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Wir schreiben das Jahr 2006. Das Adventuregenre erfreute sich wieder größerer Beliebtheit, einige hochklassige Titel waren erschienen: Black Mirror, Still Life, The Moment of Silence oder Runaway. Jedoch hatten diese auch allesamt Mankos: Von unnötigen Laufwegen, umständlichen Dialogsystemen, teils liebloser Synchronisation, nervigen Logikrätseln, noch nervigerer Pixelsucherei bis hin dazu, dass man Gegenstände erst nehmen kann oder findet, wenn man sie braucht. Und dann kam Nina.
Nina Kalenkow, die Heldin in dem Spiel des deutschen Entwicklers Fusionsphere Systems, machte dies alles besser. Komfortable Funktionen, wie dass man sich alle Hot Spots per Druck auf die Leertaste anzeigen lassen kann, dass es eine integrierte Lösungshilfe gibt oder dass unnötige Laufwege vermieden werden. Kurzum: Geheimakte Tunguska war das komfortabelste Adventure, das bis zu dem Zeitpunkt erschienen ist. Natürlich ist das nicht alles, und die Frage ist: Kann auch der Rest überzeugen?
Ein tolles Intro saugt einen sofort in die Geschichte. 1908 geschah ein mysteriöses Flammeninferno in Tunguska im tiefsten Sibirien. Lange vergessen, bis der Vater von Nina Kalenkow von merkwürdigen Robenträgern entführt wurde. Natürlich ist da ein Zusammenhang, und Nina und ihr Freund Max (teilweise kooperativ spielbar) machen sich auf, die Geheimnisse zu entschleiern. Was nun beginnt, ist eine spannende Abenteuerreise quer um die Welt mit zahlreichen, fantastisch aussehenden Schauplätzen, guten Animationen und seltsamen Typen. So ist man unter anderem mit der Transsib unterwegs, in alten Burgruinen in Irland, es geht nach Kuba sowie nach China.
Synchronisation und Musik sind ebenfalls gelungen, die Stimmen wirken glaubwürdig und passend. Dialoge lassen sich jederzeit abkürzen, wenn man das möchte. Ein großer Knackpunkt sind natürlich immer die Rätsel – gerade hier hat man ganze Arbeit geleistet. Profis mag das fast zu einfach sein, ich finde das angemessen. Denn es ist alles logisch nachvollziehbar, mit ein bisschen nachdenken kann man immer auf eine Lösung kommen und die Geschichte kommt gut voran. Geheimakte Tunguska spielt sich also sehr flüssig und angenehm. Und kommt man einmal nicht so recht weiter, bleibt immer noch ein Blick in die Rätselhilfe, die nicht plump sofort alles verrät, sondern erstmal nur Tipps gibt. Außerdem werden in einem Tagebuch wichtige Begegnungen, Geschehnisse und Schriftstücke aufgeführt, so dass man jederzeit noch einmal nachlesen kann und nicht den faden verliert..
Einziger Kritikpunkt für mich ist, dass die Geheimakte teilweise etwas bieder daherkommt. Die Anspielungen an Filme, Serien oder andere Adventurehelden sind oft doch etwas bieder. Ebenfalls ist die Story zwar spannend und gut inszeniert, bleibt aber eben hinter der Klasse eines Black Mirror zurück.
Sei es drum: Geheimakte Adventure ist trotz allem ein Tipp für Adventurefreunde – und muffel, denn spielenswert und unterhaltsam ist die Reise nach Tunguska allemal. Wer die normale Version besitzt, sollte sich auf jeden Fall den Patch 1.02 herunterladen, denn das auf Wunsch der Fans implementierte alternative Ende erzählt, wie es mit den im Spiel getroffenen Charakteren weitergeht. Und das ist einfach sehr nett gemacht. Klein, unscheinbar und ohne großes Brimborium kam Geheimakte Tunguska daher. Doch in Punkto Komfort setzte es Maßstäbe und lehrte die übermächtige Konkurrenz das Fürchten. Völlig zu recht wird es als eines der besten Adventures der letzten Jahre bezeichnet. Da es inzwischen für nur noch 10 Euro zu haben ist, kann man bedenkenlos zuschlagen wenn man sich ein bisschen für Adventures begeistern kann. Alle anderen sollten sicherheitshalber noch mal die Demo anspielen.
Publisher: Deep Silver Developer: Animation Arts/Fusionsphere Systems Erscheinungsjahr: 2006 Erschienen für: PC, Nintendo DS, Wii Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: mittel
 
| Grafik | 9/10 | | Spielspass | | Sound | 8,5/10 | 8,5/10 | | Gameplay | 10/10 |
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