. Ein Satz, den man so unterstreichen kann. Edna bricht aus, erinnert an die großen Klassiker von Lucas Arts und ist für mich das beste 2D Point and Click Adventure seit Sam & Max. In jedem Fall ein Pflichtspiel für alle Adventurefreunde und alle anderen sollten auch einen Blick riskieren: Edna kann man nur lieben.

Publisher: Daedalic Entertainment/bhv Software
Developer: Xider
Erscheinungsjahr: 2008
Erschienen für: PC
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Mittel

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Grafik6,5/10  Spielspass
Sound9/10
9/10
Gameplay 9,5/10
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