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Fahrenheit PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
16.04.2011

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In den 90ern gab es die Welle der interaktiven Filme. Durch das Medium CD konnte plötzlich jeder Hersteller tonnenweise Filmsequenzen bringen und so die Spiele „aufwerten“. Manchmal, wie im Falle von Wing Commander 3 und 4 klappte das gut, meistens ging es aber schief als die Spiele immer mehr zu Filmen wurden, wo man nur ganz minimal eingreifen durfte.
10 Jahre nachdem diese Welle ihren Höhepunkt erlebt, erschien 2005 Fahrenheit und wollte mit einer tollen, filmreifen Handlung und einzigartigem Gameplay protzen. Im Prinzip ist es aber eher der Schritt zurück zum Interaktiven Film – nur ohne Filmsequenzen.

Die Handlung fängt erstmal gut an. Lucas Kane ist unser Protagonist und nicht ganz richtig im Kopf. Er weiß zwar auch nicht, was mit ihm los ist, aber man erfährt schon, dass wohl eine böse Macht von ihm Besitz ergriffen hat. Nachdem er sich in bester Emotradition die Arme zerschnitt, greift er auf der Toilette einen Mann an und tötet ihn. Hier fängt das Spiel großartig an. Man steuert Lucas selbst und was soll man machen? Notdürftig schiebt man die Leiche aus dem Blickfeld, versteckt das Messer und beseitigt das Blut. Der Mord geschah in einem Diner, wo sich natürlich ein Polizist aufhält. Schnell macht man alles sauber und verlässt die Toilette. Ist man hierbei nicht schnell genug, kommt der Polizist an und egal wie ordentlich man war, der Mord fliegt natürlich auf. Man ergreift die Flucht durch das verschneite New York.
Mir hat das schon mal gefallen, einfach wird man in das Spiel geworfen, was danach passiert ist noch besser. Denn die anderen beiden Protagonisten der Handlung fahren vor: Carla Valenti und Tyler Miles, sie beide arbeiten für NYPD und werden zur Spurensuche an den Tatort geschickt. Dachte ich noch, dass jetzt einfach eine Zwischensequenz folgt, war ich erstaunt, dass man die beiden auch steuert. Es gilt, so viele Beweismittel wie möglich zu finden. Das Spiel bietet hier einen schönen Zwiespalt: Natürlich weiß man als Spieler, wo man das Messer versteckt hat, man weiß auch, das man mit dem Mopp das Blut zusammenwischte, soll man jetzt die beiden Cops nach genau diesen Dingen suchen lassen? Lässt sie man lieber etwas im Dunkeln?
Das gesamte Spiel über steuert man abwechselnd diese drei Personen und muss sich quasi selbst das Leben schwer machen.

Die Handlung wird erstmal immer besser. Die Polizisten kommen Lucas langsam auf die Spur, der wendet sich hilfesuchend an seinen Bruder, dazwischen kommt auch noch seine Ex-Freundin ins Spiel und selbst das Privatleben von Carla und Tyler spielt eine Rolle.
Leider und somit kommen wir direkt zu dem großen Kritikpunkt an Fahrenheit ist storytechnisch nur die erste Hälfte des Spiels brauchbar. Es ist eine Kriminalgeschichte mit mystischem Hintergrund, wobei man das anfangs noch nicht weiß und auch denken könnte, dass Lucas einfach nur geistig verwirrt ist. Das macht Spaß, es macht auch Spaß das Katz und Maus Spiel selbst zu steuern. Leider wirkt Fahrenheit so, als wäre die erste Hälfte von einem kompetenten Autor verfasst worden und die zweite Hälfte von einem Nerd der Matrix und X-Files für die größten Sachen überhaupt hält und Fanfics ins Netz stellt. Denn genau dazu verwandelt sich das. Lucas wird plötzlich zum übermenschlichen Weltenretter der unzählige Cops verprügelt, aber eigentlich der Held ist, weil er die Welt retten muss. Diese wird von einem merkwürdigen Kult bedroht und ganz am Ende kommt gar noch eine künstliche Intelligenz als ultimativer Antagonist dazu. Während man in der ersten Hälfte das Gefühl hat, das sich zwischen Tyler und Carla was anbahnt, wechselt Carla plötzlich zu Lucas, faselt was von Liebe und weil er der Nerdschreiber nur davon träumen kann, kommt noch eine Sexszene dazu (Schon vorher gibt es eine interaktive Sexszene zwischen Lucas und seiner Ex, die im Kontext aber wenigstens Sinn macht – und die Ex war nicht temporär tot, wie Lucas – Sex mit einem toten und Carla wird davon schwanger? Ja…ich weiß nicht was ich dazu noch sagen soll, es ist irgendwie schon reichlich krank)
Plotlöcher gibt es auch, etwa wird nie verraten, was es mit den (oder nur einem?) Raben zu tun hat, die immer in der Nähe von Lucas sind oder das ganze Ende das völlig zerfahren, unlogisch und scheinbar nicht zu Ende gedacht wurde.

Und das ist verdammt schade, da die erste Hälfte wirklich Spaß macht und neben viel Action auch einige gruseligere Momente bietet. Etwa als Lucas einen Albtraum hat und von großen Käfern verfolgt wird.

Das Spiel nennt sich Adventure aber eigentlich ist es das nicht wirklich. Ein Adventure besteht für mich daraus, Rätsel zu lösen und herauszufinden, wie man an Stellen weiterkommt. Bei Fahrenheit gibt es keine Rätsel, es gibt auch keine Sackgassen und selbst Gespräche laufen am Ende selbstständig weiter, wenn man vergessen hat, etwas zu fragen. Extrem linear ist es auch und vor allem durch die Quick Time Events ist es schon mehr ein Actionspiel.
Mit diesen haben die Entwickler absolut übertrieben. 60% des Spiels sind nur QTEs. Ob das nun Kämpfe sind, Gitarrenspielen, Basketballspielen oder selbst die Cutscenes, immer gilt es die Tastatur zu umklammern (Pfeiltasten und die Pfeiltasten auf dem Nummernblock) und dann das nachdrücken was erscheint. Mitunter wird es richtig hektisch und sowieso ist man so sehr darauf konzentriert, die richtigen Tasten zu drücken, das man vor allem bei den Zwischensequenzen, die meist Träume sind und die Handlung weiterführen, nicht mehr viel mitbekommt. Das ist ärgerlich, da alles richtig gut inszeniert ist. Selbst das Basketballspiel zwischen Tyler und einem anderen Polizist ist eigentlich witzig gemacht.
Und als wären QTEs nicht genug, gibt es auch noch Track & Field-artige Momente. Etwa beim Trainieren vor einem Traningskampf, wo man 10x so schnell wie möglich auf links und rechts  hämmern muss, damit Carla ein paar Gewichte stemmt. Bravo! Das ganze muss man dann nochmal an einer anderen Übung machen, dann noch 2x mit Tyler und DANN kommt noch ein 10 Runden Kickboxkampf mit QTEs. Es ist schlimmer als Track & Field, es ist fast so als wollte man den Spieler ärgern.
Warum man bei den Kämpfen nicht eine konventionelle Actionsteuerung nahm, verstehe ich absolut nicht. Das hätte mehr Spaß gemacht und man hätte sich an den guten Animationen erfreuen können. 

Auch sonst ist die Steuerung merkwürdig. Gespräche werden nicht durch Multiple Choice geführt, stattdessen sieht man am oberen Bildrand 2-4 verschiedene Punkte die man ansprechen kann. Wie aktiviert man das Gespräch? Nein, nicht in dem man darauf klickt sondern indem man die linke Maustaste hält und dann die Maus nach links, rechts, oben oder unten zieht. Manchmal will das Spiel gar, das man halbkreisdrehungen und andere Spirenzchen durchführt, nur damit eine Szene weiter geht. Sind wir bei Street Fighter oder einem angeblichen Adventure? Auch toll ist, das die Gespräche mit Zeitbalken laufen, wähle ganz schnell was du ansprechen willst sonst ist das Gespräch vorbei…das nicht, es läuft dann eben automatisch weiter. Wofür dann überhaupt die Wahl des Gesprächsthemas, wenn das Spiel am Ende eh noch alles andere und wichtige automatisch ausführt? Das Gameplay ist wirklich nicht gut, man gewöhnt sich natürlich daran und dann kommt man mit dieser Art der Steuerung auch zurecht – aber es ist einfach so, das selbst die alten Sierra Spiele der 80er mit dem Parser nicht so verdammt nervig und umständlich waren wie das System hier.

Grafisch ist das Spiel, wenn man das Alter bedenkt, gut. Vor allem die Animationen wissen zu überzeugen. Leider sehen dafür eine Gebäude und Gelände nicht wirklich detailliert aus. Die Hauptorte wie die Polizeistation oder Lucas Wohnung sind gut, aber die Straßen von New York, oder die Untergrundbereiche sind weniger gut in Szene gesetzt.
Auch die Musik ist gut, es gibt atmosphärische Stücke und lizenzierte Musik, etwa von Ben E. King oder Nina Simone die sehr gut zu den jeweiligen Szenen passt. Hier wurde wirklich gute Arbeit geleistet. Auch die Sprecher sind sehr gut gewählt und machen ihre Sache gut, der bekannteste Sprecher ist wohl David Gasman (Tyler) der in unzähligen anderen Spielen und Animationsfilmen zu hören ist.

Fahrenheit hat mir, Steuerungsmängel außer Acht gelassen, in der ersten Hälfte richtig gut gefallen. Die Handlung ist einfach klasse und man will wissen, wie es weiter geht und was passiert. Auch die ungewöhnliche Methode, direkt drei Charaktere zu steuern finde ich genial.
Leider zerfällt die Handlung dann sehr schnell und wird immer mieser, bis man sich knapp auf dem Level schlechter amerikanischer Fernsehfilme befindet die vielleicht auf SyFy laufen würden. Das zieht den Spielspaß einfach runter und auch wenn es 3 unterschiedliche Enden gibt: Keines davon macht wirklich Sinn.
So ist es schade, dass aus einer anfangs großartigen Idee ein so undurchdachtes und vielleicht sogar unfertig wirkendes „Spiele“ wurde. Das Potential für besseres war vorhanden…

Publisher: Atari
Developer: Quantic Dream
Erscheinungsjahr: 2005
Erschienen für: PC, PS2, Xbox
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Wählbar

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Grafik7,5/10  Spielspass
Sound9/10
6,5/10
Gameplay 7,5/10
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Letzte Aktualisierung ( 16.04.2011 )
 
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