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Es musste ja soweit kommen, dass auch ich mal dieses merkwürdige Genre der Fußballmanager anspiele. Auch wenn ich mich jahrelang gefragt habe, was so interessant daran sein kann, dass scheinbar halb Deutschland diese Dinger kauft, sie stehen in den Verkaufscharts meist ganz oben. Fußball Manager…das bedeutet, man spielt nicht selbst, sondern stellt das Team lediglich auf und ansonsten darf man sich um Bilanzen kümmern. Irgendwie denk ich da an BWL und das ist gruselig.
Aber gut, nun habe ich also mal einen ausprobiert und mich für den von EA entschieden, steht EA doch meist für simple, einsteigerfreundliche Spiele, die keine große Herausforderung darstellen. Das beste also für den Anfang und man bekommt auch noch viele Länder mit den offiziellen Lizenzen. Angefangen hab ich aber dann doch nicht mit 1860, sondern mit einer eigenen Mannschaft, dank eines umfangreichen Editors kann man an dem Spiel recht viel verändern und auch ein eigenes Team kreieren. Schon beim Spielstart wird man mit Optionen überhäuft. Man darf auswählen, ob man eine Karriere startet und dann Angebote interessierter (und meist schlechter Clubs kriegt), ob man sich sein Wunschteam raussucht und vielleicht auch noch gleich Nationaltrainer wird. Dann erstellt man sich selbst als Manager und kann sich auch gleich noch eine komplette Familie basteln.
Ganz wichtig ist natürlich die Wahl der Ligen. Hier gibt es sehr viele Länder zur Auswahl aber oft nur mit der ersten Liga. Lediglich in Deutschland oder England hat man die Möglichkeit 4-5 Ligen zu spielen. In erster Linie ist diese Wahl natürlich wichtig für einen Vereinswechsel, aber natürlich auch für die Pokale und die Transferliste. Bei nicht ausgewählten Ländern werden nämlich nur noch eine Handvoll Mannschaften simuliert. Zu viele Ligen sollten es dann aber auch nicht sein, da so natürlich die Ladezeiten in die Höhe getrieben werden.
Was man dann im Spiel sieht, gleicht einem Overkill an Funktionen. Man kann nicht nur sein Profiteam trainieren und aufstellen, sondern auch noch die 2. Mannschaft steuern und des weiteren unzählige Jugendteams. Trainingspläne wollen auch erstellt werden und man kann noch jedem einzelnen Spieler einen Trainingsschwerpunkt verpassen. Da ist man doch froh, dass es einen Menüpunkt weiter die Option für Angestellte gibt. Diverse Co- und Jugendtrainer, Geschäftsführer, Fantartikelmanager….alle mit unterschiedlichen Fähigkeiten, denen man die Arbeit anhängen kann. Wer will sich schon wirklich ständig um die ganzen Jugendteams kümmern? Da man auch noch Manager ist, kann man sich um das Finanzielle kümmern. Werbeverträge wollen abgeschlossen werden, man muss die Fans zufrieden stellen und ein tolles Stadion will jeder Verein. Das Stadion kann man ausbauen und zumindest im kleinen Rahmen selbst gestalten. Schade hierbei ist eben die fehlende Freiheit, eigentlich müsste man doch die Wahl zwischen unzähligen Stadiondächern und Kram haben, den man ins Stadion stellen kann. Aber man kann z.B. seine Anzeigetafel praktisch immer nur ans Dach hängen und die Bank für die Ersatzspieler ist eine billige Parkbank, die ich so zu vor noch nie in einem Stadion gesehen habe. Hier kann man auf jeden Fall noch vieles verbessern. Neben dem Stadion gibt es das Stadionumfeld, wo die Vereinsgebäude und Trainingsplätze stehen. Auch diese kann man ausbauen und da das Ganze wie Sim City aussieht, haben sich die Entwickler wohl gedacht, dass sie noch tausend unnötige Gebäude dazu geben. Den Sinn von Parkhäusern, Pommesbuden und Hotels als Service für die Fans verstehe ich ja noch. Aber das man sich dann noch Kirchen, Flughäfen und einen kompletten Vergnügungspark mit Achterbahn & Co. bauen kann, finde ich dann schon eher etwas lächerlich, zumal man das Geld dann doch lieber in die Mannschaft stecken sollte und nicht in eine Disco. Für die Jugendarbeit kann man Camps errichten und das in unterschiedlichen Qualitätsstufen, je besser, desto bessere Spieler kommen. Man kann auch Trainer dafür anstellen. Da die anderen Vereine auch Camps bauen, beginnt hier schnell ein teurer Kampf um die Spieler. Schade ist hierbei, dass man nur in ganz wenigen Ländern solche Camps bauen darf. Das ganze Westeuropa ist praktisch nicht vorhanden, stattdessen darf man nur in Ländern wie Bulgarien oder der Ukraine was bauen. Das ist schade. Das praktisch gleiche Problem der geringen Auswahl hat man auch bei den Trainingslagern für die Teams. Je nach dem, in welchem Land man spielt, hat man nur eine kleine Auswahl. In Deutschland ist man meist auf Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Spanien, Türkei und 1-2 nordafrikanische Länder beschränkt. Das Team nach Südamerika zu schicken kann man vergessen. Spielt man dagegen z.B. in England darf man englische, Schweizer und Franzöische Lager nutzen. Auch wenn diese Trainingslager unterschiedliche Wertungen in Bereichen wie Form oder Regeneration haben, wäre eine größere, realistischere Wahl auf der ganzen Welt doch wesentlich besser. Hat man sich durch diesen Wust an Optionen gekämpft, steht meist schon das nächste Spiel an. Dieses kann man sich auf 4 verschiedene Arten ansehen. Die Sofortberechnung bietet nur einen Balken und eine Anzeige des Ergebnisses. Auf Wunsch kann man in der Halbzeit Auswechslungen vornehmen. Der Videotextmodus ist überflüssig. Dann gibt es den Textmodus, in dem man das Spiel in Textform sehen kann und auf Wunsch auch eingreifen darf. In bestimmten Situationen hat man die Wahl, ob der Spieler nun den Ball abgeben oder aufs Tor schießen soll. Aber er hält sich natürlich nicht immer daran. Mitunter wird man deswegen auf die Tribüne geschickt. Als letztes hat man den 3D Modus. Hier sieht man das Spiel praktisch live, wobei es natürlich zeitbeschleunigt abläuft. Auf Wunsch kann man hier auch die Steuerung eines Spielers übernehmen, allerdings darf man sich nicht sofort den Star der Mannschaft auswählen, das ist abhängig vom Managerlevel, der durch Erfolge steigt. Ein PES darf man hierbei natürlich nicht erwarten, die Steuerung ist recht einfach gehalten und das Ganze spielt sich recht unrealistisch. Aber wir haben es ja hier mit einem Manager zu tun, deshalb wählt man diese Option wohl eh kaum aus.
Verstärkt Wert wurde auch auf den Manager an sich gelegt. Wie gesagt, kann man sich eine Familie erstellen und der Lebenspartner gibt dann gerne das Geld aus oder will Geschenke haben. Ist man erfolgreich, kriegt man tolle Verträge und zusätzlich ab und zu private Sponsorenverträge. Das Geld kann man sparen, dem Verein geben oder in unnützen Plunder wie Autos, Häuser oder Kram wie eine Sauna und einen Tennisplatz investieren. Ist man geschätzte 100 Jahre erfolgreich bei seinem Verein hat man aber auch vielleicht so viel Geld verdient, das man gleich den eigenen Verein aufkaufen kann. Dann muss man sich nicht mehr mit den lächerlichen Budgetvorgaben des Vorstandes rumschlagen und wird auch nicht mehr rausgeworfen. Man kann den Verein auch wieder verkaufen, dann ist man aber sofort arbeitslos, was auch recht merkwürdig ist.
Arbeitslosigkeit ist wohl das schlimmste in diesem Spiel, denn meist melden sich nach langer Zeit nur lahme Teams wie Köln oder ein japanischer Club. Selbst nachdem ich 6x in Folge deutscher Meister wurde und auch international diverse Cups holte, hat es ewig gedauert, bis sich mal ein namhafter Club (Manchester) meldete und die standen zu der Zeit recht abgeschlagen im Mittelfeld. Selbst wenn man dann weiterhin sehr erfolgreich ist, haben nur wenige Mannschaften Interesse, meist sind es schlechtere Ligakollegen oder es wird völlig unrealistisch und ein kleines Team, das in der japanischen Liga im Mittelfeld steht, kommt an.
Spaß gemacht hat mir der FM07 schon, aber natürlich ist er nicht frei von Fehlern, sondern wieder mal hat man den Eindruck, das es bei EA hauptsächlich darum geht, mit vielen Features protzen zu können und so ganz nebenbei die elementaren Dinge zu vernachlässigen. Es gibt also 4 verschiedene Spielansichten, simuliert man nun ein Spiel nacheinander in allen 4 ohne jeweils etwas zu verändern, kommen mitunter merkwürdige Ergebnisse zustande. Generell gilt: Bei der Sofortberechnung fallen die meisten Tore. Schräge Ergebnisse wie ein 8:6 oder 6:6 sind da schon fast an der Tagesordnung. Im 3D Modus fallen so gut wie keine Tore und der Textmodus ist am ausgeglichensten. Zwischendrin war ich mal Nationaltrainerin der Schweiz und während ich gegen die Faröer Inseln im Textmodus locker-lässig 16:0 gewann, gab es im 3D Modus ein sehr knappes 4:2, was wohl schon alles sagt. Insgesamt hat man den Eindruck, die Spielberechnung ist alles andere als ausgereift oder das Spiel versucht alles krampfhaft spannend zu halten. Absolut dominierend ist man selten und wenn man dann mal 10 Punkte Vorsprung in der Liga auf den 2. hat, passiert eine merkwürdige Niederlagenserie. Eine 6:0 Niederlage gegen den schwachen Tabellenletzten, gefolgt von einer 3:6 Niederlage gegen den 10. mag vielleicht nicht so unrealistisch sein, aber wenn es jedes Jahr zu so etwas kommt und dann meist eine Serie daraus wird, wird man schon stutzig. Mit der Schweiz spielte ich bei der EM gegen Argentinien. Ich brauchte nur noch einen Punkt für das weiterkommen. Nicht so unmöglich und mein Team überraschte mich mit einer 4:1 Führung zur Halbzeit. Ein Sieg gegen dieses übermächtige Team? Natürlich nicht, denn in Halbzeit zwei schossen diese innerhalb von 30 Minuten mal eben 4 Tore. Auffällig ist auch die hohe Zahl an Elfmetern…2-4 pro Spiel sind recht normal. Dazu jede Menge Karten und Verletzungen, mitunter waren 5 Spieler von mir gleichzeitig verletzt. Im Textmodus passiert es auch, dass der Schiedsrichter sehr oft klare Torchancen verhindert, weil er im Weg steht und das auch mal locker 4x pro Spiel. Man kriegt da schon fast den Eindruck gerade den Textmodus hat wohl ein Azubi kurz vor Feierabend schnell noch zusammengestümpert
Dazu haben sich noch die typischen kleinen Fehler eingeschlichen. Man besitzt den Verein selbst, aber trotzdem gibt es plötzlich einen Präsidenten der 150.000€ in den Verein steckt. Das Spiel mag Frauen wohl auch nicht, zumindest auf der Kicker Website und von meinen tollen „Fans“ wurde ich immer männlich bezeichnet und Schreibfehler finden sich vor allem in den Nachrichten zuhauf. Über solche kleine Fehler kann man aber noch hinwegsehen.
Recht nervig sind die Ladezeiten. Der Wochenablauf dauert selbst bei nur 5-6 ausgewählten Ländern gut und gerne 2 Minuten, wobei vor allem beim Wechsel von Dienstag auf Mittwoch das Spiel fast schon hängen bleibt. Aber so hat man wenigstens mal wieder die Zeit ein Buch zu lesen.
Grafisch sieht das ganze recht nett aus, grafische Leistungen darf man bei einem Manager eben nicht erwarten, aber es passt schon. Eine absolute Katastrophe ist die mitgelieferte Musik, die sich mal gern auf billiges 70er Jahre Porno Niveau begibt und extrem nervig ist. Zumindest hat man die Möglichkeit eigene Musik in diesem eingebauten Player abspielen zu können. Die Soundeffekte sind in Ordnung.
Fußball Manager 07 ist ein recht zweischneidiges Schwert. Spaß macht es und die vielen Möglichkeiten sorgen auf jeden Fall für Langzeitmotivation. Die völlig übertriebenen Gehalts- und Ablöseforderungen und noch viel mehr die absolut misslungene Spielsimulation mit völlig absurden Ergebnissen, sorgt aber schon sehr oft für Frustmomente, die man eigentlich locker hätte vermeiden können, wenn nicht gar müssen.
Publisher: Electronic Arts Developer: Bright Future Erscheinungsjahr: 2006 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1-4 Schwierigkeitsgrad: Wählbar 
| Grafik | 7/10 | | Spielspass | | Sound | 5/10 | 6,5/10 | | Gameplay | 8/10 |
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