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Mitternacht, die Zukunft, irgendwann, irgendwo. Eine Leichenhalle. Dunkel, kalt. Bewegung in einem der Leichensäcke. Klamme Hände öffnen den Reißverschluss, vorsichtig stellen sich schwere Schuhe auf den Boden. Mitternacht, die Zukunft, 2019, Black Lake.
Als erfahrener Spieler ahnt man natürlich, der Held, den man nun übernehmen soll, ist da gerade dem Leichensack entstiegen, wie so oft weiß man gar nichts – und die Situation ist nun wirklich sehr verwirrend. Wie kommt man hierher, wer ist man und was ist eigentlich geschehen, dass die Pathologie dermaßen gut zu tun hat?
Am Anfang wartet man eigentlich drauf, dass man gleich eine Schrotflinte in der Hand hat und einen Resident Evil - Teil spielt, so kommt es einem vor. Die düstere Atmosphäre, die sehr stimmigen Soundeffekte, eine unheimliche Hintergrundstory, deren Ausmaße man am Anfang noch nicht erahnt. Aber der Blick ins Inventar und die Steuerung zeigt alsbald: Keine Waffen, ein Point & Click Adventure.
Erstmal die anderen Leichensäcke aufgemacht, mal schauen wer da so drin liegt – und dazu Kommentare am Rande des guten Geschmacks – oft aber auch einfach nur sehr zynisch und treffend oder manchmal nur Opfer einer miesen Übersetzung.
Um es vorweg zu sagen – Midnight Nowhere ist nichts für zartbesaitete Gemüter, auch nicht unbedingt für Fans guter klassischer Adventures. Die Steuerung artet teilweise in Pixelsucherei aus, das Benutzen bzw. Kombinieren von Gegenständen ist wirklich umständlich. Actionspielern fehlt natürlich die Waffe. Gerade am Anfang hangelt man sich von Schlüsselsuche zu Zahlencode. Die Sprachausgabe ist nicht gerade berauschend, der Protagonist leiert seine Texte (die teilweise gravierende grammatikalische Fehler aufweisen oder gar keinen Sinn ergeben) doch recht gelangweilt herunter.
Warum also sollte man sich das überhaupt antun? Weil man – trotz aller offensichtlicher Mängel – eine absolut stimmige, gruselige, morbide Atmosphäre erlebt. Und eine Spielwelt voller schwarzem Humor, zynischen Kommentaren und seltsamen bzw. makaberen (teilweise aber auch wirklich gelungenen) Rätseln. So gilt es auch mal Finger mit dem Beil abzuschlagen, einen bereits toten Wärter zu Köpfen und überhaupt liegen überall Leichen rum und das Spiel geizt nicht gerade mit Blut. Die Rätsel gehen von der allseits beliebten Schlüsselsuche bis hin dazu, dass man Werkzeuge bastelt oder gar Gewohnheiten von Leuten studieren, um an deren Passwörter zu kommen. Manchmal scheitert man aber auch daran, dass man gar nicht weiß in welcher Reihenfolge man was nun wie kombinieren muss, um etwas zu benutzen, gerade zu Anfang wirkt das sehr umständlich.
Die Musik bzw. Soundeffekte passen gut zum Spiel und allein die ganzen Plakate, Kalender, die Inneneinrichtungen oder überhaupt die ganzen Details - genau das macht das Spiel sehr lohnenswert, es gibt viel zu entdecken. Die Grafik ist auch recht gelungen und stimmig.
Leider findet man sich nach der gelungenen Flucht in einem Gefängnis wieder, und ab da ist es unglaublich nervig. Man weiß nicht, was man anklicken kann, manchmal geht es dann wieder nicht, bei einigen Personen muss man den richtigen Zeitpunkt abwarten und darunter leidet das ganze Spiel.
Fazit: Für wenige Euro ist das Spiel mal einen Blick wert und man erlebt ein sehr düsteres Gruselzenario, das für etwa 7-8 Stunden gut unterhält (das doppelte, wenn man es zu Ende spielt). Für Trashfans interessant - alle anderen sind bei klassischeren Adventures besser aufgehoben.
Publisher: Data Becker Developer: Saturn plus Erscheinungsjahr: 2003 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Schwankend

| Grafik | 6,5/10 | | Spielspass | | Sound | 6/10 | 5,5/10 | | Gameplay | 5/10 |
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