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Bekanntlich bin ich ja kein allzu großer Fan von Rollenspielen, auch wenn ich gern Fantasyromane mag und Fantasy generell toll finde. Das ewig umständliche Charakterbasteln nervt mich einfach, genauso wie umständliche Kampfsysteme und bei manchen Spielen dieser Art wird man dann meist auch noch fast gezwungen Magier oder ähnliches langweiliges zu spielen. Mass Effect ist da zum Glück anders und ist weniger Rollenspiel als mehr Third Person Shooter mit Partysystem. Charaktererstellung und Skills gibt es zwar, aber das zum Glück nur am Rand und recht simpel. Was im Mittelpunkt steht ist die Action und Mass Effect inszeniert diese absolut grandios. Wir befinden uns in der Zukunft. Im Jahr 2183 spielen wir Commander Shepard, das entweder in weiblicher oder männlicher Rolle, ich nahm ersteres, es gibt eh zu wenige weibliche Helden in der Spielewelt. Shepard ist an Bord der SSV Normady und die Mission klingt erstmal simpel: Auf zu einem Planeten, Eden Prime, und dort ein außerirdisches Artefakt bergen. Aber wie das in Spielen so ist: Es ist nie so einfach, kurz vor der Ankunft kommt eine Videoübertragung, die eine Attacke zeigt. Auf Eden Prime angekommen beginnt sofort der Kampf, denn Saren, ein Mitglied der eigentlich friedlichen Allianz und dort sogar Spectre, die Elitregruppe die für das Council der Allianz arbeitet. Saren offenbart natürlich sein wahres, böses Gesicht und mithilfe der Geth, einer kybernetischen Alienrasse sorgt er für Krawall. Im Verlauf des Spiels kommt Sarens wahrer Plan heraus, er will die Reaper, eine uralte Rasse künstlicher Intelligenz, in die Welt zurückholen und mit deren Hilfe natürlich mal wieder alles erobern. Wie es bei so einem Spiel mit RPG System üblich ist, startet man als schwacher Held, der keine Fähigkeiten hat und gerade Mal mit einer Pistole umgehen kann. Durch fleißiges Gegner beseitigen und Quests erfüllen, sammelt man Erfahrung und levelt sich auf. Zum Glück ist das Skillsystem recht einfach, hängt aber auch davon ab, welche Charakterklasse man Shepard aufgedrängt hat. Zu Spielbeginn kann man wählen zwischen Soldat, Techniker, Biotik-Spezialist, Infiltrator, Späher oder Wächter. Im Grunde ist das aber wie bei konventionellen Rollenspielen: Der Soldat geht mitten in die Action und löst alle Probleme mit Waffengewalt, der Biotik-Spezialist ist wie ein Magier und löst alles mit Gedankenkraft und magischen Fähigkeiten. Der Wächter ist eine Mischung aus beidem. Ich nahm natürlich Söldner, denn ich will kämpfen und nicht irgendwelche Lichtblitze auf Feinde schleudern und mich hinter Energieschildern verstecken. Weitere Auswahlmöglichkeiten bei der Charakterstellung haben weniger Auswirkung, so kann man wählen ob man der einzige Überlebende einer Schlacht ist, ein Kriegsheld oder ein rücksichtsloser Kämpfer der sich über Leichen an die Spitze arbeitete. Das hat aber eigentlich nur Auswirkungen auf das Gut/Böse System, ändert eine Quest und einige wenige Dialoge. Hat man Eden Prime überstanden, landet man in der Citadel, die große Stadt in dem Universum. Hier darf man sich mit dem unsympathischen Council rumschlagen, das Shepard natürlich nicht glaubt, das Saren böse ist und was er plant. So muss man erstmal Beweise heranschaffen. Das erste Mal als ich in der Citadel stand, war ich schon überwältigt, vom Anblick dieser riesigen Stadt. Menschen wuseln rum, die Architektur ist beeindruckend und es gibt viel zu sehen und zu erleben. Hier warten natürlich auch tonnenweise Nebenquests, ob man etwa einem Mann dabei hilft, die Leiche seiner Frau für ein Begräbnis zurück zuholen , einer Ärztin gegen einen bösen Erpresser hilft oder für die Sicherheitsbehörde C-Sec einen illegalen Waffenhändler überführt. Auch einige Geldsammelquests gibt es, etwa wenn man alle Keeper scannen soll oder man geht einfach in den Nachtclub Flux und spielt eine Runde Quasar spielen. Man wird einige Stunden damit verbringen und es macht richtig Spaß. Schon hier ist man in Kämpfe verwickelt und lernt einige Verbündete kennen, die man in die eigene Party einfügen kann. Darunter direkt zwei der besten Charaktere: Wrex, der grunzige Kopfgeldjäger und Garrus, der sich schon deshalb anschließt, weil er wie Saren zum Volk der Thurian gehört und auf Saren sauer ist. Mit den beiden hatte ich den größten Spaß, da sie eben auch Kämpfer sind und als Rambotruppe macht man eben am meisten Krach. Die anderen verbündeten runden das Team dann mit technischen und biotischen Fähigkeiten ab, wobei eine von ihnen, Liara sogar als Love-Interest für eine kleine Liebesgeschichte herhalten muss (Das Volk der Asari, zu der Liara gehört, wirkt sowieso wie der feuchte Traum eines Nerds, aber das nur nebenbei). Was alle diese Charaktere gemeinsam haben, ist, dass sie sehr detailreich und mit einer Geschichte ins Spiel eingebunden wurden. Abgesehen vielleicht von Ashley Williams und Kaiden Alenko die ein bisschen blass bleiben. Hat man in der Citadel aufgeräumt, wird man irgendwann zum Spectre befördert, bekommt die Normandy und dann geht es ab in den Weltraum. Leider fehlen Kampfszenen im Weltraum, so ein bisschen Wing Commander wäre ganz lustig gewesen. Stattdessen fliegt man von Planet zu Planet. Betreten kann man dabei selbst nur jeweils einen Planet pro Sonnensystem, da finden sich dann die weiteren Quests. Alle anderen Planeten kann man nur anfliegen und scannen, wobei dann entweder ein seltenes Metal oder Reliquien der verschiedenen Alienrassen gefunden werden. Landet man auf einem Planeten, erleben wir praktisch den einzig großen Schwachpunkt von Mass Effect: Das Mako. Mit diesem Fahrzeug soll man theoretisch über den Planet fahren. Theoretisch deshalb, weil die Steuerung unglaublich hakelig ist und das Ding bei jedem kleinen Hügel unkontrolliert in der Gegend rumfliegt. Wenn man dann über Hügel und Berge flog und sah wie sich das Ding mehrfach überschlug, wundert mich schon, wie das die Party ohne Knochenbrüche überstehen konnte. Man kommt aber trotzdem immer ans Ziel, wobei es auf den Planeten unterschiedlich viele davon gibt. Leider sind die Forschungsanlagen und Minen fast alle im gleichen Design und Layout gehalten. Nach 3-4 Planeten kennt man die Forschungsstationen auswendig und braucht gar keine Karte mehr um sich zu recht zu finden. Etwas mehr Abwechslung wäre wünschenswert, aber das hätte wohl dafür gesorgt, dass noch mehr Platz auf der Festplatte verschwendet wird. Wobei es auch irgendwie logisch oder realistisch ist, das die Forschungsstationen alle das gleiche Layout haben, im realen Leben haben wir ja auch oft genug Plattenbauten oder ähnliches, das alles nach Schema F produziert und aufgebaut ist. Zumindest die storywichtigen Schauplätze haben einzigartige Designs und sind meist sehr schön aufgebaut wie etwa die Forschungsstation Peak 15. Was mir an dem Spiel gefallen hat, sind die vielfältigen Entscheidungsmöglichkeiten. Man kann in Gesprächen praktisch frei vorgehen, ob man nun nett ist oder böse, bleibt dem Spieler überlassen. So trifft man im Spiel irgendwann auf den Kriminellen Fist, der nicht nur eine Kneipe in der Citadel (Chora’s Den) leitet sondern auch ein großer Name in der Unterwelt ist. Trifft man auf ihn, kann man sich entscheiden ob man ihn laufen lässt oder kaltblütig erschießt. Das hat Auswirkungen auf Dialoge. Manche Entscheidungen die man im Spiel trifft, haben natürlich auch Auswirkungen auf den mittlerweile erschienenen Nachfolger, wenn man da seinen Charakter aus diesem Teil importiert. Zum einsammeln gibt es bei Mass Effect natürlich auch so einiges. Es gibt mehrere unterschiedliche Waffen wie die Pistole, eine Shotgun, ein Maschinengewehr, eine Sniper und einen Granatwerfer. Für jede Waffengattung gibt es eine ganze Tonne verschiedener Schießprügel mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Die eine mag weniger Schaden anrichten, dafür können mehr Schüsse abgefeuert werden, ehe sie überhitzt. Modden kann man die Waffen auch noch, da gibt es Munition wie Inferno Rounds oder Snowblind Rounds, die unterschiedliche Features haben. So kann man dafür sorgen das der Schaden erhöht wird, die Waffe weniger schnell überhitzt, das es zusätzlich Giftschaden gibt und so weiter. Das richtige kombinieren von bis zu drei dieser Modifikationen ist schon fast eine Kunst für sich. Auch bei den Rüstungen gibt es Modifikationen die mehr Schutz oder eine schnellere Regenerierung bedeuten. Die Rüstungen sind in drei Klassen unterteilt (Schwer, Mittel, Leicht) und auch hier gibt es eine ganze Ladung mit unterschiedlichen Eigenschaften. Hat man zu viele Waffen oder Rüstungen im Gepäck kann man sie natürlich bei einem der Händler verkaufen oder sie zu Omni-Gel umwandeln. Damit kann man dann etwa dass Mako reparieren wenn es zu viel Schaden nahm. Man kann es aber auch anwenden um sich in Computer, Kisten und andere Gegenstände zu hacken. Will man das nicht, kommt man zu einem Minispiel, das entfernt an Frogger erinnert. Unter Zeitdruck muss man 4 Ringe mit einem Pfeil durchhüpfen, darf aber nicht von den ebenfalls rumrotierenden roten Steinen erwischt werden. Leider hat man es mit dem Minispiel etwas übertrieben, denn es macht keinen Sinn, wenn ich das spielen muss, nur weil ich einer Leiche ein Artefakt entreißen will. Da nervt das dann ein bisschen. Bei den Gegnern trifft man meist auf die Geth, die in unterschiedlichen Formen wie die Shock Trooper oder die Sniper. Auch haben sie noch einige Roboter wie den Armature. Dann gibt es noch beispielsweise die Husk, die praktisch Zombies sind und andere böse Aliens die unter Sarens Einfluss stehen. Die KI ist dabei weder bei den Feinden noch bei den Freunden allerdings wirklich gut. Zwar gehen Feinde oft in Deckung, rennen dann aber meist doch etwas blind ins Feuer. Auch die Partymitglieder stehen manchmal dumm rum oder bleiben an einer Ecke hängen. Hier hätte man in jedem Fall noch etwas arbeiten können. Grafisch ist das Spiel sehr schön und beeindruckend in Szene gesetzt, auch wenn einige Texturen recht matschig wirken wenn man davor steht, aber die enorme Weitsicht etwa in der Citadel ist beeindruckend. Auch die Planeten haben unterschiedliche Oberflächen und eigene Himmel. Ob es da nun zwei Sonnen gibt, die Sonne blau ist oder rotes Zeug vom Himmel fällt, da wird für Abwechslung gesorgt. Das Design der Aliens ist ebenfalls sehr einfallsreich und man verlies sich zum Glück nicht auf Klischeealiens der Marke „Grey“. Die Animationen sind auch gut gelungen. Musikalisch geht es hier ein wenig ungewohnt elektronisch zu, aber auch das kann episch klingen und unterstützt die Action immer wieder richtig gut. Die Soundeffekte sind ebenfalls ganz gelungen. Bei der Sprachausgabe würde ich persönlich mal wieder zum Originalton raten. Einige bekannte Schauspieler übernehmen die Charaktere wie etwa Marina Sirtis, Lance Henriksen (Mittlerweile auch in jedem zweitem Computerspiel zu hören) oder Seth Green. Die Sprecher klingen alle überzeugend und glaubwürdig. Mass Effect ist ein Spiel das trotz kleinerer Schwächen (Mako, Froggerspiel) mich zumindest absolut überzeugen konnte. Die enorme Spielzeit (Wenn man sich Zeit lässt ungefähr 30 Stunden) vergeht schon fast im Flug und nach dem erstmaligen durchspielen, habe ich es direkt noch einmal gestartet (Beim zweiten Mal kann man auch bis auf Level 60 aufleveln statt nur Level 50) Die Handlung ist spannend und toll in Szene gesetzt, die Quests sind größtenteils spaßig und die Action klasse. Ein Pflichtspiel für jeden. Publisher: Electronic Arts Developer: Bioware Erscheinungsjahr: 2007 Erschienen für: PC, Xbox 360 Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Wählbar 
| Grafik | 8/10 | | Spielspass | | Sound | 8,5/10 | 8,5/10 | | Gameplay | 8/10 |
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