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Mitte der 90er war die Formel 1 auf dem Höhepunkt ihrer Popularität, das kann man wohl so sagen. Die Duelle zwischen Michael Schumacher und Damon Hill bzw. Mika Häkkinen haben Millionen vor den Fernseher gezogen, die es plötzlich unterhaltsam fanden, Autos zuzusehen, die 2 Stunden lang praktisch im Kreis fahren. Mittlerweile ist der Hype um die Formel 1 ziemlich vorbei, es zeigt sich auch daran, dass praktisch kaum noch Spiele zum Thema Formel 1 kommen. Wogegen es Mitte der 90er eine riesige Welle gab, vor allem an den Managern.
Neben Software 2000 und ihrem F1 Manager sowie Ascaron mit Pole Position wagte sich auch Microprose etwa zur gleichen Zeit in dieses Thema. Formel 1 Erfahrung hatten sie ja bereits durch die F1 Grand Prix Reihe. Der Grand Prix Manager erschien 1995, der Nachfolger ein Jahr später und um diesen geht es hier. Den Vorgänger hab ich nie gespielt, aber allein von den Screenshots her kann man feststellen, dass es wohl keine allzu großen Unterschiede gibt.
Schon bevor man das Programm überhaupt startet, kommt die erste blöde Meldung: Dieses Spiel läuft nur mit 256 Farben. Was bedeutet, dass man erstmal die Farbtiefe des Desktops ändern kann und 256 Farben sehen grässlich aus. Warum macht man so einen Mist? Das Spiel selbst startet dann in einem Fenster, die Möglichkeit des Vollbildes gibt es nicht…
Im ersten Menü kann man einen Schnellstart wählen, wo man nur seinen Namen und das Team festlegt und sofort im Spiel landet. Dann gibt es noch die beiden etwas kryptisch wirkenden Bezeichnungen Langfristiger und kurzfristiger Vertrag. Hinter dem langfristigen Vertrag verbirgt sich das eigentliche Spiel das erstmal mit dem umfangreichen Editor startet. Man wählt sein Team, legt seinen Namen fest und dann kann man alles editieren. Möchte man nicht mit den Originalteams und -fahrern von 1996 loslegen, ändert man einfach die Namen und erstellt sein eigenes Team. Auch die Fahrer sowie die Angestellten kann man komplett modifizieren.
Der kurzfristige Modus ist eigentlich der Szenariomodus, hier gibt es einige Szenarien die man mit vorgegebenem Zeitlimit erreichen muss. Beispielsweise ein schlechtes Team nach oben bringen oder eine bestimmte Anzahl an Rennen gewinnen.
Maximal dürfen vier menschliche Spieler antreten.
Das Spielmenü ist recht übersichtlich. Eine Anzahl Buttons führt zu den diversen Untermenüs. Diese Buttons, sowie das Hintergrundbild sind modifizierbar. Optionstechnisch gibt es die üblichen Sachen. Man kann Angestellte einstellen, jede Abteilung hat einen Leiter und eine bestimmte Anzahl Mitarbeiter in unterschiedlichen Qualitätsstufen. Man muss sich in erster Linie um das Auto kümmern. Die Entwicklung eines neuen Chassis und neuer Einzelteile wie Aufhängung und Lenkung können angestrebt werden, natürlich können auch illegale Dinge wie Turbolader oder ABS entwickelt und eingesetzt werden. Wird man damit allerdings erwischt, drohen Disqualifikation und Geldstrafe.
Aber auch andere Menüpunkte sind wichtig. Vor allem das Merchandise und die PR. Die Angestellten der PR-Abteilung, kann man beauftragen dass sie potentielle Sponsoren anwerben. Je besser die das machen und je erfolgreicher man in den Rennen ist, desto eher sind sie bereit eine der zahlreichen Werbefelder auf Auto und Rennanzug zu kaufen. Zur weiteren Sponsorenfindung kann man auch Werbegeschenke wie T-Shirts oder Poster in Auftrag geben. Etwas merkwürdig ist das Merchandise geraten. Man kann nicht einfach allerlei Plunder mit dem Teamlogo auf den Markt werfen, man muss erst warten bis ein Hersteller ankommt und ein Angebot macht. Realistisch würde ich das nicht nennen, man will wohl verhindern dass man zu leicht zu viel Geld scheffelt. Um die Forschung neuer Fahrzeugteile voran zu treiben, kann man vielerlei neue Gebäude wie eine Fertigung oder einen Windkanal bauen. Wer zu faul zum forschen ist, kann auch bei der Konkurrenz spionieren. Auch das kann daneben gehen, wenn diese Teams ein gutes Sicherheitsunternehmen engagiert haben.
Das Auto muss man natürlich auch einstellen. Die Abstimmung der Getriebe, die Bremsen, Radaufhängung und die Flügel wollen angepasst werden und das passiert am besten durch unzählige Testrunden auf einer beliebigen Formel 1 Strecke. Man kann seinen Fahrern noch einen Testschwerpunkt geben wie „Was kann man verbessern“ oder „Fahr ein komplettes Rennen“. Danach geben die Fahrer Kommentare und Verbesserungsvorschläge ab, die mitunter aber etwas lächerlich sind. So beklagt sich mein Fahrer, das Auto wäre viel zu schwer, obwohl es gerade mal 2 Kilo über dem Mindestgewicht ist. Die 2 Kilo konnte ich durch einen kleineren Tank beseitigen, beklagt wurde sich aber immer noch.
Zum Glück muss man nicht auf sie hören und kann sie einfach in das Auto zwingen. Das erste Rennen steht an und das gesamte Wochenende mit allen Testfahrten und Warm-Ups wird simuliert. Woran man teilnimmt, kann man allerdings selbst bestimmen und so kann man sich auf die Qualifikation und das Rennen selbst beschränken. Dargestellt werden die Rennen aus der Vogelperspektive. Die Rennstrecke wird recht klein dargestellt und winzige Pixelflitzer rasen über den Asphalt. Einen 3D Modus wie beim F1 Manager gibt es leider nicht. Dafür werden kleine Animationen, beispielsweise bei Unfällen eingeblendet. Den Fahrern kann man Anweisungen geben, das sie aggressiver fahren sollen oder nicht auf die Reifen achten sollen. Dann ist man zum zusehen verdammt oder kann einfach das Rennergebnis sofort einblenden.
Aufgefallen ist mir hierbei, dass der beste Motor, das leichteste Auto und die besten Fahrer nicht unbedingt den Sieg bedeuten. Im Gegenteil, einen Sieg davon zu tragen ist eine nahezu unmögliche Aufgabe. Geschafft hab ich es nur, wenn ich vor dem Spielstart im Editor die Konkurrenz extrem geschwächt habe. Mein Team hat einen 5 Sterne Motor, alle anderen einen 1 Sterne Motor, die Angestellten und Fahrer der anderen Teams sind richtig schlecht – und trotzdem konnte man das Team selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad nicht dominieren und selbst wenn man das Qualifying so beherrscht hat, das die beiden Fahrer 20 Sekunden Vorsprung auf den Drittplatzierten haben. Im Rennen war dann alles plötzlich ausgeglichen und meine Fahrer landeten nur im Mittelfeld. Gewonnen haben dann nicht etwa Damon Hill oder Michael Schumacher sondern Fahrer aus der zweiten Reihe wie Olivier Panis.
Sehr nervig bei den Rennen sind auch die Einblendungen die man nicht deaktivieren kann. Vor jeder Boxenpause kommt ein Schild mit Kürzeln die eh kein Mensch passiert. Man muss es wegklicken, erst dann geht das Rennen weiter. Schafft ein Fahrer einen Rundenrekord, wird eine Meldung eingeblendet, auch hierbei wird das Rennen angehalten. Eine absolute Schikane.
Nach dem Rennen gibt es dann Zeitungsberichte und man ruft etwaige E-Mails der Angestellten oder der Rennleitung ab, die informieren, ob man Preisgeld gewonnen hat. Danach bereitet man sich auf das nächste Rennen vor.
Grafisch ist das Spiel sehr schlicht. Die Rennen sind das „grafische Highlight“ aber eben auch eher öde dargestellt, zumal bei den kleinen Pixelfahrzeugen nicht mal genau erkennen, welches Auto zu welchem Team gehört. Die Auflösung des Fensters ist auch fest auf 640x480 eingestellt. Die Menüs sind simpel und einfach, Animationen oder sonstiges gibt es nicht. Hier haben Pole Position und der F1 Manager eindeutig die Nase vorn. Musik scheint es auch keine zu geben, jedenfalls hat sich bei mir nichts getan. Die Rennsounds sind dagegen recht gut gelungen. Der Kommentar von Sascha Maassen (Wer auch immer das ist…) dagegen ist eher schlecht.
Grand Prix Manager 2 bietet an sich alles, was man von einem Formel 1 Manager erwartet. Die schlechte Präsentation, der merkwürdige Schwierigkeitsgrad und die ständig motzenden Fahrer sowie das unrealistische Merchandise sorgen aber dafür, dass der Spielspaß nicht gerade hoch ist. Ich werde das Spiel nach diesem Review jedenfalls nicht weiter spielen und halte mich da lieber an den Formel 1 Manager Professional.
Publisher: Micropose Developer: Edward Grabowski Communications Ltd. Erscheinungsjahr: 1996 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1-4 Schwierigkeitsgrad: Wählbar

| Grafik | 5,5/10 | | Spielspass | | Sound | 6/10 | 6/10 | | Gameplay | 6/10 |
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