|
Gore – Ja, bei dem Namen hofft man auf herumfliegende Körperteile, viel Blut und andere Gemeinheiten, die bei der Bundesprüfstelle für schlaflose Nächte sorgen. Spielt man dann aber Gore, bekommt man den Eindruck, einer Mogelverpackung verfallen zu sein.
In Gore wird mal wieder eine düstere Zukunftsvision beschrieben, von der Polizei, die keine Chance mehr gegen die bösen Gangsterbanden hat und einer Art Militäreinheit, die richtig starke Soldaten in der Meat Machine produziert. In selbiger findet man sich nach dem Spielstart wieder. Was als Tutorial gekennzeichnet ist, verwandelt sich schon recht bald in Level 1 und den Start des Spiels. Schon schnell geht es zur Sache und man trifft auf die ersten Gegner. Zumindest hier ist man noch in Begleitung einiger CPU-gesteuerter Kollegen, aber schon bei Level 3 ist man dann wieder allein unterwegs und das ist auch besser so. Persönlich sind mir selten so minderbemittelte Mitstreiter begegnet. Nicht nur, dass sie ständig im Weg stehen, schießen sie sich auch gegenseitig zu Tode und überlassen den Feinden das Feld. Was hierbei ganz besonders nervt, ist die Sprachausgabe, denn da wird sich lautstark beklagt, dass man doch zum gleichen Team gehöre und sich nicht anschießen sollte.
Neben der kaum vorhandenen Handlung fällt auch das Leveldesign eher negativ auf. Es ist absolut linear, richtige Geheimverstecke gibt es nicht. Es gibt auch sonst kaum was zu entdecken und so rennt man immer der Nase lang nach zum Ziel. Die Missionsziele werden zwar vor jedem Start ausgeben, sind aber im Prinzip auch nur eine Alibi-Funktion. Denn selbst, wenn es heißt, dass man einen Datendieb stoppen muss, ist das eigentliche Ziel des Levels vom Startplatz zum Ende zu gelangen. Den Datendieb verfolgt man dabei zwar, allerdings befindet sich dieser im God-Mode, so dass er auf jeden Fall fliehen kann. Spaß macht so was nicht. Zum Einsammeln gibt es die üblichen Ammokisten und Healthpacks, interessant ist aber, dass man diese durch Beschuss zu einer größeren Explosion bewegen kann. Taktisch könnte man das nutzen um Feinde in die Falle zu locken, allerdings ist Gore kein Spiel bei dem man taktisch vorgeht. So ist das Ganze eher überflüssig. Ebenso überflüssig ist der merkwürdige Ausdauerbalken. Rennt und springt man viel rum, geht die Ausdauer herunter, was noch verstärkt wird, wenn man dabei eine größere Waffe in der Hand hatte. So kann man irgendwann nicht mehr springen und wenn man es übertreibt, wird man für einen kurzen Moment bewusstlos. Sinn macht so was in einem Taktik-Shooter durchaus, aber bei einem reinen Arcade-Gemetzel? Eher nicht würde ich sagen.
Im weiteren Verlauf kommt der Eindruck hinzu, dass man hier einfach einige Maps, die für einen Online-Shooter geplant waren, genommen und aneinander gereiht hat. Anders lässt es sich nicht erklären, dass man zuerst in einer düsteren Stadt unterwegs ist, dann aber plötzlich im sonnigen Ägypten, in einer Westernstadt, einem Grusellevel samt Geisterhaus und Friedhof sowie einer Weltraumstation. Vielleicht soll uns das aber auch nur zeigen, was die Macher so für First Person Shooter vor der Erstellung ihres Debütwerkes spielten: Serious Sam, Outlaws, Kinpin und Quake 3 Arena wären wohl die Kandidaten. Was die Entwickler 4D Rulers dabei aber übersehen haben, war der Fakt, dass diese Spiele wenigstens an die Settings angepasste Feinde boten. In Gore trifft man auf die immer gleichen 3-4 unterschiedlichen Gangster, die sich aus Punktussi, Redneck samt Bierdose oder Skelette. Der Endgegner ist dann gar eine dreiste Kopie des Cyberdemon aus Doom. Intelligenz darf man bei den Gegnern nicht erwarten, es passiert sogar oft genug, dass sie erst auf den Spieler reagieren, wenn dieser schon das Feuer eröffnet hat, ansonsten stehen sie dumm guckend rum.
An Waffen wird das übliche Arsenal aus Pistole, Pumpgun, Flammenwerfer, Sniper MG und Raketenwerfer und ähnlichem geboten. Nicht wirklich revolutionär, genauso wie die Sekundärfunktionen. Die Pumpgun baut ein Schutzschild auf, die MG wirft Gasgranaten, deren Wirkung absolut minimal ist und zu spät einsetzt und generell sind die Waffen extrem schlecht ausbalanciert. Die Pistole ist nutzlos, der Raketenwerfer ist schwächer als die Pumpgun, wobei das Programm scheinbar willkürlich auswürfelt, wie viel Schaden jetzt gemacht wird. Der gleiche Rednecktyp kann von einer Rakete sofort zerfetzt werden oder rennt einfach weiter auf den Spieler zu, so als wäre nichts gewesen. Schlimm ist das vor allem in späteren Levels, wo, wie bei Serious Sam, 10-20 Gegner gleichzeitig angerannt kommen. Da wünscht man sich einfach eine durchschlagkräftige Waffe.
Neben dem Einzelspielermodus gibt es noch diverse Multiplayeroptionen. Die Standards wie Deathmatch, Team Deathmatch und Capture the Flag werden ebenso abgedeckt wie VIP Modus, 1on1 Duel oder Extermination, wo ein Team ein anderes beseitigen muss um eine Runde zu gewinnen. Durch einen Patch kam auch ein Coop Modus dazu, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich freiwillige finden, die sich dieses Spiel antun.
Grafisch sieht man dem Spiel das Alter an. Damals sah es noch halbwegs in Ordnung auf, mittlerweile wirkt die farbarme, kantige Grafik aber einfach nur alt. Auch die Animationen könnten besser sein. Zum 6jährigen Jubiläum brachte der Entwickler eine überarbeitete Version heraus, von den Screenshots her zu urteilen, hat sich aber nicht sonderlich viel getan. Die Musik besteht aus gekonnt unspektakulärem Gedudel, das nicht hängen bleibt. Selbst jetzt, nur wenige Minuten nach dem ich das Spiel beendet habe, weiß ich schon gar nicht mehr, wie die Musik eigentlich war und das sagt wohl alles. Die Waffen sind dafür schön laut. Sprachausgabe gibt es auch. Am Anfang jeder Mission bekommt man überflüssige Anweisungen. So wurde mir in Level 3 gesagt, das ich jetzt im Feindesland wäre und auf alles schießen soll, was sich bewegt – was ich allerdings in den vorherigen 2 Levels auch schon tat. Die Gegner rennen meist fluchend auf den Spieler zu, wobei das ganze nicht witzig, sondern einfach nur peinlich und nervig ist.
Ala Fazit bleibt zu sagen, das Gore ein Spiel ist, das nicht überflüssiger sein könnte. Wie man einen simplen Arcade-Shooter so dermaßen in den Sand setzen kann und von Gameplay über Leveldesign zu KI alles falsch machen, verstehe ich absolut nicht. Es mag das erste Spiel von 4D Rulers sein, aber wenn die Gerüchte stimmen, dass daran 4 Jahre gearbeite wurde, ist das Endergebnis einfach katastrophal.
Das Spiel gibt es mittlerweile in einer grafisch etwas überarbeiteten und mit weiteren Levels ausgestatteten Version gratis zum Download.
Publisher: Dreamcatcher Developer: 4D Rulers Erscheinungsjahr: 2002 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
 
| Grafik | 6/10 | | Spielspass | | Sound | 5,5/10 | 3/10 | | Gameplay | 4/10 |
Im Forum kommentieren |