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Sequels, Sequels, Sequels – gerade heutzutage kriegt man den Eindruck, das 70 % des Spielemarktes nur noch aus Fortsetzungen besteht. Mass Effect 2 ist auch ein Sequel, aber wenigstens hat Bioware von Anfang an klar gemacht, das Mass Effect eine Trilogie ist. Umso gespannter durfte man natürlich sein, wie die Handlung weiter geht, nachdem man im ersten Teil den bösen Saren besiegte und einen Reaper platt machte. Das sich danach nicht Frieden in der Galaxie ausbreitet ist klar, es wäre ja auch langweilig wenn sich alle einfach lieb haben. So beginnt Mass Effect 2 mit einem Knall. Zumindest wenn man das Startmenü hinter sich brachte und sich entschied, einen Spielstand von Teil 1 mit allen Konsequenzen zu laden oder mit einem neuen Charakter (absolut nicht empfehlenswert) zu starten. Der Knall entsteht in Form mehrerer Explosionen auf der Normandy. Denn das Schiff wird attackiert und in Stücke zerfetzt. Schon allein dieser Anfang ist absolut genial inszeniert, wenn man die Besatzung zu den Rettungskapseln fliehen sieht und man als Sheppard durch das brennende Schiff wandelt. Der genialste Augenblick dabei ist, wenn man das oberste Deck erreicht und durch ein riesiges Loch in den Weltraum sieht – das es dabei keine Gravitation und keinen Ton gibt, ist ein sehr schöner Effekt. Plötzlich ist es ruhig und Einrichtungsgegenstände schweben durch die Gegend. Ehrensache, das so eine Sequenz mit einem noch größeren Knall endet, denn Sheppard kann nicht gerettet werden und fliegt in den Weltraum. Alle Welt nimmt an, der/die Held(in) ist gestorben, aber natürlich ist dies nicht der Fall. Das man ausgerechnet von Cerberus, dieser fiesen Organisation die in Teil 1 durch grausame Experimente auffiel gerettet wird, ist wohl die Ironie des Schicksals. Fortan steht man quasi im Dienst von Cerberus und deren Anführer, dem Illusive Man. Die Handlung wird fortgeführt, indem nun eine neue Bedrohung auftaucht, die so genannten Collectors. Insektenartige Aliens die Kolonisten entführen. Die Aufgabe ist nun klar: Mit der neuen Normandy macht man sich auf. Erstmal gilt es eine Crew zusammen zu stellen und dann stellt man sich den bösen Collectors. Bei der Crew ist es erstaunlich, dass es Bioware direkt wieder schaffte, dem Spieler erstmal zwei völlig farb- und belanglose Charaktere aufs Auge zu drücken. Waren es bei Teil 1 Ashley Williams und Kaidan Alenko die sowas wie die „Rothemden“ der Crew darstellten sind es nun Jacob Taylor und Miranda Lawson. Wobei letztere zumindest als Anfeindungsobjekt eines anderen zukünftigen Crewmitglieds (nämlich Jack) dient und das ist ganz lustig. Aber man wird direkt auf Rekrutierungsmission gehen. Anstatt nun einfach die alte Crew zusammenzutrommeln, muss man neue Leute suchen. Lediglich Garrus und Tali kehren als Crewmitglieder zurück, bei den neuen Charakteren gab man sich große Mühe etwas Abwechslung reinzubringen, auch wenn Grunt im Prinzip nur eine Neuauflage von Wrex ist (Auch wenn mich Grunt etwas mehr an Bud Spencer erinnert durch sein Gegrunze und seinen „immer feste drauf“-Kampfstil), allerdings hat man dafür mit Zaeed einen grummeligen Soldnerveteranen, mit Jack eine psychopathische Irre oder mit Mordin einen dauerplappernden Arzt. Auch die Rekrutierungsmissionen sind schön abwechslungsreich gestaltet, ob man nun dem Arzt Mordin Solus hilft eine Epidemie aufzuhalten, Garrus im Kampf gegen Söldnertruppen unterstützt oder Thali von einer Gethinvasion rettet, es wird viel geboten. Hat man ein Crewmitglied rekrutiert, kann man es bei zukünftigen Einsätzen nutzen, allerdings gilt es zusätzlich noch eine so genannte Loyalitätsmission zu bewältigen. Erst dann hat man das 100%ige Vertrauen dieser Person, kann sie richtig aufleveln und ihr ein neues Outfit verpassen. Und das ist im Prinzip, womit man die meiste Spielzeit verbringt: Rekrutieren und Loyalitätsmission bewältigen. Dies auch, da durch diverse DLCs noch weitere Charaktere dazu kamen und man so eine Mannschaft von 12 Personen auf der Normandy hat. Beil Teil 1 waren es nur halb so viele. Damit geht auch einher, dass die Story schon fast in den Hintergrund rückt. Die Collectors entführen Kolonisten? Wen interessiert es, ich muss ja erstmal meine Crew zusammenstellen und dann noch unzählige Nebenquests absolvieren. Das die Handlung nicht viel her gibt, liegt sicher auch daran, das es eben der zweite Teil einer Trilogie ist. Im ersten Teil wollte man eben direkt etwas bieten, nun aber hebt man sich die Highlights lieber für das große Finale auf. Was als erstes auffällt, wenn man beide Spiele kennt ist, das Mass Effect 2 simpel ist. Fast so als hätte man eine jüngere Zielgruppe im Blick gehabt und wollte die nicht überfordern. Teil 1 bot viel Action aber auch RPG Elemente, verschiedene Ausrüstungsgegenstände die man modifizieren konnte, Charaktereigenschaften die auch tatsächlich Auswirkungen hatten und eben echte RPG-Elemente. Teil 2 dagegen ist ein Third Person Shooter. Wer Mass Effect 2 noch ernsthaft als Rollenspiel bezeichnet, hat nie in seinem Leben ein echtes Rollenspiel gespielt. Es gibt keine Rüstungen mehr, man kann die Waffen nicht mehr modifizieren, unterschiedliche Munition gibt es nicht, die Charaktereigenschaften wurden auf ein absolutes Minimum zusammengeschrumpft und haben sowieso kaum noch Auswirkungen was vor allem für die Partymitglieder gilt. Es wirkt fast so als wollte man alles schön anspruchslos und simpel gestalten, damit ein paar stupide Kids die bei ME1 das weinen ob der Überforderung anfingen nun jubeln weil sie auch mal durch eine Mission kommen. Für Spieler die etwas mehr erwarten, ist es aber schade und ein ziemlich großer Kritikpunkt. Das soll nun nicht heißen, das Mass Effect 2 ein schlechtes Spiel ist. Im Gegenteil macht es sogar richtig viel Spaß, es ist eben nur recht simpel und nichts scheint wirklich Auswirkungen auf die Welt zu haben. Erinnert ihr euch noch in Teil 1 an die Gespräche mit dem Council? Man konnte ständig wann man wollte die Verbindung unterbrechen und so die 3 Fuzzis mächtig ärgern. Beim Nachfolger hat Bioware direkt ein Gut/Böse System eingebaut. Man sammelt Renegade und Paragorn Punkte und dies nun auch in dem man beispielsweise in Gesprächen eine Entscheidung trifft. So stößt man etwa bei der Mordin Solus Mission auf einen kranken Batarian. Im Gespräch hat man die Möglichkeit ihm eine Heilung zu verpassen und so Paragornpunkte zu bekommen oder man drückt nicht die Taste und lässt ihn sterben. Ähnlich ist es in einem Gespräch mit einem Söldner, mitten im Gespräch kann man ihn gekonnt aus dem Fenster kicken so das er unzählige Stockwerke Richtung Tod rast – was die Partymitglieder entsprechend kommentieren. Es ist schön, dass man in einem Spiel endlich mal wirklich böse sein darf. Ob man Leute tötet, ausnutzt, verarscht, betrügt oder bedroht, das ist genauso möglich wie der brave Engel zu sein der immer nur die Wahrheit sagt und sich für alle aufopfert. Neben den zahlreichen Hauptmissionen, welche die Crew auf unzählige Planeten schickt, gilt es auch kleinere Nebenquests zu bestreiten. So hört man etwa 2 Krogans auf der Citadel darüber diskutieren ob es im See beim Präsidium Fische gibt oder nicht. Hier kommt wieder das Renegade und Paragorn System zum Einsatz, wenn man ihnen entweder sagt, dass es dort keine Fische gibt oder man in einem der Souvenirshops einen kauft und dann behauptet der käme aus dem See und diesen verkauft. Die meisten Nebenquests sind recht kurz und schnell zu bewältigen, mitunter sogar quasi im Vorbeigehen. So findet man in der Loyalitätsmission von Garrus einen gefälschten Ausweis, diesen kann man direkt danach für eine Nebenquests mit 2 Asari benutzen. Gekämpft wird wie bei einem Third Person Shooter, wobei man fast komplett auf jegliche Taktik verzichten kann. Augen zu und durch die Gegnermasse funktioniert am besten. Natürlich muss man immer wieder mal in Deckung gehen um seine Gesundheit regenerieren zu lassen. Es ist allerding schon schade, dass die taktischen Elemente keine große Rolle spielen. Normale Munition ist kaum schwächer als die „Armor Piercing“ Munition und man kann zwar seinen beiden Kampfgefährten Anweisungen zur Positionierung geben, aber im Eifer des Gefechts bleibt dafür wenig Zeit und die KI-gesteuerten Leute machen sowieso am liebsten nur das, was sie für richtig halten. Auch hier hat man den Eindruck, dass man sich in Sachen Anspruch ganz enorm zurückgehalten hat. Waffentechnisch gibt es Pistolen, Shotguns, Maschinengewehr, Sniper Rifle und eine Spezialwaffe. Es gibt jeweils ein paar unterschiedliche Modelle, bei dem Maschinengewehr etwa eine die ständig im Burst Mode ist oder das Gewehr das die Geth nutzen und der Spezialwaffe gibt es Flammenwerfer, Granatwerfer oder den Arc Projector. Shotguns sind generell nutzlos und ansonsten muss man sagen, dass es kein vernünftiges Balancing gibt. Der Arc-Projector macht praktisch alles platt und ist dank der Kettenreaktion eine richtig fiese Waffe. Das Geth MG ist das beste MG und bei den Sniper gibt es eine mit Automatikfunktion wo man die Gegner nur so wegräumt. Wie oben schon erwähnt, kann man einen Spielstand von Teil 1 einladen und muss so mit allen dort geschehenen Konsequenzen leben. Hat man das Council oder die Menschheit gerettet? Ist Wrex am Leben? Hat man Ashley oder Kaidan geopfert? All das hat tatsächlich Auswirkungen auf Zwischensequenzen und Dialoge. Positives und negatives gibt es beim restlichen Drumherum zu berichten: Das Mako ist Geschichte, keine dämliche Steuerung mehr und man muss auch nicht über Planeten fahren, stattdessen wird man direkt am Startpunkt jeder Mission abgesetzt. Auch das „Froggerspiel“ ist nicht mehr vorhanden. Schränke und Kisten lassen sich nun einfach öffnen. Dafür gibt es nun ein Hacker-Spiel, wo es geht aus unzähligen vorbeiscrollenden Textfeldern jenes zu finden das angezeigt wird. Verschlossene Türen werden dagegen mit einer Art Memory-Spiel geöffnet, wobei dieses arg simpel und schon fast überflüssig ist. Relativ nervig ist dagegen das Scannen von Planeten. Um neue Waffensysteme und anderen Technikkram erforschen zu können benötigt man verschiedene Rohstoffe, die man per scannen und absenden von Sonden von allen Planeten einsammelt. Dies ist extrem zeitaufwendig und auch nicht sonderlich unterhaltsam. Sehr positiv fand ich auch, dass die Wahl der Party Auswirkungen hat. So wird man beispielsweise recht aggressiv angemacht, wenn man den Geth aus der eigenen Besatzung auf das Schiff der Quarians mitbringt. Persönlich finde ich es auch schade, dass die Citadel enorm geschrumpft ist. War das in Teil 1 noch eine große Stadt die man quasi erforschen konnte, hat man jetzt nur 3 recht kleine Stockwerke. Vielleicht als Entschädigung gibt es dafür noch zwei weitere Planeten mit besuchbaren Städten wo es verschiedene Geschäfte und noch mehr Seitenquests gibt. Grafisch ist das alles sehr abwechslungsreich. Die Stadt Omega wirkt tatsächlich wie ein heruntergekommenes Dreckloch wo sich nur der größte Abschaum der Galaxie versammelt, während Illium recht sauber und freundlich wirkt. Auch bei den einzelnen Missionen trifft man auf sehr abwechslungsreiche Planetenoberflächen und Gebäude. Gegenüber Teil 1 wo alle Nebenquests in den immer gleich aussehenden Räumen abliefen, ist das ein enormer Fortschritt. Besonders beeindruckend ist dabei das Collectorschiff gelungen. Nicht ganz so gut gelungen sind dagegen nach wie vor die Figuren, die sehen größtenteils nicht sonderlich hübsch aus, vor allem weibliche Menschen scheinen nicht die Stärke der Bioware Grafiker zu sein. Sehr schön dagegen die grafischen Effekte, vor allem die Explosionen. Die Musik ist ebenfalls wieder sehr gut gelungen und passt sich atmosphärisch den Situationen an, sie wirkt nie nervig oder aufdringlich. Die Soundeffekte sind auch schön laut, so wie das sein muss. Bei der Sprachausgabe muss man mal wieder sagen, das die deutsche Lokalisierung gekonnt in den Sand gesetzt wurde. Amateurhaft wirkende Sprecher, langweilige Stimmen ohne gute Betonung und ganz besonders die weibliche Sheppard klingt so gruselig das man seine Lautsprecher aus dem Fenster werfen will. Die originale Sprachausgabe dagegen ist richtig gut gelungen, da klingt die weibliche Sheppard auch mal so richtig schön fies oder zynisch wenn es sein muss und wie bei Teil 1 hat man einige bekannte Schauspieler wie Martin Sheen (spricht sehr gelungen den Illusive Man) oder Carrie-Ann Moss ins Studio geschoben. Immer populärer wird die Abzocke mit dem so genannten Downloadable Content. Gekonnt werden Teile aus einem Spiel genommen um dann einige Monate später als kostenpflichte Downloads zu präsentieren. Gab es bei ME1 nur 2 solcher DLCs sind es bei Teil 2 ein ganzer Haufen. Einige bekommt man mit dem Kauf des Spiels direkt gratis dazu. Etwa die Mission rund um Zaeed die gut ist oder die überflüssige Normandy Crash Site „Mission“ und wohl als Gedenken an dass Mako gibt es Missionen mit dem M-44 Hammerhead im Firewalker Pack. Ein schwebender Panzer, dessen Steuerung aber doch etwas besser ist. Andere kriegt man dagegen nur für Geld. Die Waffen und Ausrüstungspacks finde ich reichlich überflüssig, dafür gibt es aber noch drei weitere Missionen: Kasumi – Stolen Memory hat mir gut gefallen, da sie einen neuen Ansatz geht und tatsächlich friedlich lösbar ist. Der Charakter Kasumi hat mir auch richtig gut gefallen. Overlord ist ganz in Ordnung und das Highlight ist Lair of the Shadow Broker, eine sehr umfangreiche tiefgreifende Mission wo man auch Liara kämpfend an der Seite hat. Was mir bei diesem DLC besonders gefallen hat, sind die zusätzlichen Investitionsmöglichkeiten und die vielen Daten und Hintergrundberichte über Charakter des ME Universums. Das ist definitiv eine Empfehlung wert. Mass Effect 2 ist nicht frei von Kritik wie man gemerkt hat. Die Hauptstory ist recht platt und das Spiel ist schon fast zu simpel vom Gameplay her und trotzdem hatte ich enorm viel Spaß. Mittlerweile habe ich es auch dreimal durchgespielt, da es gerade durch Renegade und Paragorn doch einige Unterschiede in Dialogen und Zwischensequenzen gibt und man dank vieler Besatzungsmitglieder immer wieder mit einem neuen Team in die Schlacht ziehen kann, was sich bei all den witzigen Kommentaren und Dialogen einfach lohnt. Gut gefallen haben mir auch der Humor und die zahlreichen Anspielungen auf Science-Fiction Klischees und entsprechende Serien und Filme (Ein schottischer Chefingenieur, wo hat man das wohl schon mal gesehen….) Bleibt als Fazit eben zu sagen, wer Teil 1 mochte, wird auch Teil 2 mögen, da es trotz aller Simplizität genug Unterhaltung bietet. Publisher: Electronic Arts Developer: Bioware Erscheinungsjahr: 2010 Erschienen für: PC, Xbox 360 Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Wählbar  
| Grafik | 8,5/10 | | Spielspass | | Sound | 9/10 | 8,5/10 | | Gameplay | 8,5/10 |
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