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Schon seit Ende der 80er gab es Rundenstrategiespiele die mit RPG Elementen und Tiefgang aufwarten konnten. Spiele wie etwa Laser Squad. Das gleiche Programmierteam feierte später Erfolge mit den ersten Teilen der X-Com Reihe und das sich irgendwann Nachahmer einfinden würden, ist klar. Sir-Tech verband man lange Jahre eher mit Rollenspielen wie der langlebigen Wizardry Serie oder Realms of Arkania. Mitte der 90er sahen aber auch sie sich gezwungen, mal einen Abstecher in den Bereich der Rundenstrategie zu wagen. Jagged Alliance erschien 1994 für den PC. Schauplatz ist hier eine Insel namens Metavira, auf der sich ein Forscherteam niedergelassen hat, das entdeckte, das der Saft der Fallow-Bäume ein wunderbares Heilmittel für alles Mögliche ergibt. Diese revolutionäre Entdeckung führt natürlich zu Geld und Erfolg. Während Jack und Brenda trotz Geld und Ruhm weiterforschen und arbeiten, war ihr ehemaliger Kollege Santino nur auf den schnöden Mammon aus. Er hat sich flugs eine Terroristentruppe aus dem Ärmel geschüttelt und die Insel besetzt. Bis auf einen kleinen Quadranten, in dem die Roberts und ihre Helfer Widerstand leisten. Da die Übermacht aber zu groß ist, rufen sie Hilfe. Das A-Team hatte an diesem Tag wohl etwas anderes zu tun, also springt der Spieler ein, der mit einer Söldnertruppe Metavira aufräumen soll. Bevor es losgeht, wählt man erstmal den Schwierigkeitsgrad, der nicht nur bestimmt, wie aggressiv und zahlreich der Feind ist, sondern auch, mit welchem Geldbetrag man startet. Am Anfang braucht man das Geld für ein paar Söldner, die man bei A.I.M. engagiert. Was Jagged Alliance von den ganzen anderen Strategiespielen abhob und immer noch abhebt, sind eben jene Söldner. Alle haben eine Hintergrundgeschichte, einen Charakter und reagieren jeweils unterschiedlich auf ihre Kollegen. Das Spiel kann hier mit einer echten Freakshow aus 60 Söldnern aufwarten. Da hätten wir beispielsweise Ruben den Grausamen, der so heißt, weil er seine gesamte Familie mit einer drahtlosen Heckenschere zerlegte – und während der Tat noch 2x den Akku auflud (er stellt auch in dem Spiel eine echte Gefahr da, da er mitunter schon mal Söldner des eigenes Teams aus Spaß eliminiert), Tex der Cowboy oder Carl Goodman, der ehemalige Wrestler der leicht doof ist und einen Stein mit sich rumträgt oder der durchgeknallte Roachburn-Clan. Wer Jagged Alliance 2 kennt, kennt auch einige Söldner, aber nicht alle, denn viele tauchten nur in diesem Spiel auf und nur hier kann man Mike, den Übersöldner engagieren. Vorausgesetzt, man ist gut genug. Denn anders als im Nachfolger arbeiten am Anfang nur die schlechtesten Söldner für den Spieler, alle anderen warten erstmal ab, wie die Mission verläuft. Während man in Teil 2 feste Verträge abschließt, arbeiten die Kämpfer hier auf freier Basis und werden jeden Tag bezahlt. Was natürlich auch bedeutet, dass sie einfach gehen können. Etwa, weil man zu viele Kämpfe verliert oder weil zu viele andere Söldner ihr Leben ließen. Mitunter verschwinden Söldner aber auch, weil man zwei Erzfeinde im Team hat, neben dummen Sprüchen kann es schon mal passieren, dass einer den anderen entsorgt. So mag der Kubaner Fidel einen anderen Söldner, Hurl E. Cutter, nicht und so verschwand dieser plötzlich in einer dunklen Nacht. Ebenfalls gänzlich anders ist auch das Gamelay. Während man im Nachfolger Tag und Nacht durch das Land rennen und kämpfen konnte, wird hier nur von morgens bis zum Abend gearbeitet, danach geht es zurück ins Camp. Hierbei werden nach jedem Tag nicht nur die Gehälter bezahlt sondern auch die Fähigkeiten der Söldner auf- oder abgewertet. An jedem Tag kann man auch bestimmen, ob man alle Söldner mitnimmt oder welche im Camp zurückbleiben, um etwa starke Verletzungen richtig auszukurieren, zu trainieren oder Waffen zu reparieren. Metavira besteht aus insgesamt 60 Sektoren, die größtenteils aus Dschungel bestehen. In der Mitte der Insel gibt es eine Art Wüste mit toten Bäumen, wo eine große Bombe explodiert sei. Viele Gebäude wie Fabriken, Krankenhäuser oder Strohhüten stehen in der Landschaft und sorgen für Spannung, da man in den engen Gängen eher vorsichtig mit Granaten oder Mörsern umgehen sollte. Die Soldaten Santinos sind auch nicht dumm. Sie vergruben überall Minen, bauten Sprengsätze an Brücken und sprengen schon mal die Fabriken, bevor sie den Kampf endgültig verlieren. Gerade das sprengen der Brücken ist eine der fiesesten Tricks. Oft genug ist es mir passiert, dass meine Söldner auf einer Brücke standen und der Feind dann einfach die Sprengung startete – und schon lagen meine Kämpfer halbtot in der Gegend rum. Ebenfalls ein gefährlicher Feind ist das Wasser. Manche Söldner können nicht schwimmen, andere werden von gefährlichen Monsterviechern angegriffen. Auch hier kann es passieren, dass sie einen schnellen Tod finden. Hat man aber dann einen Sektor gewonnen, kann man nicht nur feiern, sondern muss auch dafür sorgen, dass man ihn nicht wieder verliert. Dafür verschiebt man einheimische Miliz, die automatisch gegen anrückende Feinde kämpft. Vor Tagesanbruch kann man immer neue Milizen kaufen, aber die kosten natürlich ebenfalls Geld, genauso wie die Baumzapfer, die man aber braucht, denn genau darüber verdient man wiederum selbiges. Ebenfalls ein Unterschied zum Nachfolger sind die Waffen. Bobby Ray’s gab es hier noch nicht, so startet man generell mit den billigsten Waffen, hauptsächlich der .38er Pistole und muss dann hoffen, dass gefallene Gegner etwas Besseres hinterlassen oder man gute Waffen in Kisten findet. Es gibt nur relativ wenige Waffen, einige Pistolen (.38er, 9mm, .357 Magnum), Maschinengewehre (M14, M16), Schrotflinten, Granaten (Handgranate, Senfgasgranate, Tränengasgranate usw.) und modifizierte Versionen der Waffen, wenn man etwa ein Zielfernrohr oder einen Schalldämpfer dran schraubt. Man darf auch Waffen aus der Kombination verschiedener Gegenstände, die man findet, zusammenbauen. Ein bisschen Sprengstoff und ein Zünder ergeben eine Zeitbombe. Ein Glas das mit Benzin und Öl gefüllt wird, wird zum Molotow-Cocktail wenn man noch ein Stück Stoff findet. So startet man in einem Sektor und muss die Feinde suchen, da die natürlich am Anfang unsichtbar sind. Das Gameplay ist dabei leider nicht gerade intuitiv geraten. Die Steuerung, die größtenteils über die Maus erfolgt, ist zwar in Ordnung, das nervigste Problem ist aber die Auswahl der Söldner, da man, wenn man sie über die Portraits an den Seiten ausführt, immer zweimal klicken muss um sie auch wirklich auszuwählen. Im Eifer des Gefechts passiert es schon, das man mal nur einmal klickt, denkt das passt schon so und einen Weg vorgibt – den dann der bisherige Söldner läuft. Ebenso gewöhnungsbedürftig ist der sehr kleine Bildausschnitt. VGA kam hier noch zum Einsatz, dementsprechend grob und groß ist alles dargestellt. Zwar kann man die Portraits und Menübalken ausblenden um ein größeres Bild zu haben, aber dann fehlen die mitunter wichtigen Informationen. Hier wäre SVGA mit höherer Auflösung wünschenswert gewesen. Gerade weil die Landschaft sonst eigentlich schön gestaltet ist. Die Häuser mit Einrichtung sehen gut aus und auch die Explosionen sehen ganz in Ordnung aus. Die Musik ist dagegen recht nervig. Das Midi-Gedudel klingt zwar dramatisch und passt zur Action, wiederholt sich aber laufend und nervt dann schon etwas. Die Soundeffekte sind in Ordnung, auch wenn die Waffen natürlich nicht so wirklich realistisch klingen, aber sie machen Krach genauso wie die Explosionen und das ist ja das wichtigste. Die Sprachausgabe ist dagegen das Highlight. Die Söldner haben unzählige Texte die sie aufsagen und ihnen sehr viel Persönlichkeit verleihen. Man denke da nur an Ivan der nur russisch redet oder Speck der einfach ein Nerd ist. Die Originalversion in Englisch ist hierbei natürlich zu bevorzugen, die Stimmen in der deutschen Version passen meist nicht so wirklich. Vor allem Magic hat eine völlig unpassende abbekommen. Die künstliche Intelligenz ist auch so eine Sache. Das Spiel ist jederzeit sehr herausfordernd und gerade die späteren Sektoren sind sehr herausfordernd. Das liegt aber mehr am Waffenarsenal. Die CPU trifft praktisch immer mit ihren Granaten. Dagegen kann es schon mal vorkommen, dass Feinde auf der offenen Wiese stehen und sinnlos ein ganzes Magazin in die Gegend feuern. Teilweise zumindest ziehen sie sich aber auch zurück, wenn sie zu stark verwundet sind. Der Nachfolger Jagged Alliance 2 ist natürlich wesentlich bekannter und beseitigte zumindest das Perspektivproblem. Das aber bedeutet nicht, dass dieser erste Teil schlecht ist und nicht mehr des Startens wert wäre. Denn der Kampf um Metavira ist eben auch eine Herausforderung, es gibt beim Gameplay so einige Unterschiede und vor allem einige andere Söldner, die man erlebt haben muss. Insofern ist es auch heute noch eine Empfehlung für jeden Fan von Strategiespielen. Publisher: Sir-Tech Developer: MadLabs/Sir-Tech Erscheinungsjahr: 1994 Erschienen für: PC, Nintendo DS Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Wählbar 
| Grafik | 6/10 | | Spielspass | | Sound | 7,5/10 | 8/10 | | Gameplay | 8/10 |
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